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Bestandserhaltung als Garant des Kulturellen Gedächtnisses in Deutschland
Ein Beitrag von Dr. Wilhelm R. Schmidt, Frankfurt am Main

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Wissenschafts- und Kulturinstitutionen, Bibliotheken und Archive haben heute nicht nur neue Medien zu erwerben, sondern sie stehen auch vor der Aufgabe, das bereits vorhandene Kulturgut auf Dauer zu erhalten. Die Beseitigung von Schäden durch Papierzerfall ist hier nur ein Beispiel.

Bei der Rettung historischen Kulturguts ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft -neben anderen Institutionen - ein verlässlicher Partner. Ebenso wie beispielsweise die VW-Stiftung unterstützt sie zahlreiche Restaurierungs-, Sicherheitsverfilmungs- und Digitalisierungsvorhaben in den Bereichen Kultur und Wissenschaft.

Ich möchte nunmehr versuchen, die Bedeutung der sog. Bestandserhaltung für unser kulturelles Gedächtnis durch sieben kurze Bemerkungen schlaglichtartig zu bestimmen: Diese Bemerkungen tragen die Überschriften:

1) Bibliotheken und Wissenschaft, 2) Bestandserhaltung hat heute Konjunktur, 3) Tontafeln, saure Bücher, Tonbänder und digitale Datenträger, 4) Einige praktische Aspekte des Bestandsschutzes beim traditionellen Buchgut, 5) Sicherheitsverfilmung und Digitalisierung in Archiven und Bibliotheken, 6) Bestandserhaltung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und 7) Bestandserhaltung in der Wissenschaftsstadt Frankfurt und die "Aktion Notbuch" der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.
 

Bibliotheken und Wissenschaft

Zukunft durch Wissenschaft und Zukunft der Wissenschaft (so der Untertitel unserer Veranstaltung) werden in nicht unerheblichem Masse durch die Arbeit mit bewirkt, die in Archiven und Bibliotheken geschieht. Dass die wissenschaftlichen Bibliotheken der Wissenschaft dienen sollen, ist sozusagen sprichwörtlich, versteht sich von selbst, und dieser Tatbestand dient gelegentlich als Steinbruch für Festschriftentitel verdienter Direktoren. Dass aber die Bibliotheken selber auch Orte der Wissenschaft sind, ist weit weniger bekannt. So beheimatet beispielsweise die Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek mehrere wissenschaftliche Archive, forscht und entwickelt im Handschriftenbereich und betreut mit der Senckenbergischen Bibliothek zusammen mehr als zehn Sondersammelgebiete im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, darunter die Allgemeine Literaturwissenschaft und Germanistik, die Linguistik, Afrika südlich der Sahara, Ozeanien sowie die Biologie. In allen diesen Gebieten besitzt die Bibliothek einen immensen Fundus historischen Materials, das zukünftig sachgerecht Wissenschaft ermöglichen soll und daher für die Zukunft professionell und ohne nur kurz- und mittelfristige Scheinlösungen oder Verschlimmbesserungen erhalten werden muss.

Die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Sondersammelgebiete sind, wenn auch in der Höhe der Fördermittel nicht direkt vergleichbar, die Sonderforschungsbereiche des Wissenschaftlichen Bibliothekswesens.
 

Bestandserhaltung hat heute Konjunktur

Bestandserhaltung, mit einem angloamerikanischen Begriff: preservation activities, dieses Thema hat heute Konjunktur.

Das war nicht immer so. Erst gegen Ende der 80er Jahre wurden die Bemühungen um die Erhaltung historischen Kulturguts in den Bibliotheken und Archiven intensiviert und es bildete sich für das Problem eine internationale Diskussion. Konkrete Vorschläge zur konzertierten Aktion in Deutschland gingen von der Kultusministerkonferenz um 1992 aus. Dabei wurde den Bundesländern nahegelegt, ihren Bibliotheken für die Bestandserhaltung ein bis drei Prozent des Erwerbungsetats zusätzlich zuzuteilen.

Die einzelnen Länder und Bibliotheken haben diese Empfehlung jedoch sehr unterschiedlich oder auch gar nicht umgesetzt. Positive Beispiele lieferten vor allem Bayern und Sachsen, wo für Bestandserhaltungsmaßnahmen - jeweils auf Landesebene- bis auf weiteres 5 Mio. DM zusätzlich per anno ausgegeben werden sollen.

Manche Länder beginnen jetzt, landesweite Konzepte zu erarbeiten, so auch z.B. in Niedersachsen. Die jetzt wachsende Konjunktur des Themas zeigt sich auch an der Einrichtung neuer, zusätzlicher Abteilungen, die sich der Bestandserhaltung speziell widmen sollen, so etwa auch in der Deutschen Bibliothek und seit mehreren Jahren schon bei der Bayerischen Staatsbibliothek. Bestandserhaltung, Archivierung und Aussonderung erscheinen heute als abteilungsübergreifende Managementaufgabe.
 

Tontafeln, saure Bücher, Tonbänder und digitale Datenträger

Schlechte Lagerbedingungen, die deutlich stärkere Benutzung der Gegenwart und unzureichende Pflegemaßnahmen haben in den letzten Jahrzehnten zu gravierenden Schäden an unseren Archiv- und Bibliotheksbeständen geführt.

Das Zeitalter der beschleunigten Wissensgewinnung brachte gleichzeitig auch die Gefahr der beschleunigten Wissensvernichtung mit sich. Eine Broschüre der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg aus dem Jahre 2000 widmet sich speziell den Gefahren für das Archivgut, die aus der heute verstärkten Benutzungsintensität herrühren. "Das konservative Prinzip, das die materielle Integrität des Dokuments bezweckt, um es immer wieder vorlegen zu können", heißt es dort, "findet in der Abnutzung, die damit unvermeidlich verbunden ist, seinen Widerpart".

Gemeint sind hierbei in der Tat nicht nur die sauer gewordenen Bücher. Nicht nur die großen Universalbibliotheken mit einer beispielsweise hier in Frankfurt mehr als 500 Jahre zurück reichenden Geschichte, sondern auch kleinere universitäre Institute und Spezialinstitutionen weisen i.d.R. eine große Varianz von schützenswerten Beständen auf. Dabei müssen antike Tontafeln entsäuert werden, Papyri können u.U. überhaupt nur noch durch Sicherheitsverfilmung und Digitalisierung tradiert werden, Mäuse, Insekten und auch Pilze in den interessantesten Farben schrecken weder vor alten noch vor neuen Büchern zurück. Bei alledem erweisen sich die modernen Datenträger durchgängig als besonders gefährdet und kurzlebig. Der Zahn der Zeit nagt besonders erfolgreich an Tonbändern, Videobändern, Compact Discs, DVDs und ähnlichen Datenträgern der digitalen Gegenwart.
 

Einige praktische Aspekte des Bestandsschutzes beim traditionellen Buchmaterial

Unterschieden werden in der Bestandserhaltung zumeist präventive Maßnahmen, spätere konservatorische Eingriffe, und die Übertragung der Information auf Ersatzmedien. Bei den präventiven Maßnahmen spielen dabei insbesondere die Raumverhältnisse eine große Rolle. Die Faustregel lautet hier: so kühl und so trocken wie möglich, die Luft muss um das Buchgut zirkulieren können, wasserführende Leitungen sollten möglichst nicht vorhanden sein, eine beträchtliche Gefahr besteht auch durch Schwitzwasser, der ideale Baukörper besteht deshalb in unseren Breiten überwiegend aus Ziegelmauerwerk und nicht etwa aus Beton. Das Buchgut sollte möglichst bereits auf alterungsbeständigem Papier gedruckt sein, Archivmappen und Archivkästen ebenso.

Bei den restaurierenden Verfahren sind vor allem die unterschiedlichen Entsäuerungsverfahren zu nennen, manuell oder maschinell, zur Festigung brüchigen Papiers wurden, ebenfalls manuell oder maschinell, Papierspaltverfahren entwickelt, bei denen den einzelnen Papierseiten eine stabilisierende Zwischenschicht einverleibt wird. Auch das sog. Anfasern von Fehlstellen ist seit vielen Jahren ein gängige Methode. Ein Entgegenwirken von Zerstörungen durch Schimmelpilz ist mittels verschiedener Methoden möglich. Entweder durch simples Ausbürsten, durch Begasen mit Ethylenoxyd oder durch eine Behandlung mit Gammastrahlen. Manchmal werden bei Insektenbefall auch ganze Räume begast. Aus Umwelt- und Gesundheitsgründen werden nunmehr die chemischen Verfahren -wo immer möglich- nach und nach durch physikalische ersetzt.
 

Sicherheitsverfilmung und Digitalisierung von Archiv- und Bibliotheksmaterial

Neben den präventiven und restaurativen Methoden spielt bei der Bestandserhaltung ,wie bemerkt, mehr und mehr die möglichst frühzeitige Übertragung der Originale auf Sekundärmedien eine Rolle. Dies ist eine sinnvolle zusätzliche Maßname, die die Originale zu schonen erlaubt und die Möglichkeit eröffnet, unter Zuhilfenahme der heutigen Technik den Zugang zu den Materialien regional wie international zu erweitern.

International spielt hier die Commisson on Preservation and Access eine fördernde Rolle, seit einigen Jahren auch deren europäische Sektion, in deren Schriftenreihe Theorie und Praxis der Sicherheitsverfilmung, der Digitalisierung, sowie der nationalen und internationalen Zusammenarbeit bei der systematischen Rettung historischen Kulturguts in Bibliotheken und Archiven diskutiert werden. Aber auch in Deutschland selbst hat die koordinierte Einführung von Sekundär- oder Surrogatmedien bereits eine Tradition. So wurde Anfang der 90er Jahre bei der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a.M. eine Koordinierungsstelle für die Mikrofichierungsaktivitäten der großen wissenschaftlichen Bibliotheken eingerichtet, die an einem entsprechenden Förderprogramm der VW-Stiftung damals teilnahmen. Diese Aktivität wird von der Bibliothek bis heute fortgeführt. Mitte der 90er Jahre kamen dann die Fördermaßnahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft hinzu. Unter dem Gesamttitel der "verteilten digitalen Forschungsbibliothek" werden seitdem in den unterschiedlichsten Bereichen von Wissenschaft und Forschung, sowie in den Archiven und Bibliotheken Einzelvorhaben gefördert, die das für die Wissenschaft relevante Kulturgut retten und international verfügbar machen sollen. Das Spektrum der bewilligten Vorhaben reicht von der Verfilmung und Digitalisierung von Turfanhandschriften über tibetanische Blockbücher bis zur digital bewirkten Integration unterschiedlicher mittelhochdeutscher Wörterbücher.

Lassen Sie mich, weil unsere Veranstaltung ja eine der Frankfurter wissenschaftlichen Aktivitäten ist, einige Beispiele der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Frankfurter Projekte nennen:

So digitalisiert die Deutsche Bibliothek z. B. deutsche Exilzeitschriften, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung Pädagogische Zeitschriften und bildungshistorisch relevante Abbildungen, das Deutsche Rundfunkarchiv digitalisiert den "Schwarzen Kanal" des DDR-Fernsehens, das Deutsche Institut für Filmkunde digitalisiert Gutachten der ehemaligen Film-Oberprüfstelle. Das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte hat bereits mehrere Projekte angefangen bzw. beendet, darunter die Digitalisierung von Literaturquellen des Privat- und Prozessrechts im 19. Jahrhundert. Die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main hat bei der Entwicklung eines nationalen Programms für eine verteilte digitale Forschungsbibliothek von Anfang an, und beruhend auf den Erfahrungen des vorausgegangenen Mikrofichierungsprojekts der VW-Stiftung, eine beträchtliche Vermittlungsrolle gespielt, vor allem auch dadurch, dass die Direktion und einschlägige Abteilungsleiter seit vielen Jahren in den Ausschüssen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in denen neue Projekte diskutiert und begutachtet werden, aktiv vertreten waren und sind. Dadurch entstand nach und nach ein Kompetenzzentrum, bei dem die heutigen Methoden der Sicherheitsverfilmung und Digitalisierung bestens bekannt sind und es werden unabhängig von den eigenen Projekten intensive Beziehungen zu den in Frage kommenden technischen Dienstleistern unterhalten. Dementsprechend sind die Einzelprojekte der Stadt- und Universitätsbibliothek im Bereich der Bestandserhaltung vielgestaltig:

Im Verfilmungsbereich wurden neben der bereits genannten Mikrofichierung wertvoller Buchbestände insbesondere des 19. Jahrhunderts mit einem amerikanischen Partner zusammen die Handschriften vor 1600 zur Gänze verfilmt, im Zusammenhang der Deutschen Forschungsgemeinschaft beginnt die Bibliothek, häufig gewünschte und wissenschaftliche relevante Zeitschriften der Sondersammelgebiete zu verfilmen. Hier wurde zunächst mit Zeitschriften des Sondersammelgebiets Germanistik begonnen. Im Digitalisierungsbereich betreibt die Bibliothek bereits Server für eine ca. 55000 Einheiten umfassende Koloniale Bildsammlung sowie für Flugblätter und Flugschriften aus der Zeit der Revolution von 1848. Die nationale und internationale Reaktion auf die im weltweiten Netz verfügbaren Dateien ist immens und führt neben den fast täglichen, auch interaktiv möglichen, Anfragen auch zur häufigen Verwendung des Materials in den Medien. Beim Kolonialen Bildarchiv wird zur Buchmesse 2001 zusätzlich ein Bildband im Sutton Verlag erscheinen, Kunden können sich auch Teile des Gesamtmaterials, beispielsweise die Bilder und dazugehörenden Daten zu Ostafrika, Deutsch-Südwest, Togo oder Tsingtau auf CD-ROM separat bestellen. Die Werbung für das Produkt auf nationalen und internationalen Kongressen erfolgt über mehrsprachige power point Demonstrationen. Auch im Bereich des Sondersammelgebiets Judaica/Israel, das die Stadt- und Universitätsbibliothek auch aufgrund der ehemals größten kontinentaleuropäischen Judaica- und Hebraica- Sammlung seit vielen Jahre betreibt, werden die Spezialbestände für die Zukunft gesichert und über die modernen technischen Möglichkeiten besser verfügbar gemacht.

Durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert sind hier z.Zt. zwei Aktivitäten zu nennen: zum einen die Erschliessung und Netzbereitstellung von jüdischen Zeitschriften (dies geschieht gemeinsam mit dem Institut für Germanistik der Universität Aachen und der Bibliothek Germania Judaica in Köln), zum anderen die Sicherheitsverfilmung, Digitalisierung und Netzbereitstellung von knapp 900 jiddischen Gebrauchsschriften, die nicht nur ihrer heutigen Seltenheit wegen, sondern auch wegen ihres schlechten Papierzustands für das internationale Interesse zugänglich gemacht werden sollen. Die Originale wären der heutigen, verstärkten Benutzung schon jetzt nicht mehr gewachsen. Zuletzt soll hier die Erarbeitung einer digitalen Version der "Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft" erwähnt werden, eines der bedeutendsten Frankfurter Bibliotheksprojekte, in der ursprünglichen Buchform zurückgehend auf den ersten Nachkriegsdirektor der Stadt- und Universitätsbibliothek und den Frankfurter Verleger Klostermann. Beide spielten auch bei der Gründung der Deutschen Bibliothek, in der wir uns heute befinden, eine bedeutende Rolle. Der "Eppelsheimer-Köttelwesch", so der Zitiertitel der Bibliographie bis heute, wurde bereits seit 1990 edv-gestützt erfasst und verarbeitet, z.Zt. werden die Jahrgänge 1985-1989 retrospektiv digitalisiert, Ziel ist die gänzliche retrospektive Digitalisierung bis zum ersten Berichtsjahr 1945 nach dem zweiten Weltkrieg. Das Gesamtprodukt soll wie die zuvor angesprochenen Aktivitäten der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main über das Internet verfügbar sein. Durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft versteht es sich von selbst, dass der Wissenschaftsgemeinschaft diese Daten nicht verkauft, sondern allenfalls mit einer Nutzungsgebühr belegt angeboten werden.

Andere Pläne der Verfilmung und Digitalisierung der Stadt- und Universitätsbibliothek, die wahrscheinlich noch in diesem Jahr in entsprechende Anträge an die Deutsche Forschungsgemeinschaft münden werden, wie z.B. der Aufbau eines digitalen Bildnisarchivs im Bereich Musik und Theater oder aber der Aufbau einer virtuellen Fachbibliothek speziell für den Sondersammelbereich Linguistik sollen hier nur erwähnt werden. Gänzlich unaufgeführt bleiben hier die Arbeitsbereiche der Stadt- und Universitätsbibliothek, die mit einer Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gar nichts zu tun haben, so die Digitalisierung von Börne- und Heinse- Autographen und anderes.

Lassen Sie mich nunmehr noch ein Schlaglicht auf die internationale Entwicklung werfen: Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die deutschen Bibliotheken sich bei den Bestandserhaltungsmaßnahmen nur auf ihre je eigenen Bestände bzw. auf die eines Bundeslandes beschränkten. Gerade weil die modernen Bestandserhaltungsmaßnahmen durchgängig mit einer besseren Verzeichnung und Erschließung einhergehen, wächst auch das überregionale und internationale Interesse an dem Material und es kommt, z.Zt. wiederum teilweise DFG-gefördert zu internationalen Kooperationen. Um bei den genannten Vorhaben der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a.M. zu bleiben:

Bei dem 1848er Projekt kommen besonders europäische Partner in Frage ( z.B. verfügen die Wiener Nationalbibliothek und die Wiener Stadtbibliothek über ausgezeichnete einschlägige Sammlungen), bei den DFG-Sondersammelgebieten "Afrika südlich der Sahara" und der "Wissenschaft vom Judentum/Israel/Jiddistik" sind dies z.Zt. u. a. die amerikanischen Universitäten Harvard und Indiana wegen der dort gleichen Forschungsinteressen. Über das internationale German Ressources Project hat die Kooperation mit den genannten Partnern bereits begonnen, zunächst mit einem umfangreichen Austausch von Material, gemeinsame, interaktive Serverlösungen sind insbesondere mit Harvard angedacht. Eine Kooperation in Bezug auf die Sicherung historischer Bild- und Textdokumente aus kolonialgeschichtlicher Zeit mit der Nationalbibliothek, dem Nationalarchiv und anderen großen Bibliotheken des heutigen Namibia ist bei der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt im Aufbau. Eine diesbezügliche Informationsreise wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Jahre 2000 bereits durchgeführt. Bleibt zu bemerken, dass auch private Stiftungen, auch solche im heimischen Raum, bei den Bemühungen der Bibliothek um Bestandserhaltung und die Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten historischen Kulturguts in erheblichem Maße mit geholfen haben, so insbesondere die Möllgaard- Stiftung und die Messer-Stiftung in Frankfurt a.M.
 

Bestandserhaltung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit

Die mit öffentlichen Mitteln finanzierten Archive und Bibliotheken wären völlig überfordert, wollten sie die unbestritten notwendigen Rettungsmaßnahmen am historischen Buchgut aus ihrem eigenen Etat gänzlich finanzieren. Auch die bereits erwähnten Sondermaßnahmen und Sondermittel einzelner Bundesländer reichen dazu nicht aus. Zuletzt wurden auch Gelder von privaten Stiftungen erwähnt. Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch erfolgreiche Versuche einzelner Archive und Bibliotheken, an die breite Bevölkerung zu gehen und dort für die Erhaltung gefährdeten Buchguts zu werben. Bekannt sind die Versuche der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, des Schiller-Nationalarchivs in Marbach am Neckar und der Versuch der Rettung der Bach-Autographen bei der Berliner Staatsbibliothek. Kooperationen mit der Presse sowie finanzstarken Wirtschaftsinstitutionen ermöglichten hier ganzseitige Anzeigen etwa in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der ZEIT. Derartige Kampagnen, die auch einen sehr hohen Input an Geld und Arbeitskraft erfordern, haben in den genannten Fällen außerordentlich viel Spendenmittel, sogar solche in Millionenhöhe, eingebracht, sind aber in dieser Form kleineren oder unbedeutenderen Institutionen kaum möglich.

Dennoch gilt es generell, die Bereiche Bestanderhaltung, Archivierung und Aussonderung als Managementaufgabe zu begreifen, die geeignete Werbung dafür eingeschlossen. Wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Bestandserhaltungsmanagement sind eine umfassende und detaillierte Schadensanalyse und damit zusammenhängend die Ermittlung der erforderlichen Finanzmittel. Alle Einzelmaßnahmen der Bestandserhaltung verlangen nach zielgerichtetem Handeln und effizienter Problemlösung.
 

Bestandserhaltung in der Wissenschaftsstadt Frankfurt am Main und die "Aktion Notbuch" der Stadt- und Universitätsbibliothek

Besonders in den Jahren 1999 und 2000 begann sich das verstärkte Interesse für Bestandserhaltung in Deutschland zum ersten Male konkret auszuwirken. Bei den bereits genannten Aktivitäten in Berlin, Marbach und Weimar wurden die großen Erfolge nur durch eine gezielte und umfassende Öffentlichkeitsarbeit möglich. Wie auch andere Universitätsbibliotheken versucht nun auch die Stadt- und Universitätsbibliothek / Senckenbergische Bibliothek verstärkt, Bestandserhaltung über Öffentlichkeitsarbeit zu bewirken. Dazu soll insbesondere die "Aktion Notbuch" dienen, die öffentlich insbesondere während der "Tage der offenen Tür" der Frankfurter Stadtverwaltung am Samstag, dem 05.05.2001, interessiertes Publikum in unser Haus gelockt hat. Gezeigt wurden Preziosen und andere Objekte in unrestauriertem und später restauriertem Zustand, neben der bloßen Information über die Restauriertätigkeit besteht bis auf weiteres die Möglichkeit der Übernahme von Buchpatenschaften. Eine Werbebroschüre mit konkreten Patenschaftsangeboten einschließlich der Angabe der voraussichtlichen Kosten ist bereits zahlreich an die Mitglieder der Fördervereine für Bibliothek und Universität versandt, andere der Stadt und der Universität nahestehende Institutionen haben bei diesem Thema ihr Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt.

Bereits im Vorfeld der Aktion erreichten uns über eine kleine Vorausveröffentlichung im Frankfurter Uni-Report mehrere Spendenbeträge und Buchrettungsvorschläge. Interessant ist dabei, dass nicht nur der Wunsch geäußert wurde, Preziosen wie die Merianstiche zu retten. Ein Mitglied der Universität sorgte sich vielmehr um eine Dissertation von 1924 im lange Zeit üblichen Vervielfältigungsdruck, auf "Butterbrotpapier" im Rotaprintverfahren mit Spiritus. In der Tat sind "preservation activities" auch hier dringend gefragt. Die lokalen bzw. regionalen Bemühungen der Stadt- und Universitätsbibliothek/ Senckenbergischen Bibliothek Frankfurt am Main werden künftig mit der in nächster Zeit zu gründenden Allianz zur Rettung von Kulturgut verbunden sein, mit der ca. zehn große und leistungsfähige Bibliotheken und Archive, darunter die beiden deutschen Staatsbibliotheken, die Deutsche Bibliothek und das Bundesarchiv, das inzwischen so genannte Büchersterben aufhalten wollen. Die Bibliothek setzt damit auch die Bemühung um die Sammlung deutscher Drucke fort, wobei sie in diesem Bereich insbesondere für die Bücher zuständig ist, die in Deutschland zwischen 1801 und 1870 erschienen sind, in einer Zeit also, in der auf Grund der notwendigen "Modernisierung" der Produktionsprozesse der Grund für den späteren Verfall des Buch- und Schriftgutes gelegt wurde.

 

 

 

Zum Autor:
Dr. Wilhelm R. Schmidt, Stellvertretender Leiter der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main
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