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Soziale Ordnung
4. Städtische Gesellschaft
4.2. Stadttypen der Frühen Neuzeit
4.2.1. WIRTSCHAFTLICHER CHARAKTER
von Claudia Strieter
4.2.1.1. Ackerbürgerstädte
4.2.1.2. Marktstädte
4.2.1.3.
(Export)gewerbe- und Handelsstädte
| 4.2.1.1. Ackerbürgerstädte | |
Als Ackerbürgerstädte werden Städte bezeichnet, die sich „vom Land weniger wirtschaftlich, sondern in erster Linie auf der Basis von Privilegierung und dem daraus resultierenden Zentralitätsgewinn unterscheiden.“
(
Keller, Kleinstädte, 47). Sie besaßen zwar Stadtrecht, waren aber „wirtschaftlich, sozial und kulturell eigentlich keine Städte“ (
Fehn, Ackerbürgerstadt, 81). Deren Bewohner lebten überwiegend von der Landwirtschaft und produzierten neben der Eigenversorgung auch für den Markt. Das Handwerk war insgesamt wenig spezialisiert und die soziale Gliederung wenig differenziert
(
Gerteis, Städte, 29).
Der Begriff ist in der Forschung „pejorativ konnotiert und keineswegs unumstritten.“
(
Keller, Kleinstädte, 47). Insbesondere die pauschale, oftmals abwertende Bezeichnung jeder Kleinstadt, deren Erscheinungsbild durch die Landwirtschaft bestimmt wurde
(
van Dülmen, Kultur, 73), als Ackerbürgerstadt wird v.a. von volkskundlicher Seite stark kritisiert (
Spohn, Aspekte). Durch den hohen Anteil der Selbstversorgung seien die meisten Städte durch städtische Viehhaltung, Misthaufen vor der Tür etc. landwirtschaftlich geprägt gewesen, ohne zugleich über einen relevanten Anteil an Ackermännern, d.h. städtischen Bauern zu verfügen. Spohn hat für das allgemein als Ackerbürgerstadt geltende Unna nachgewiesen, dass 1783 nur 8,2% aller Haushalte „ackerbürgerlich“ tätig waren (
Spohn, Aspekte, 172). Der hohe Anteil landwirtschaftlicher Produktion sei dagegen Handel- und Gewerbetreibenden zuzuschreiben, die für die Eigenversorgung bäuerliches Gesinde beschäftigten und deren Agrarproduktion die der Ackerleute weit überschritt.
| 4.2.1.2. Marktstädte | |
„Die Städte dieses Typs sind häufig an der Grenze zwischen unterschiedlich gestalteten Wirtschaftsräumen gelegen oder im Mittelpunkt eines ausgedehnten agrarischen Umlandes.“
(
Gerteis, Städte, 29). Sie besitzen Privilegien für Jahr- und Wochenmärkte oder aber spezialisierte Märkte bspw. für Vieh. Ihre Einwohner betrieben vorwiegend regionalen Handel.
| 4.2.1.3. (Export)gewerbe- und Handelsstädte | |
Diese Städte sind eingebunden in Fernhandelsnetze und besitzen ein spezialisiertes Handwerk – häufig Textilhandwerk. Bei sehr großen Handelsstädten, die durch Seehandel oder bedeutende Messen und städtisches Bankwesen über ihr Umland hinaus Bedeutung erlangt hatten, spricht die Forschung auch von
„Handelsemporien“ (
Gerteis, Städte, 29f.).
Gewerbe- und Handelsstädte sind besonders geprägt von einer auf Export ausgerichteten „handwerklich gewerblicher ‚Monokultur‘“
(
Keller, Kleinstädte, 53), daneben findet sich aber auch ein differenziertes Versorgungshandwerk und Dienstleistungsgewerbe für die Stadt. „Die größeren Gewerbe- und Handelsstädte besitzen entweder ein Territorium oder abhängige Dörfer. Das umliegende Land wird häufig mittels des Verlags oder in Zuliefererfunktion in die gewerbliche Produktion der Städte einbezogen.“
(
Gerteis, Städte, 29). Sie zeichnen sich häufig durch eine kulturelle Vorreiterrolle aus, indem sie in besonders hohem Maße über Bildungseinrichtungen und Druckereien verfügten
(
van Dülmen, Kultur, 73).
4.1. Forschungskonzepte |
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