Hindu-Diaspora in Deutschland und international

Weltweit ist die südasiatische Diaspora die größte. In Deutschland leben ca. 30.000 Hindus aus Indien, 42.000 tamilische Hindus aus Srilanka und 6.000 afghanische Hindus.

Der Arbeitsschwerpunkt des Lehrstuhls liegt auf dem tamilischen Diaspora-Hinduismus, der Tempelkultur und Prozessen sozialen und religiösen Wandels. Über die tamilische Diaspora hinaus wurden auch andere Diaspora-Gemeinschaften in Deutschland bearbeitet.

Ein internationaler Schwerpunkt liegt auf der Chinmaya Mission, einer hinduistischen Reformbewegung (seit 1953), die im Projekt EXC 212 C2-20 "Globaler Hinduismus – Die Chinmaya Mission in Indien und weltweit" von Prof. Dr. Annette Wilke bearbeitet wird (Laufzeit: 11/2012-10/2017). Die Chinmaya Mission hat in der Hindu-Diaspora - insbesonderen in den USA und Großbritannien - großen Einfluss.

Tamilischer Hinduismus

Schon bald nach ihrer Flucht aus Sri Lanka errichteten die tamilischen Hindus innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten (Ende der 1980er Jahre bis Anfang 2000) 25 eigene Verehrungsstätten. Im Jahr 2011 sind es bereits 40. Im Jahr 2002 wurde in Hamm-Uentrop der bisher größte Tempel Kontinentaleuropas eingeweiht.

Seit dem ersten Band zum tamilischen Hinduismus in Europa, der im Jahr 2003 in Forschungskooperation von Prof. Dr. A. Wilke mit Prof. Dr. M. Baumann (Univ. Luzern), Dr. B. Luchesi (Univ. Bremen) und Prof. Dr. P. Schalk (Univ. Uppsala) erschien und bereits als ein Standardwerk zum Thema gilt, hat sich schon wieder viel im sehr lebendigen und ständig fluktuierenden Feld tamilischer Tempelkultur in Deutschland gewandelt. Unter anderem sind zahlreiche neue Tempel entstanden oder bestehende haben sich vergrößert und sichtbarer gemacht. Insbesondere hat der Hamm-Uentroper Tempel transnationale Dynamiken entwickelt und ist zu einem neuen großen und international bekannten Hindu-Pilgerort geworden. Tempelfest und Prozessionen ziehen unterdessen 15.000 TeilnehmerInnen aus Deutschland und ganz Europa an. Unter den Tempelbesuchern und Prozessionsteilnehmern sind auch deutsche Einheimische. Solche Neuentwicklungen sind - in vergleichender Perspektive zur Sri Lankischen Diaspora in anderen westlichen Gesellschaften - Schwerpunkt der neueren Forschungen von A. Wilke.

Die Forschungskooperation mit Prof. Baumann und Dr. Luchesi wurde in einem Harvard-Projekt („Religious Pluralism") weitergeführt und es besteht auch eine Forschungskooperation mit der Soziologin Prof. Kamala Ganesh (Univ. Bombay), die zu Rückkoppellungsprozessen tamilischer Hinduismus und indisch-tamilische Heimatkultur arbeitet, sowie mit den Herausgebern der neuen „Encyclopedia of the Sri Lankan Diaspora" an der Universität Singapur, wozu A. Wilke den Artikel für Deutschland beiträgt. Sie hat den Forschungsschwerpunkt seit 2003 in mehreren Einzelstudien weiter bearbeitet und an internationalen Konferenzen vorgestellt. Als assoziiertes Mitglied an der Ruhr Universität Research School betreut sie ein Promotionsprojekt zur zweiten Generation tamilischer Hindus in Deutschland.

Veröffentlichungen