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Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken
Ein Beitrag von Dr. Hartmut Böhrenz, Berlin

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Die Sensibilität der Bibliotheken und Medien hinsichtlich der Erhaltung der vom Zerfall bedrohten Bibliotheksbestände hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Weltweit sind handschriftliche und gedruckte Zeugnisse aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft in zum Teil beunruhigendem Ausmaß beschädigt oder gefährdet. Obwohl das Schadensbild in erster Linie durch die natürliche Alterung der Materialien bestimmt ist, treten nicht selten Schädigungen durch unzulängliche Magazinierung, fehlende oder unzureichende Pflege und durch unvorhersehbare Unglücksfälle hinzu. Auch die Beschädigung im Zuge einer starken Benutzung ist ein nicht zu vernachlässigender Einflussfaktor auf die physische Beschaffenheit einer Sammlung. Die Herausforderung, der sich die Verantwortlichen stellen müssen, darf nicht bagatellisiert werden. Durchgreifende bestandserhaltende Maßnahmen sind in die Wege zu leiten und sind in den meisten Fällen unaufschiebbar geworden. Die Bestandserhaltung ist ein kreativer Prozess mit dem Ziel, die Zugänglichkeit der Materialien zu steigern. Hierbei sollte das Bemühen im Vordergrund stehen, die Sammlungen so vollständig wie möglich im Original für die Benutzung bereitzuhalten. Die Übertragung fragiler Bibliotheksbestände auf andere Medien sollte nicht ohne fachliche Begutachtung des Schadensfalls und in Abhängigkeit vom intrinsischen Wert der Objekte geschehen, denn die Sammlungsstücke sind nicht selten Kunstobjekte oder Zeitdokumente von hohem kulturellen Wert.

 

Prophylaxe

Allen Maßnahmen zur Bestandserhaltung ist die Schadensvorbeugung durch geeignete Unterbringung und Bereitstellung des Bibliotheksgutes voranzustellen. Diese beiden Vorkehrungen, die den natürlichen Zerfall der Objekte verlangsamen, machen die Durchführung buchbinderischer und restauratorischer Maßnahmen erst sinnvoll. Die Prophylaxe ist die wirksamste und zugleich kostengünstigste Form der Bestandserhaltung.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass nicht allein günstige klimatische Bedingungen in den Magazinen für eine optimale Langzeitlagerung der Bibliotheksbestände entscheidend sind, sondern dass auch die schädigenden Auswirkungen auf die Objekte bei ihrer Verlagerung zwischen dem kühl zu haltenden Magazin und dem normal klimatisierten Lesesaal berücksichtigt werden müssen, sollten in den Magazinen die Standardwerte 18° C für die Temperatur und 50% relative Luftfeuchtigkeit unbedingt eingehalten werden, wodurch die Temperatur- und Feuchtesprünge für das Ausleihmaterial nicht zu groß werden. Bei dem Verbringen der Materialien sind vor allem die Temperaturwechsel und nicht so sehr die Feuchtewechsel als entscheidender klimatischer Faktor der Papieralterung anzusehen.

Da das Wärmebedürfnis der Bibliotheksbenutzer heutzutage bei 22 °C und mehr liegt, ist bei Lesesaalbeständen und frei zugänglichen Magazinbeständen zu bedenken, dass diese Temperatur der Bestandserhaltung abträglich ist. Freihandbestände tragen daher den Charakter von Verbrauchsmaterialien. Da aber gerade in den Handbibliotheken der Lesesäle die oft schwer zu ersetzenden Allgemeinenzyklopädien, Fachenzyklopädien, Wörterbücher, Bibliographien sowie Hand- und Lehrbücher stehen, ist dieser Literatur unter konservatorischen Gesichtspunkten große Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Beleuchtung der Materialien muss so niedrig wie möglich gehalten werden, da die Lichteinwirkung deren Zerfall fördert. Eine kurzzeitige Beleuchtung mit hoher Beleuchtungsstärke zeigt dieselben Folgen wie eine lang andauernde Einwirkung des Lichtes mit geringer Beleuchtungsstärke. Die Belichtung, das Produkt aus Beleuchtungsstärke und Zeit, bestimmt den Grad der photochemischen Veränderung. Am gefährlichsten ist das besonders energiereiche ultraviolette Licht. In den zwangsläufig gut auszuleuchtenden Lesesälen sollte die auf das Schriftgut fallende Beleuchtungsstärke dennoch 250 Lux nicht überschreiten. Für Magazinräume ist unter konservatorischen Gesichtspunkten eine sich selbständig regulierende Beleuchtungsanlage, die einzelne Magazinabschnitte nur bei ihrem Betreten voll ausleuchtet, besonders günstig. Für kostbare Handschriften und Autographe, empfindliche Druckschriften sowie wertvolle Graphik, die in Ausstellungen gezeigt werden, ist ein Grenzwert von 50 Lux verbindlich.

Ein nicht unbedeutender klimatischer Faktor für das bibliothekarische Sammelgut ist die es umgebene Luft. Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Ozon usw. zeigen insbesondere an Leder und industriell aus Holz gefertigtem Papier zerstörende Wirkungen. In durch Luftschadstoffe und Staub stark belasteten Gebieten sind Klimaanlagen, die die zugeführte Luft filtern, ein hilfreiches Prophylaktikum.

Zur Schadensvorbeugung gehört auch die sachgemäße Aufstellung der Materialien. Die gebundenen und die ungebundenen Bibliotheksmaterialien sind, möglichst getrennt nach ihrer Größe, in Regalen unterzubringen. Die Bücher sollten dort so fest stehen, dass sie aneinander Halt finden, und so locker, dass sie leicht mit der Hand herausgenommen werden können. Größere Objekte sind horizontal, möglichst in Kassetten, zu lagern. Großformate wie bestimmte Atlanten sind einzeln liegend, am besten auf ausfahrbaren Regalbrettern, unterzubringen. jede Stellfläche muss ein wenig größer als die auf ihr stehenden Materialien sowie glatt sein und darf keine scharfen Kanten und vorspringenden Teile aufweisen. Ganz allgemein gilt, dass die Aufstellung der Regale und Bücher so großzügig bemessen sein muss, dass die Ausbildung eines . Raumklimas, das die Entstehung eines Schimmelpilze und Bakterien begünstigenden Mikroklimas fördert, vermieden wird. Die Temperatur und die relative Feuchtigkeit der Raumluft lassen sich in den Lesesaalzonen und in den Magazinen zuverlässig mit Thermohygrographen kontrollieren unter der Voraussetzung, dass die Messgeräte regelmäßig geeicht werden.

 

Schadenserhebung

Im Vorfeld bestandserhaltender Maßnahmen ist eine Erhebung über den Umfang und die Art der Schäden unerlässlich, um den Handlungsbedarf abschätzen und gezielte bestandserhaltende Maßnahmen einleiten zu können. Hier sei auf die methodischen Vorarbeiten und Untersuchungen des Deutschen Bibliotheksinstituts verwiesen, hinsichtlich der Kriterien für die Bestimmung des intrinsischen 'Werts der Materialien auf die Archivschule Marburg.

 

Binden und Reparieren von Druckschriften

Moderne Bücher, die häufig benutzt werden, so auch alle Lesesaalbestände, müssen fest eingebunden sein. Für den Buchblock ist die Fadenheftung unverzichtbar, das Einbandmaterial muss strapazierfähig sein. Beschädigte Bücher des Neubestandes sollten in der Regel nach den Vorgaben der Bibliothek in einer Stadtbuchbinderei fachgerecht ausgebessert oder umgebunden werden.

Das sogenannte alte Buch des 16. bis 19. Jahrhunderts ist möglichst originalgetreu zu erhalten, soweit ein Handeinband von individueller Ausdruckskraft vorhanden ist. Da im allgemeinen der Buchblock aus alterungsbeständigem Hadernpapier unbeschädigt ist, beschränken sich die Wiederherstellungsarbeiten auf den Bucheinband. Künstlerisch wertvolle Originalbände, die die Entwicklung der Einbandkunst repräsentieren, sollten auch bei starker Beschädigung als erhaltenswert erachtet werden. Das Aufbringen von Einbandfragmenten auf einen neuen, aber der damaligen Zeit entsprechenden und neutral ohne Verzierungen gestalteten Einband bedeutet nämlich nicht ausdruckloses Konservieren des Vorhandenen, sondern vermittelt einen belebten Eindruck von der handwerklich-künstlerischen Leistung der Buchbinder aus vergangener Zeit. Durch diese buchbinderischen Maßnahmen wird erreicht, dass den nachfolgenden Generationen historisch gewachsene Bibliothekssammlungen von hohem wissenschaftlichen und kulturellen Wert hinterlassen werden, die auch noch in der Zukunft die Buchkultur früherer Epochen widerspiegeln. Hierzu steht nicht im Widerspruch, dass die einbandtechnisch keine Besonderheiten aufweisenden Bände des Altbestandes bei einer Beschädigung in der Regel aus personellen und finanziellen Erwägungen heraus durch das Binden in moderne Gebrauchseinbände unter bestimmten Vorgaben, zum Beispiel dem Verbot des Beschneidens der Außenkanten des Buchblocks, wieder gebrauchsfähig gemacht werden. Die Vorgabe, dass ohne Verzug die Zugänglichkeit der Bibliotheksbestände das Ziel aller bestandserhaltenden Maßnahmen bleiben muss, darf nicht aus dem Auge verloren werden. In diesem Sinne wird von der Kultusministerkonferenz empfohlen, Bibliotheken mit umfangreichen Altbeständen durch gezielte Mittelzuweisungen für die Instandsetzung von Büchern zu unterstützen, landesweit abgestimmte Schadenserhebungen der Buchbestände aus der Zeit vor 1850 in die Wege zu leiten und auf der Grundlage dieser Untersuchungen langfristige Konzepte zur Bestandserhaltung zu erarbeiten und umzusetzen: Hier sei das unter Leitung von Günter Baron erarbeitete kooperative Programm zur Erhaltung der Sammlungen in Berliner Bibliotheken und Archiven genannt, eine exemplarische Konzeption nicht nur für den Schutz der wertvollen Bestände aus der Zeit vor 1850, sondern auch zum Umgang mit den industriell gefertigten Papieren, die aufgrund säurebildender Inhaltsstoffe nicht reversiblen Zerfallprozessen unterworfen sind.

 

Massen- und teilmechanisierte Verfahren

Eine völlig andersartige Dimension stellt der zunehmende Papierzerfall von Bibliotheksbeständen des 19. und 20. Jahrhunderts dar. Eine von dem Deutschen Bibliotheksinstitut in die Wege geleitete Untersuchung der Papierschäden an wissenschaftlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1988 zeigt nämlich, dass im Gefolge der sauren Papierfertigung in den letzten 150 Jahren in den alten Bundesländern bereits 40 Millionen Druckschriften (26 %) mehr oder weniger vergilbt und 18 Millionen Bände (12 %) irreparabel sind. Angesichts dieser Sachlage greifen einzig Massenentsäuerungsverfahren, aber hier lediglich für jene Bestände, deren Papierstruktur noch nicht zerstört ist, da bei dem bisherigen Stand der Technik durch die Entsäuerung und alkalische Pufferung der Materialien eine Wiederverfestigung des Papiers nicht erreicht werden kann. Von der Kultusministerkonferenz wird die Massenentsäuerung zunächst nur für Die Deutsche Bibliothek und die großen Staatsbibliotheken, und hier für alle Neuzugänge auf nicht alterungsbeständigem Papier, als notwendig erachtet. Es wird empfohlen, den Einsatz von Massenentsäuerungsverfahren an den Landesund Hochschulbibliotheken mittelfristig zu planen.

Besonders schwer geschädigte Papiere, die sich durch die derzeitigen Massenentsäuerungsverfahren nicht retten lassen, können in großer Zahl mit Hilfe teilmechanisierter Einzelblattverfahren im Original erhalten werden. Hier sind die Papierspaltmaschine im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig und die spezielle Konservierungsanlage der Firma Neschen in Bückeburg zu nennen.

Es besteht kein Zweifel, dass dem säurebedingten Buchzerfall Einhalt geboten werden muss und hier große Eile geboten ist. Es kann nicht hingenommen werden, dass das gedruckte Wort einer ganzen Epoche im Original verloren geht. Obwohl die Rettung der Bestände mit Säureschäden eine sehr hohe Priorität besitzt, sollte sie nicht zu einer Vernachlässigung der buchbinderischen Betreuung der älteren Bestände durch hauseigene und auswärtige Buchbinder führen. Hiermit verbindet sich der Wunsch nach einem uneingeschränkt benutzbaren Bestand durch alle zeitlichen Schichtungen.

 

Restaurierung

Dank der durch die Praxis früherer Jahrzehnte bestätigten Einsicht, dass eine gesicherte und wissenschaftsnahe Restaurierung der wertvollen Sonderbestände der Bibliotheken lediglich innerhalb der eigenen Institution erreicht werden kann, wurden in größeren Bibliotheken leistungsfähige Werkstätten für die Buch- und Handschriftenrestaurierung eingerichtet. Die Leitlinie, nach der in Bibliotheken Kulturgüter von hohem und höchstem Rang restauriert werden, ist im Prinzip einheitlich. Es gelangen Arbeitsgrundsätze zur Anwendung, die eine Anpassung der restauratorischen Maßnahmen an die durch die wissenschaftliche Arbeit gesetzten Bedürfnisse gewährleisten. Hierbei trägt der Restaurator Sorge, dass die Handschrift, das Autograph, die Grafik oder das Druckwerk nach dem Abschluss der Arbeiten nicht verfälscht ist und möglichst ohne Einschränkung wieder benutzt werden kann. Auf welchem Weg dieses Ziel unter Wahrung ästhetischer Gesichtspunkte erreicht werden soll, wird zwischen dem für das betreffende Objekt verantwortlichen Wissenschaftler und dem zuständigen Restaurator in allen Einzelheiten vorab geklärt. Auch während der laufenden Restaurierung bleiben die Werkstatt und die das Objekt verwaltende Stelle in Kontakt. Die praktische Erfahrung hat gelehrt, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Restaurator und Bibliothekar ein unverzichtbares Element bei der restauratorischen Lösung fachwissenschaftlicher Anliegen ist.

Der Akzent der Restaurierung liegt auf der Konservierung. Das Ziel der restauratorischen Bemühungen ist demnach nicht eine unmerkliche Ergänzung oder Erneuerung der schadhaften Teile, sondern die Konservierung des noch Vorhandenen. Authentizität geht der Unauffälligkeit vor.

Eine allen Ansprüchen gerecht werdende Restaurierung ist nur zu erreichen, wenn sie auf einem naturwissenschaftlich abgesicherten Weg vollzogen wird. Daher sind die analytische Erfassung der zu restaurierenden Materialien, die darauf aufbauende Festlegung eines geeigneten Restaurierungsverfahrens und anschließend die Abschätzung der nach den Wiederherstellungsarbeiten zu erwartenden Alterungsvorgänge wesentliche Elemente einer fundierten Restaurierung. Angesichts der nicht selten komplizierten Sachlage lassen sich nicht immer die erforderlichen Erkenntnisse im bibliothekseigenen Restaurierungslabor gewinnen. Folglich ist eine enge Kooperation zwischen den Bibliotheken sowie die Beteiligung wissenschaftlicher Institute unerlässlich.

Neben der hausinternen restauratorischen Betreuung von Kulturgütern gewinnt wie in der Buchpflege aufgrund der großen Zahl restaurierungsbedürftiger Objekte die restauratorische Zusammenarbeit mit qualifizierten privaten Handwerksbetrieben, die auf spezielle Auftragsarbeiten eingestellt sind, immer mehr an Bedeutung. Die Außenvergabe von Restaurierungsarbeiten sollte nur dann erfolgen, wenn die fachgerechte Restaurierung durch private Werkstätten sichergestellt, hinsichtlich des Wertes der Objekte zu verantworten und sowohl zeitlich als auch finanziell überschaubar ist.

 

Übertragung auf andere Medien

Die weder durch handwerkliches Vorgehen noch durch Massen- oder teilmechanisierte Verfahren sanierbaren Bibliotheksbestände lassen sich nach dem heutigen Stand der Technik lediglich durch die Übertragung ihres Inhalts auf Mikrofilmmaterial langfristig sichern. Die teure Ersatzverfilmung wird von der Kostenseite relativiert, falls man sich weitgehend von den irreparablen Originalen trennt und damit die Magazine entlastet. Neben der Ersatzverfilmung ist die Schutzverfilmung wertvoller Sonderbestände hilfreich, weil sie nicht nur die langfristige Sicherung des Informationsgehaltes und das augenblickliche Erscheinungsbild der Quellen sichert, sondern vor allem auch die Einsicht in die empfindlichen Originale reduziert. Die Ersatz- und die Schutzverfilmung eröffnen neben der Benutzung der Filme vor Ort die preiswerte und schnelle Verbreitung von Duplikatfilmen im Leihverkehr und halten die Speicherung auf optoelektronischen Medien offen.

Der Normalfall ist die Schwarzweißverfilmung. Da Mikrofilme für Halbtonvorlagen nicht vorgesehen sind, kann man im Bedarfsfall durch eine längere Belichtung und eine extrem kurze Filmentwicklung eine gute Wiedergabequalität auch für Grauwerte erreichen, ohne auf ihre hohe Auflösung und ihre optimale Lagerfähigkeit verzichten zu müssen. In besonderen Fällen bietet sich die Farbverfilmung an. Für die Farbverfilmung sollte ein Filmmaterial gewählt werden, dessen gute Farbqualität auch auf Filmkopien übertragen werden kann. Farbfilme mit guten Kopiereigenschaften weisen bei einer Lagerung unter normalen Klimaverhältnissen eine zeitlich begrenzte Farbstabilität auf. Sollten für sie keine klimatisierten Mikrofilmmagazine zur Verfügung stehen, ist es empfehlenswert, für den Archivfilm ein Filmmaterial mit Cibachrome-Farben zu wählen, das unter Verzicht auf eine farbgetreue Kopierfähigkeit eine deutlich höhere Farbstabilität aufweist.

Hinsichtlich der Euphorie der Bibliotheken in bezug auf die digitalen Medien sei nachdrücklich auf die problematische Langzeitstabilität digitaler Daten auf magnetischen und optischen Speichermedien erwähnt. Bei Magnetbändern und Disketten ist die in einem Polymer gebundene Magnetschicht durch Wärme und Feuchte gefährdet. Optische Speichermedien reagieren empfindlich auf überdurchschnittliche Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse.

 

Benutzung

Die den Bibliotheksbenutzern frei zugänglichen Bestände der Lesesäle und Freihandbereiche bedürfen einer regelmäßigen Schadenskontrolle. Selbst kleinere Schäden sind möglichst umgehend auszubessern, um zunehmenden Beschädigungen vorzubeugen. Ausleihmaterial ist bei der Bücherausgabe und bei der Rücknahme auf Beschädigungen zu überprüfen. Wenn zu befürchten ist, dass der Schaden durch die anstehende Benutzung größer werden könnte, ist der Schaden vor der Verleihung an den Bibliotheksbenutzer zu beheben. Für das Kopieren von Bibliotheksbeständen müssen zur Vermeidung von Beschädigungen allgemein gültige Regeln aufgestellt werden. Von eng im Buchrücken eingebundenen Druckschriften, das ist die Masse des Altbestandes aus der Zeit vor 1800, von großformatigen Bänden, insbesondere Zeitungsbänden, ist von einer Fotokopie abzusehen. Von diesen Materialien sollten lediglich Mikrofilme, wahlweise mit Rückvergrößerungen, angefertigt werden.

 

Ausstellungen

Ausstellungen bedeuten für die Bibliotheksmaterialien eine ganz besondere Belastung. An dem Ausstellungsaufbau und -abbau sollte stets ein mit der Ausstellungsproblematik vertrauter Buchbinder oder Restaurator beteiligt sein. Die Ausstellung einzelner Originale über mehr als zwei Monate ist zu vermeiden. In den Ausstellungsräumen müssen für die Objekte ein günstiges Klima und angemessene Beleuchtungsverhältnisse herrschen. Bei auswärtigen Ausstellungen ist auf einen Transport, der konservatorischen Belangen gerecht wird, zu achten.

 

Ausblick

Unter der bibliothekarischen Fachwelt besteht Konsens, dass im Hinblick auf den Rang der unaufhaltsam zerfallenden, die Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft dokumentierenden Sammlungen in Bibliotheken der Bestandserhaltung eine hohe Priorität beigemessen werden muss. Die Kultusministerkonferenz hat mit ihrem Beschluss vom B. Oktober 1993 nicht nur zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände Empfehlungen formuliert, sondern darüber hinaus finanzielle Wege zur Realisierung aufgezeigt, wodurch erstmals die Aufgabe zur Erhaltung dieses Kulturgutes von staatlicher Seite anerkannt wurde. Die Empfehlungen stützen sich auf einen Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Papierzerfall" aus dem Jähr 1992, die auf Initiative der Bundesregierung im Einvernehmen mit der KMK im Jahr 1990 eingesetzt wurde.

Die derzeitigen Aufgaben der wissenschaftlichen Bibliotheken auf dem Gebiet der Bestandserhaltung sind abgesteckt: Optimierung der Lagerungsbedingungen, Dokumentation der Bestandsschäden, buchbinderische und restauratorische Betreuung der Bestände sowie Erarbeitung kooperativer Programme, vor allem zur Steuerung der Massenentsäuerung und Verfilmung säuregeschädigter Druckschriftensammlungen und Sonderbestände. Bibliotheken haben den Auftrag, Dokumente aus der Vergangenheit und der Gegenwart nicht nur zu sammeln, sondern auch durch Bewahrung ihrer physischen Substanz oder ihres Inhalts für die Zukunft zu sichern. Wegen des erheblichen administrativen und finanziellen Aufwandes, der mit einer Lösung konservatorischer Probleme dieses Umfangs verbunden ist, sind nicht nur die Bibliotheken, sondern auch die Unterhaltsträger dieser Einrichtungen als Verantwortliche angesprochen. Die Bewahrung des bibliothekarischen Sammelgutes, handschriftliches, gedrucktes und anderes, als Gedächtnis der Menschheit ist unverzichtbar.

 
 
Literatur
Banik, G.: Aufbewahren von Archiv-, Bibliotheks- und Museumsgut. Von Gerhard Banik u. Sebastian Dobrusskin. Österreichische Nationalbibliothek, Institut für Restaurierung. 2. Aufl. Wien 1990
Bericht über Ursachen, Ausmaß, Wirkungen und Folgen des Papierzerfalls im Bibliotheks-, Archiv- und Verwaltungsbereich sowie Gegenmaßnahmen und Empfehlungen vom 15. Juni 1992. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Papierzerfall. Berlin, Deutsches Bibliotheksinstitut 1992
Beschluss der KMK vom B. 10. 1993. In: Bibliotheksdienst 28 (1994) S. 479-493
Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. DBI-Materialien 135. Berlin 1994
Böhrenz, H.: Grundsätze bei der Konservierung von bibliothekarischem Sammelgut. Berlin, Deutsches Bibliotheksinstitut 1992
Grote, A.: Verflüchtigt. In: c't Magazin für Computertechnik (2000) Heft 24, S.114-118
Hilbert, G. S.: Eine neue konservatorische Bewertung der Beleuchtung in Museen. Materialien aus dem Institut für Museumskunde, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin (1983) Heft 5
Höing, H.: Das Bückeburger Einzelblatt-Verfahren zur Massenkonservierung von Archivalien. In: Archivar 48 (1995) Sp. 99-102
Konzeption zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bestände in Berliner Bibliotheken und Archiven. Ein kooperatives Programm. Von Günter Baron u. a. Berlin 1996 (unveröffentlicht)
Penzold, L.: Die Mikroverfilmung der Musikhandschriften. In: Wettlauf mit der Zeit. - Wiesbaden: Reichert, 1998. (Beiträge der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz; Bd. 8)
Schwerdt, P.: Massenkonservierung für Archive und Bibliotheken. Hrsg. von Kurt Nowak. - Frankfurt am Main: Klostermann, 1989. (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie: Sonderheft; 49)
Usemann-Keller, U.: Bestandsschäden in deutschen Bibliotheken. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 36 (1989) S. 109-123
Wächter, W.: Bücher erhalten, Pflegen und restaurieren. Stuttgart: Hauswedell, 1997

 

Zum Autor:
Dr. Hartmut Böhrenz, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung an der Staatsbibliothek zu Berlin


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