Adamantiana. Texte und Studien zu Origenes und seinem Erbe

Die Reihe „Adamantiana. Texte und Studien zu Origenes und seinem Erbe“, die von der „Forschungsstelle Origenes“ in Münster herausgegeben wird und im dortigen Aschendorff-Verlag erscheint, ist die erste, die ausschließlich dem Denken des großen alexandrinischen Theologen und seinem wechselvollen Nachleben gewidmet ist. Neben Monographien, die Origenes selbst und die von ihm begründete Tradition behandeln, und Sammelbänden, in denen die Beiträge der von der Forschungsstelle organisierten Kolloquien und Symposien zusammengestellt werden, sollen auch Sammlungen von (ggf. übersetzten und kommentierten) Texten aus verschiedenen Epochen die Theologie des Origenes, ihren geistesgeschichtlichen Kontext und insbesondere ihre Rezeption bis zur Gegenwart erschließen.

Obwohl Origenes unbestritten der größte unter den griechischen Kirchenvätern ist, sind viele Aspekte seiner kühnen theologischen Synthese noch weitgehend unerforscht oder noch immer Gegenstand rezeptionsgeschichtlich bedingter Vorurteile und Missverständnisse. Insbesondere gilt dies für den Philosophen Origenes, dessen origineller Beitrag zur Ethik, Metaphysik und Religionsphilosophie ebenso noch einer umfassenden Würdigung harrt wie sein Entwurf einer ersten Philosophie der Geschichte. Auch der Exeget Origenes, dessen innovative Paulus-Auslegung weit weniger bekannt ist als etwa die im Westen traditionsbildende augustinische, verdiente eine eingehendere Darstellung. In Einzeluntersuchungen aus verschiedenen Disziplinen wie der Theologie, der Philosophie, der Klassischen Philologie oder der Geschichts- und Religionswissenschaft sollen diese und andere bislang vernachlässigte Aspekte des origeneischen Denkens ausführlich dargestellt und gewürdigt werden.

Die Geschichte des Origenismus ist so vielschichtig wie das Denken des Alexandriners selbst. Seit den großen origenistischen Streitigkeiten der Spätantike, die ein bzw. drei Jahrhunderte nach seinem Tod ausbrechen und an deren Ende seine offizielle kirchliche Verketzerung steht, gestaltet sich die Rezeption dieser ersten christlichen Philosophie ausgesprochen kontrovers. Die Auseinandersetzung mit seinem Werk steht darüber hinaus am Anfang zahlreicher bedeutender Umbrüche in der abendländischen Geistesgeschichte, die von seinem Freiheitsdenken allgemein maßgeblich geprägt worden ist. So atmen die großen spätantiken und mittelalterlichen christlichen Metaphysiken eines Pseudo-Dionysios Areopagita oder Johannes Scottus Eriugena unverkennbar origeneischen Geist. Desgleichen geht der Gedanke einer inkommensurablen menschlichen Würde, vermittelt über die neuzeitliche Dogmengeschichtsschreibung und die Werke italienischer und englischer Humanisten und Philosophen, nachweislich auf den Alexandriner zurück, dessen Werk zentrale Motive neuzeitlichen Denkens vorwegnimmt. Schließlich steht, wie die intensive Origenes-Rezeption eines Karl Rahner, Hans Urs von Balthasar oder Joseph Ratzinger zeigt, nicht zuletzt die Theologie der Gegenwart in der Schuld des Alexandriners.

Gerade im Bereich des Nachlebens des Origenes sind Spezialstudien und Textsammlungen, die bislang kaum oder gar nicht bekannte geistesgeschichtliche Bezüge herausarbeiten, ein Desiderat der Forschung. Mit entsprechenden interdisziplinären Pilotprojekten will die Reihe „Adamantiana. Texte und Studien zu Origenes und seinem Erbe“ das Denken des Alexandriners als maßgeblichen Faktor in der europäischen Ideen- und Geistesgeschichte erweisen.