Religion in politischen Prozessen

Religion kann in politischen Prozessen sehr unterschiedliche Funktionen haben, von einem identitätsbildenden Faktor über die kritische Begleitung politischer Entwicklungen bis hin zur Verstärkung oder Abschwächung konflikthafter Situationen. In diesem Forschungsschwerpunkt wird untersucht, wie sich christlicher Glaube in verschiedenen politischen Feldern positioniert und auf sie Einfluss ausübt und wie umgekehrt Politik auf religiöse und ökumenische Prozesse wirkt.

 

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

  • Heiko Overmeyer: Frieden im Spannungsfeld zwischen Theologie und Politik. Die Friedensthematik in den bilateralen theologischen Gesprächen von Arnoldshain und Sagorsk. (Dissertationsprojekt, abgeschlossen 2005; gefördert durch die EU im Rahmen des Projektes "Churches and European Integration")
    Im Rahmen dieses Forschungsprojektes, das im September 2001 begann und bis zum August 2004 bestand, wird der Stellenwert untersucht, den die Friedensthematik in bilateralen theologischen Dialogen einnahm. Besondere Beachtung verdient dabei das Spannungsfeld von theologischen und politischen Aussagen zum Friedensthema. Hierbei wurde ein besonderes Gewicht auf Dialoge gelegt, die zwischen Kirchen aus den beiden deutschen Staaten und der Russischen Orthodoxen Kirche geführt wurden. Auf Grund der thematischen Spezialisierung lag das Hauptaugenmerk auf den so genannten Arnoldshainer Gesprächen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Russischen Orthodoxen Kirche sowie den Sagorsker Gesprächen zwischen dem Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR und der Russischen Orthodoxen Kirche. 
     
  • Thomas Bremer und Regina Elsner: Russische Orthodoxie und Moderne (Dissertationsprojekt im Rahmen des Kompetenznetzes „Institutionen und institutioneller Wandel im Postsozialismus (KomPost)“, abgeschlossen 2017)
    Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) gilt allgemein als einflussreiche Akteurin in der russischen Gesellschaft. Ihr wird in Umfragen nach wie vor großes Vertrauen entgegengebracht und sie besitzt moralische Autorität. Gleichzeitig wird sie jedoch aus westlicher Perspektive und von liberalen Kräften in Russland vornehmlich als bremsender Faktor bei der Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten wahrgenommen. Die offiziellen Äußerungen und Dokumente des Moskauer Patriarchats drücken Distanz zur modernen Welt aus und kritisieren den Liberalismus und den „militanten Säkularismus“ des Westens. In diesem Forschungsprojekt soll der Fokus auf der historischen Entwicklung der Moderne- und Westen-Kritik der ROK und den genuin theologischen Grundlagen liegen. Dafür werden zunächst einige entscheidende Etappen in der historischen Auseinandersetzung von ROK und Moderne/Modernisierung untersucht und die dabei entstandenen Argumentationslinien im orthodoxen Diskurs herausgearbeitet. In einem weiteren Schritt werden die theologischen Grundlagen eingehender untersucht. Im Zentrum steht dabei die Hypothese, dass das russisch-orthodoxe Einheitsverständnis und das moderne Paradigma der Vielfalt in einem spannungsreichen Verhältnis stehen, jedoch nicht einfach dualistisch gegenübergestellt werden können. Die theologische Untersuchung der dogmatischen Lehre der ROK soll theologische Grenzen und Potentiale im Einheits- und Vielfaltsverständnis aufzeigen. Im dritten Schritt sollen die gewonnenen theologischen Erkenntnisse für das gegenwärtige Konfliktfeld zwischen ROK und westlich-moderner Gesellschaft fruchtbar gemacht werden.
     

Veröffentlichungen

  1. Heiko Overmeyer: Frieden im Spannungsfeld zwischen Theologie und Politik. Die Friedensthematik in den bilateralen theologischen Gesprächen von Arnoldshain und Sagorsk. Frankfurt a. M.: Lembeck 2005.