Forum Bestandserhaltung
Home
Das Forum Grundlagen Konservierung und Restaurierung Konversion Notfall Dienstleister

Das Forum

Über das Forum
Thema im Fokus
Aktuelles
Newsletter
Diskussionsforen
Bibliographie
Institutionen
Ansprechpartner
 
Impressum
Über das Forum
Ein Beitrag von Reinhard Feldmann, Münster

Diesen Beitrag: drucken  
 
 

Dieser Beitrag liegt auch in russischer Übersetzung vor.

Das Forum Bestandserhaltung stellt ein www-basiertes Informations- und Kommunikationssysstem zu allen Aspekten der Bestandserhaltung in der Bundesrepublik Deutschland dar. Durch das Forum werden schnell und umfassend Adressen, Kontaktstellen, Projekte, neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Übersichten über Entwicklungen und Tendenzen bereitgestellt. Außerdem wird die einschlägige Literatur zu den Themenkreisen der Bestandserhaltung vermittelt. Das Forum dient als Kommunikationsinstrument für alle Beteiligten, also Archivare, Bibliothekare, Restauratoren, Unterhaltsträger, Wissenschaftler und Dienstleister aus dem Bereich der Bestandserhaltung. Auch die Öffentlichkeit erhält direkte Einblicke und verläßliche, wissenschaftliche Informationen zu einem inzwischen national wie international immer aufmerksamer verfolgten Themenkomplex und in ein wichtiges Arbeitsfeld von Archiven und Bibliotheken.

Bestandserhaltung ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Themen des Archiv- und Bibliothekswesens geworden. Die Untersuchungen des DBI zur Schädigung der in den Hochschulbibliotheken aufbewahrten Literatur, die viel zitierten, wenig beachteten Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (1% vom Erwerbungsetat der wissenschaftlichen Bibliotheken für die Bestandserhaltung zusätzlich!), die zumindest in Ansätzen entwickelten Bestandserhaltungskonzeptionen der deutschen Bundesländer oder die Förderprogramme der DFG zeigen dies ebenso deutlich wie die nationalen Bestandserhaltungsprogramme anderer europäischer Staaten oder der USA.

Auch in Deutschland bestehen gute Chancen für eine erfolgreiche Bestandserhaltung. Denn trotz ungünstiger Rahmenbedingungen und chronischer Unterfinanzierung dieser kulturpolitischen Aufgabe konnte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel geleistet werden:
Die Präsenz auf den Archiv- und Bibliothekartagen in den vergangenen Jahre war gut und machte deutlich, daß trotz aller kurzlebigen Themenschwerpunkte auch diese essentiellen kulturellen Belange Beachtung finden.
 
Die Kommission für Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksinstituts hat in den 15 Jahren ihres Bestehens gute Sacharbeit geleistet und nahezu alle Prozesse im bundesdeutschen Bibliothekswesen, soweit sie sich auf Bestandserhaltung bezogen, mit konstruktiver Kritik begleitet (vgl. dazu Reinhard Feldmann: Bestandserhaltung – (k)ein Thema? Nachdem das DBI aufgelöst worden und es einige Jahre keine sachliche Interessensvertretung für die Bestandserhaltung gab, konstituierte sich (durch Beschluß des Deutschen Bibliotheksverbandes) am 2.5.2005 die DBV-AG Bestandserhaltung.
 
Wichtige Publikationen zur Bestandserhaltung erschienen in den letzten Jahren, wobei zahlreiche dieser Publikationen als digitale Volltexte vorliegen oder kontinuierlich für das Forum konvertiert werden.
 
Mehrere Konferenzen (meist initiiert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) widmeten sich den Marketingfragen für das alte und kostbare Buch. Die Experten, die sich mehrmals in Münster und Berlin trafen, konnten sich über die "Vermarktung" der Bestandserhaltungsmaßnahmen, über Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring und Fundraising austauschen.
 
Die "Liste von Herstellern neutral bzw. alkalisch geleimter, holzfreier und in diesem Sinne alterungsbeständiger Papiere entsprechend DIN-ISO 9706" ist (Bearb.: Helmut Bansa) bereits in 5. Auflage erschienen. Ganz wesentlich hat diese Liste, neben dem ständigen Insistieren auf Verwendung alterungsbeständiger Papiere bei den meisten Verlegern Eindruck gemacht und dazu beigetragen, daß zumindest bei der Verlagsproduktion heute ganz überwiegend alterungsbeständige Papiere Verwendung finden - die Behörden haben dies für ihr Schrifttum allerdings noch nicht nachvollzogen.
 
Die Massenentsäuerungsverfahren wurden ständig verbessert und verfeinert – jedenfalls für Einzelblätter. Befriedigende Lösungen für die Massenentsäuerung ganzer, unzerteilter Bücher stehen kurz vor der Serienreife, die Zähigkeit eines namhafter Herstellers hat sich ausgezeichnet.
 
Die "Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts" konstituierte sich unter Federführung der Bayerischen Staatsbibliothek und der Staatsbibliothek zu Berlin im März 2001 in München. Eine gelungene Übersicht über die Aktivitäten bis ca. 2004 in einem Beitrag von Birgit Schneider:
Die Allianz zur Erhaltung des Schriftlichen Kulturgutes.
Die Website der Allianz und ihre Aktivitäten hier:
http://www.allianz-kulturgut.de/
 
Die Dienstleister im Bereich der Restaurierung, Verfilmung und Digitalisierung arbeiten (auch im internationalen Vergleich) auf einem sehr hohen Niveau.
Datenbankabfrage Dienstleister
 
Die Ausbildung zum Restaurator ist ständig verbessert worden und hat einen hohen Qualitätsstandard erreicht.
Aus-und Fortbildung
 
Mehrere Workshops widmeten sich der Problematik der Restaurierung tintenfraßgeschädigter Handschriften und Autographen, vgl. nur pars prototo das Thema im Fokus August 2007:
Ulrike Hähner: Restaurierung der durch Tintenfraß beschädigten Handschriften des Savigny-Nachlasses
Anwendung der Calciumphytat-Calciumhydrogencarbonat-Behandlung und partieller Stabilisierungsmethoden in der Praxis
 

Dies alles gibt zu Hoffnung Anlaß, aber keinesfalls zu Euphorie. Denn auch die Rückschläge (in den Bibliotheken stärker als in den Archiven) sollen nicht verschwiegen werden:

Es gibt immer noch keine vernünftige, zwischen Bund und Ländern abgestufte, nationale Bestandserhaltungskonzeption, wie sie etwa vorbildhaft die Niederlande oder die Schweiz vorgelegt haben.
 
Durch die Outsourcingmanie sind viele Restaurierungswerkstätten in den Institutionen von Schließung oder Mittelkürzung bedroht. Damit besteht die Gefahr, dass wichtige Fachkompetenz (auch für die Qualitätskontrolle beim "Outsourcing") verloren geht.
 
Die Aspekte und spezifischen Kenntnisse im Bereich "Altes Buch" und "Bestandserhaltung" finden keinen Niederschlag in den Ausbildungsordnungen für die bibliothekarischen Studiengänge, auch die Fortbildungsangebote sind zu gering. Hier ist ebenfalls ein Qualitätsverlust zu befürchten.
 
Die längerfristig angelegten und kontinuierlich zu bewältigenden Aufgaben im Bereich der Bestandserhaltung drohen aufgrund der kurzzeitigen, großangelegten Events (z.B. beim Sponsoring) zurückgedrängt zu werden. Für gute Arbeit aber ist die Kontinuität entscheidend.
 

Resignation ist gleichwohl fehl am Platz, denn sicher fällt die Bilanz überwiegend positiv aus. Gleichwohl sollte man nicht verkennen, daß Archive und Bibliotheken als Infrastruktureinrichtungen für Forschung und Lehre ihre Aufgaben nur dann wahrnehmen können, wenn die Überlieferung des menschlichen Wissens gesichert ist - und zwar in allen Facetten.

Die Website Forum-Bestandserhaltung ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft großzügig unterstützt worden (Anschubfinanzierung). Die derzeitige, sehr bescheidene Ausstattung aus Personal- und Sachmitteln erlaubt es uns nur, das Allernotwendigste nachzutragen. Wir versuchen, das Beste für Sie daraus zu machen.

 
Zum Autor:
Reinhard Feldmann, Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Initiative Forum Bestandserhaltung
Mitglied der DBV-AG Bestandserhaltung
E-mail: feldmre@uni-muenster.de
Zum Beitrag:
Stand: März 2009

 

Geschäftsstelle:
Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Krummer Timpen 3-5, 48143 Münster
E-mail: office@forum-bestandserhaltung.de