Die Tagung vom 2. bis 4. Juni 2005 in Leipzig, organisiert durch die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA) und unterstützt durch den Verband der Restauratoren (VDR) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), hatte vor allem zum Ziel, den aktuellen Erfahrungs- und Wissensstand sowie technische Möglichkeiten im Hinblick auf die beim Brand von September 2004 geschädigten Bücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zu erfassen und so eine bessere Basis für die Erstellung einer Restaurierungsstrategie zu schaffen. An den Veranstaltungen dieser drei Tage nahmen insgesamt 180 Teilnehmer aus 13 Nationen teil. Am 1. Juni fand zudem ein Symposium des europäischen Netzwerkes "Transitional Metals in Paper" (MIP) statt.
Im folgenden können einige Schlaglichter auf den Stand der Buchrestaurierung an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek beispielhaft verdeutlichen, inwiefern Beiträge der Tagung aufgegriffen werden konnten oder doch konkrete Anregungen liefern.
Zum aktuellen Stand der Arbeiten
Mittlerweile abgeschlossen sind vor allem:
Derzeit in Bearbeitung ist eine durchgehende, detaillierte Schadenserhebung. Alle geschädigten Bände werden hierfür durchgesehen und die festgestellten Schäden in einem eigens entwickelten Formular erfaßt. Die Daten werden dann in eine Datenbank, das Bibliothekssystem der HAAB, überführt. Die Erhebung soll vor allem als Datenbasis für die Konzeption von Restaurierungsaufträgen dienen. Die Methode der Schadenserhebung wurde vom Leiter der Restaurierungswerkstatt der HAAB, Matthias Hageböck, bei der Tagung in Leipzig vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert. Die daraus gewonnenen Anregungen flossen in die Konzeption der Erhebung ein.
Begonnen wurde ein Projekt zur Analyse von Brandrückständen in den Büchern in Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften der Fachhochschule Köln unter der Leitung von Prof. Robert Fuchs. Dabei sollen auch mögliche Methoden zur Dekontaminierung einbezogen werden. Den Anstoß hierzu gaben mehrere Beiträge bei der Leipziger Tagung, nicht zuletzt die Ausführungen von Herrn Fuchs.
Kurz vor der Auftragsvergabe steht derzeit die Untersuchung zu eventuellen Veränderung der Alterungsbeständigkeit von Papieren durch Löschmittelzusätze in Verbindung mit einer Gefriertrocknung. Von den Ergebnissen dieser Untersuchung hängen wichtige Entscheidungen bei der Restaurierung der wassergeschädigten Bände ab (vor allem die Notwendigkeit und Art einer Papierbehandlung). Bei den Gesprächen im Rahmen der Tagung wurde unterstrichen, wie wichtig eine solche Untersuchung für alles Weitere sein wird.
Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung oder Planung
Erkenntnisse zu den wünschenswerten Lagerungsbedingungen hitzegeschädigter Papiere (Vortrag John Havermanns, Delft, am 2. 6.) fließen ebenso in die Planungen zu einer Optimierung des Sondermagazins der geschädigten Bände ein wie die Ausführungen von Andreas Reiter.
Zu den schwierigeren Fragen der Restaurierungen gehören zweifellos die Probleme der Behandlung von geschädigtem Leder und Pergament. Der Beitrag von Jürgen Vervoorst (Stadt- und Landesarchiv, Wien) über die Pergamentbehandlung war hierbei zwar nicht unbedingt ermutigend - insofern letztlich keine konkrete Methode vorgeschlagen werden konnte - aber doch hilfreich zur Orientierung wie für die Beurteilung einschlägiger Angebote. Wichtig ist sicher die Erkenntnis, daß es allein auf die angemessene Feuchtung des Materials ankommt. Auch der Beitrag von René Larsen (Konservatorskolen, Kopenhagen) beschäftigte sich mit Pergament und seinen Schadensbildern.
Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die Andreas Schulze (Landesdenkmalamt für Denkmalpflege, Dresden) zu den "Möglichkeiten und Grenzen der Ledereinweichung" vorgetragen hat, bieten demgegenüber eher konkrete Perspektiven. Allerdings ist zu bedenken, daß die Nutzungsanforderungen an einen Ledereinband nur bedingt mit denen einer Ledertapete - dem Objektbereich, an dem die vorgetragenen Erkenntnisse hauptsächlich gewonnen wurden - zu vergleichen sind. Von Bedeutung sind hier vor allem grundlegende Einsichten in die Eigenschaften und Schadensbefunde historischer Lederobjekte.
Zum Abschluß berichtete Per Culhed (Universitätsbibliothek Upsala) über Erfahrungen mit hitzegeschädigten Ledereinbänden nach dem Bibliotheksbrand von Linköping im Jahr 1996. Die vorgestellte Methode zur Bearbeitung geschädigter Lederrücken hat den Vorteil bereits an einer erheblichen Anzahl von Bänden erprobt worden zu sein. Allerdings geht die Zusammenarbeit mit Herrn Culhed schon auf die Zeit vor der Tagung im Juni 2005 zurück, so daß dort bereits ein konkretes Beispiel aus den Beständen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek vorgestellt werden konnte. Die Proberestaurierung des Bandes wird sicher wichtige Impulse für die Restaurierungen der Weimarer Bände liefern können.