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Rezension
Schimmelpilze auf Papier
Christina Meier, Karin Petersen: Schimmelpilze auf Papier. Ein Handbuch für Restauratoren. Biologische Grundlagen, Erkennung, Behandlung und Prävention. Tönning u.a.: Der Andere Verlag, 2006. ISBN: 3-89959-431-2; 230 S.; 65,90 EURO. Umfangreiche Bibliographie (S. 179-198), Angang mit Glossar und Index.
Eine Rezension von Karin Slenczka (Mainz)

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Das hier vorgelegte Handbuch beansprucht für sich, den aktuellen Wissensstand zum alten Problem des Schimmelbefalls von Kulturgut aus mikrobiologischer und restauratorischer Sicht für Bibliotheken, grafische Sammlungen, Archive und Restauratoren zusammenzufassen. Insbesondere Restauratoren sollen in die Lage versetzt werden, einen Schimmelbefall möglichst differenziert evaluieren und geeignete Behandlungsmaßnahmen auswählen zu können. Nach der einleitenden Darstellung mikrobiologischer Grundlagen und einem Überblick über die von Schimmelpilzen ausgehende Gesundheitsgefährdung und entsprechende gesetzliche Schutzregeln werden in drei weiteren Kapiteln von Schimmelpilz verursachte Schadensphänomene an Bibliotheks- und Archivgut, Erkennungs- und Untersuchungsmöglichkeiten sowie Behandlungsmaßnahmen vorgestellt. Im Vordergrund steht dabei, neben der Gesamtschau des Forschungsstandes und der in der einschlägigen Restaurierungsliteratur diskutierten Behandlungsverfahren (Stand 2004), die Vorstellung „einfacher und praktikabler Applikationen“ auf der Grundlage eigener empirischer Erfahrungen und Versuche der Autorinnen. Ergänzend finden sich im Schlusskapitel neben einer knappen Zusammenfassung zwei umfangreiche Merkblätter zu Präventionsmaßnahmen in Bibliotheken sowie zum Umgang mit kontaminierten Objekten.

Betont wird der Handbuch-Charakter des Werks durch ein übersichtliches, detailliert gegliedertes Inhaltsverzeichnis und einen Anhang mit Glossar und Index sowie einer tabellarischen Übersicht über die wichtigsten, auf Papier zu findenden Pilzarten. Dies erleichtert das Auffinden spezifischer Informationen, während die umfangreiche Bibliographie die weiterführende Recherche erleichtert.

Dieses Handbuch liefert damit einen längst fälligen Überblick über die mikrobiologischen Grundlagen des Schimmelpilzbefalls auf Papier und die jüngere Forschung zu seiner Bekämpfung. Es eignet sich daher hervorragend sowohl als Lehrbuch für die restauratorische Ausbildung als auch als Nachschlagewerk in Archiven, Bibliotheken und Museen. Die Erfahrungen der Autorinnen insbesondere bei der Beprobung befallener Objekte bieten wichtige Hilfestellungen für den mit einem Akutschaden konfrontierten Restaurator. Enttäuschend ist schließlich nur die (nicht unerwartete) Feststellung, dass aus der Vielzahl bisher in der Fachliteratur diskutierter und hier vorgestellter Behandlungsverfahren die wenigsten sinnvoll anwendbar sind.

Insgesamt ist die Lektüre des Werks informativ, die Darstellung ist, nicht zuletzt dank zahlreicher Mikroskop-Aufnahmen der vorgestellten Fallbeispiele, ausgesprochen anschaulich. Dennoch scheint insbesondere an Gliederung und inhaltlicher Struktur des Werks gewisse Kritik angebracht. Bspw. tauchen Erläuterungen von größter Relevanz für die restauratorische und bibliothekarische Praxis nicht in eigens dafür entwickelten Kapiteln, sondern immer wieder an eher unerwarteter Stelle auf: so verstecken sich Erläuterungen über die große Sporenbelastung durch Staubablagerungen auf den Objekten im Kapitel über mechanische Reinigungsverfahren. Dies führt u.a. dazu, dass die im Schlusskapitel präsentierten Merkblätter den vermutlich beabsichtigten Zusammenfassungscharakter verlieren. Auch scheint es, dass die Autorinnen selbst ihre streng systematisch angelegte Gliederung nicht immer genau einhalten konnten: So werden bereits in Kapitel 3 (Darstellung von Schadensphänomenen an Fallbeispielen) Untersuchungsmethoden zur Unterscheidung von Papierverfärbungen nach ihrer Genese diskutiert und damit Kapitel 4 (Vorstellung von Erkennungs- und Untersuchungsmethoden) zum gewissen Grad vorgegriffen. Dem Handbuch-Charakter des Werkes wäre vermutlich eine schärfere Trennung wissenschaftlicher Grundlagen und praxisrelevanter Anwendungshinweise zuträglich gewesen, etwa durch die Anlage eines ausführlicheren Schlusskapitels, das die im Text versteckten Praxishinweise systematisch zusammenfasst. In diesem Kontext hätten auch die im tatsächlichen Schlusskapitel angehängten Merkblätter inhaltlich entwickelt werden können. Hier hätte auch die Einbindung der dargestellten Präventions- und Bergungsmaßnahmen in den Gesamtkomplex bibliothekarischer und archivischer Geschäftsgänge sinnvoll thematisiert werden können, die in Merkblatt 2 durch den Hinweis auf die Notwendigkeit einer umfassenden Notfallplanung und ein entsprechendes (unvollständiges und veraltetes) Teilkapitel im Literaturverzeichnis nur kurz und überdies in unzureichender Weise angerissen wird.

Bei aller Kritik bildet das vorgelegte Handbuch dennoch eine solide Brücke zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, restauratorischer Grundlagenforschung und restauratorischer Praxis. Es wurde jüngst dokumentiert, dass nur wenige Erkenntnisse restauratorischer Grundlagenforschung tatsächlich auch Eingang in die alltägliche Restaurierungspraxis finden – ein Grund dafür ist sicher der allgemeine Mangel an entsprechenden Überblickswerken. Den Autorinnen des hier vorgelegten Kompendiums sei also ausdrücklich für ihre Bemühung gedankt und allen Lesern – insbesondere unter der jüngeren Generation akademisch qualifizierter Restauratoren – die Nachahmung dringend ans Herz gelegt!

Zur Autorin:
Karin Slenczka, Diplom-Restauratorin (FH) aus Mainz
E-mail: KarSlen@aol.com
Zum Artikel:
Stand: Juni 2006

Geschäftsstelle:
Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Krummer Timpen 3-5, 48143 Münster
E-mail: office@forum-bestandserhaltung.de