Die Rolle der Religionsgemeinschaften im früheren Jugoslawien

Die Kriege im früheren Jugoslawien hatten ohne Zweifel auch eine religiöse Komponente. Orthodoxe Serben, katholische Kroaten und muslimische Bosniaken standen einander gegenüber. Obwohl weitgehend Konsens darüber herrscht, dass Religion nicht der auslösende Faktor für die Kriege gewesen ist, sind viele Fragen hinsichtlich der Rolle der Religionsgemeinschaften in der Gesellschaft Jugoslawiens, während der Kriege und in den Nachfolgestaaten noch unerforscht. Diesen Fragen widmet sich dieser Schwerpunkt.

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Thomas Bremer: Historikerprojekt (2004 abgeschlossen; gefördert durch die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe bei der Deutschen Bischofskonferenz)

  • Stefan Kube: Konfessionelle Identität und konkurrierende Erinnerungen. Historiographische Diskurse der Religionsgemeinschaften im sozialistischen Jugoslawien und in seinen Nachfolgestaaten (Dissertationsprojekt, voraussichtlicher Abschluss: 2018)

    Im Rahmen des Dissertationsprojektes soll die Geschichtsschreibung der drei großen Religionsgemeinschaften auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, d. h. Orthodoxie, Katholizismus und Islam, in vergleichender Perspektive untersucht werden. Im Mittelpunkt stehen zwei sich gegenseitig bedingende Phänomene: erstens die eigene historische konfessionelle Selbstwahrnehmung und zweitens die Fremdwahrnehmung der anderen Glaubensgemeinschaften. Ziel ist es herauszufinden, ob und inwiefern sich religiöse Geschichtsschreibung an nationalen bzw. nationalistischen Diskursen beteiligt hat bzw. beteiligt, und ob dadurch die theologische Ausbildung der religiösen Eliten auf einen Dialog oder auf eine Konfrontation der Konfessionen/Nationen ausgerichtet war bzw. ist. Leitfragen sind dabei: 1) Was für ein konfessionelles und nationales Identitätskonzept bestimmt das jeweilige religiöse Geschichtsbild? 2) Damit zusammenhängend: Wie stellt sich aus „kirchengeschichtlicher“ Perspektive das Verhältnis von Konfession und Nation dar? 3) Wie wird – wenn sie überhaupt thematisiert wird – konfessionelle Nachbarschaftsgeschichte wahrgenommen, als andauernde Konfliktgeschichte oder aber – neutraler, positiver – als Vergangenheit, die die historische Identität der eigenen Gruppe mitgeprägt hat? Ein Vergleich der religiösen Geschichtsschreibung mit der Geschichte der Profanhistoriographie soll Aufschluss darüber ergeben, ob sich zwischen beiden entwicklungsgeschichtliche Parallelen aufzeigen lassen.

Veröffentlichungen

  1. Thomas Bremer: Kleine Geschichte der Religionen in Jugoslawien.
    Königreich - Kommunismus - Krieg
    .
    Freiburg: Herder 2003.

  2. Thomas Bremer: Religija, društvo i politika. Kontroverzna tumacenja i priblizavanja [Religion, Gesellschaft und Politik. Kontroverse Deutungen und Annäherungen]. Bonn: Verband der Diözesen Deutschlands 2002 (=Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz: PROJEKTE 12).

  3. Thomas Bremer: Religion und Nation im Krieg auf dem Balkan. Beiträge des Treffens Deutscher, Kroatischer und Serbischer Wissenschaftler vom 05. - 09. April 1995 in Freising. Bonn: Zentralstelle Weltkirche der Dt. Bischofskonferenz 1996 (=Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz: PROJEKTE 2).