Religiöse Identitäten in einer globalisierten Welt

Internationale Studientage der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster, 09.-12. Juni 2016
Theologische Studientage 2016

Die Hauptvorträge und Panels finden in den Räumen der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster in der Johannisstraße 8-10 statt.

Die weltweiten Globalisierungsprozesse machen darauf aufmerksam dass auch das Thema Religion nicht mehr in einem lokalen Kontext gedacht werden kann, sondern auch die Religionsgemeinschaften in einer globalisierten Welt existieren, in der es keine unüberbrückbaren räumlichen Grenzen mehr gibt. Der Begriff der „Identität“ ist ein zwar in den vergangenen Jahrzehnten viel diskutierter, bei aller begrifflichen Unschärfe kann er jedoch doch hilfreich sein, Prozesse der Konstruktion des genuin Eigenen und Prozesse von Abgrenzung, Veränderung und Entwicklung in ihrer Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit zu beschreiben. Denn auch im Bereich der Religion sind Identitäten keineswegs eindeutig, sondern unscharf und historisch wie kontextuell vielfältigen Wandlungsprozessen unterworfen. Dies wirft Fragen auf, wie religiöse Traditionen unter den globalisierten Bedingungen und in der Begegnung mit einer säkularen Umwelt, vor allem aber auch mit anderen religiösen Traditionen ihre Identität gestalten, sichern oder auch verändern. Ziel der Tage ist es, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen und sie in internationaler und interreligiöser Hinsicht und Zusammensetzung zu diskutieren. 


Im Bereich der Schrift und Hermeneutik gilt es, den Stellenwert der jeweiligen Stiftungsdokumente zu klären und zu vermitteln. Sind es „heilige“ Schriften oder „nur“ konstituierende Schriften? Welchen Grad und welchen Umfang von Verbindlichkeit beanspruchen sie? Welche Rolle spielen die jeweiligen Kontexte der Entstehung und der heutigen Lektüre und welche Bedeutung hat dies für die Beziehungen zu anderen Religionen? Im Kontext ökumenischer Bemühungen stellt die rasant wachsende pentekostale Bewegung eine enorme Herausforderung für die traditionellen Kirchen dar, da sie sich aufgrund ihrer Struktur und ihres Verständnisses des Christentums herkömmlichen ökumenischen Beziehungen und Bemühungen weitgehend entzieht. Diese Prozesse zu analysieren und mögliche Antworten auf sie zu finden, ist Aufgabe der ökumenischen Theologie.


Die Globalisierung hat in viel höherem Maße als je zuvor die – echte oder virtuelle – Begegnung religiöser Traditionen zur Folge. Darin liegt auch ein Konfliktpotenzial, das durch die Mobilisierung religiöser Identitäten leicht in politischen und militärischen Konflikten zur Wirkung gebracht werden kann. Die Wirkweise solcher Prozesse ist zu untersuchen, doch es ist auch zugleich die konfliktdeeskalierende Rolle von Religionsgemeinschaften auszumachen und zu stärken, die vielleicht manchmal zu sehr in den Hintergrund tritt.


Religionsgemeinschaften definieren sich zwar häufig über eine sinnstiftende Erzählung, doch stellen sie auch konkrete ethische Normen auf, deren Einhaltung sie von ihren Mitgliedern verlangen. Solche Normen dienen der sozialen Kontrolle, der Homogenisierung der eigenen Gruppe sowie der Abgrenzung von anderen. Oft entsprechen sich solche Normen – etwa auf dem Gebiet der Sexualmoral – über religiöse Grenzen hinweg und bewirken so die Entstehung neuer Gemeinsamkeiten und ggf. auch Allianzen, die konfessions- bzw. religionsüberschreitend sind. Solchen Prozessen wurde bislang wenig Aufmerksamkeit gewidmet.


Die Frage nach der religiösen Identität stellt sich zudem in religiösen Lehr- und Lernprozessen mit Blick auf interreligiöses Lernen und mit Blick auf die Ebene des Miteinanders im jeweiligen Sozialraum. Sehr konkret sind Fragen zu beantworten wie: Wie vermittelnd, wie abgrenzend werden Geltungsansprüche unterschiedlicher Reichweite und Intensität in Lernprozessen und im ganz alltagspraktischen Handelns kommuniziert? Welche Gemeinsamkeiten, welche auch konfliktiven Unterschiede treten zu Tage? Und wie sind (inter-)kulturelle und (inter-)religiöse Lernprozesse so zu gestalten, dass sie einen Beitrag zu Toleranz und gelingendem Miteinander leisten? 


Die hier angeschnittenen Themen werden im Kontext der Theologischen Studientage in einer Struktur von zentralen Vorträgen, Panels zu spezifischeren Fragestellungen und Hauptseminaren mit Beteiligung der ReferentInnen diskutiert. Dass dieses nur in internationaler und letztlich interreligiöser Ausrichtung und unter Einbezug unterschiedlicher Kontexte geschehen kann, ist selbstverständlich.