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Wirtschaft
Wirtschaftliche Grundstrukturen und Entwicklungen
2. Bevölkerungsentwicklung und langfristige Konjunkturphasen

 

2.4. MALTHUS

von Ulrich Pfister und Barbara Stollberg-Rilinger

nach unten 2.4.1. Malthusianisches Modell zur Erklärung der Bevölkerungsentwicklung
nach unten 2.4.2. Hinweise auf Wirken Malthusianischer Mechanismen
nach unten 2.4.3. Kritik

 

  2.4.1. Malthusianisches Modell zur Erklärung der Bevölkerungsentwicklung  
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Robert Malthus (1766-1834) postuliert in „An Essay on the Principle of Population“ (1798) ein abnehmendes Grenzprodukt der Arbeit in der Landwirtschaft und dass die Bevölkerung eine natürliche Tendenz habe, so stark anzuwachsen, dass das Glossar Grenzprodukt der Arbeit unter das zur Glossar Subsistenz erforderliche Niveau abfalle. Die gewachsene Bevölkerung werde dadurch anfälliger für Subsistenzkrisen (Hungersnöte), Seuchen, etc., die die Bevölkerungszahl wieder reduzieren (sog. „positive checks“). Dieser Zusammenhang sei nur zu durchbrechen, wenn das Bevölkerungswachstum durch moralische Hemmfaktoren gebremst werde (sexuelle Enthaltung und spätes Heiraten als „preventive checks“).

Quelle und Graphik: Wirkung von Bevölkerungswachstum auf den Lohn nach Malthus

  2.4.2. Hinweise auf Wirken Malthusianischer Mechanismen  
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Hinweise auf malthusianische Mechanismen finden sich in der Bewegung relativer Preise: Im „langen 16. Jahrhundert“ und in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s steigen Getreidepreise stärker als die Preise von Fleisch, Butter und Gewerbeerzeugnissen. Am langsamsten steigen die Löhne. Dies führt zu sinkender Kaufkraft und Abnahme der Glossar Reallöhne. Andererseits nehmen die Profite von für den Markt produzierenden Bauern sowie Grundrenten zu (Literatur Abel, Agrarkrisen). In der „Krise des 17. Jahrhunderts“ zeigen sich gegenläufige Trends. Diese Befunde werden wie folgt interpretiert: Mit zunehmender Bevölkerung werden vermehrt schlechte Böden für den Anbau von Grundnahrungsmittel (Getreide) erschlossen, das Glossar Grenzprodukt der Arbeit sinkt. Die Schere zwischen Grenzprodukt der Arbeit und Bevölkerungswachstum erhöht die Nachfrage nach und die Glossar relativen Preise von Grundnahrungsmitteln, so dass Profite von Agrarunternehmern steigen. Die zunehmende (klein-)bäuerliche Nachfrage nach Land erhöht die Grundrente und erschwert damit den Zugang unterbäuerlicher Schichten zu eigenem Land. Lohnabhängige Unterschichten (LandarbeiterInnen; städt. Proletariat, z.B. BauarbeiterInnen) konzentrieren ihren Verbrauch auf Grundnahrungsmittel und können sich weniger Fleisch und gewerbliche Produkte leisten (Glossar Engelsches Gesetz). Bei gewerblichen Erzeugnissen entsteht zusätzlich ein Überangebot dadurch, dass landarme, lohnabhängige Unterschichten auf einen gewerblichen Nebenerwerb ausweichen.

Graphik: Verschiebung relativer Preise im 16. und 17. Jh. in Frankfurt a.M.

  2.4.3. Kritik  
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Die Glossar Produktionsfunktion (Technologie) wird konstant gesetzt, d.h. es wird davon ausgegangen, dass keinerlei technische oder organisatorische Neuerungen entwickelt werden, um insbesondere die landwirtschaftliche Produktion effizienter zu gestalten. Tatsächlich muss aber Bevölkerungswachstum nicht zwingend zu Verarmung führen, sondern kann den Wohlstand fördern, nämlich dann, wenn es produktivitätssteigernde technologische und organisatorische Innovationen stimuliert. (Verwandte Themen Abweichungen vom malthus. Kreislauf)

Dass die Schwere von Subsistenzkrisen und Seuchen (d.h. die Sterblichkeit) mittelfristig vom Grenzprodukt der Arbeit abhängt, ist nicht nachgewiesen.

Überproportionale Beziehungen zwischen Grenzprodukt der Arbeit und Bevölkerungswachstum sind nicht nachgewiesen (Problem: regionen- und schichtspezifische Familienstrategien).

Ein malthusianisches Modell erklärt allenfalls Fluktuationen der relativen Preise, nicht aber des Preisniveaus.

 

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