Kindeswohl. Eine sozialethische Grundlegung

DFG

Der Begriff Kindeswohl spielt in unterschiedlichen Zusammenhängen des täglichen Lebens, der öffentlichen Debatte sowie der Human- und Gesellschaftswissenschaften eine Rolle. Dennoch mangelt es an schlüssigen Kriterien zur Vereindeutigung, mittels derer verhindert werden könnte, dass er zur Projektionsfläche gegenläufiger Interessen wird. Zudem ist er anfällig für Missbrauch und steht immer wieder in der Kritik, paternalistische Strukturen zu transportieren und der Beteiligung von Kindern nicht genügend Rechnung zu tragen. Das Projekt verfolgt drei miteinander zusammenhängende, aber unterschiedlich gewichtete Ziele: 1. Die Analyse der normativen Implikationen des Begriffs in den relevanten Diskussionszusammenhängen (Klärung der Ausgangslage); 2. Die Identifizierung und Begründung normativer Kriterien des Kindeswohls aus der Perspektive einer christlichen Ethik und der ihr zugrunde liegenden Anthropologie (zentrales systematisches Anliegen); 3. Eine Skizze von Maßstäben zur Operationalisierung des Kindeswohls in Konflikten (Ausblick). Damit wird zur Schließung einer Forschungslücke beigetragen, insofern eine theologische Ethik des Kindes bzw. der Kindheit bisher nur in Ansätzen entwickelt ist und eine sozialethische Kriteriologie, die für eine institutionenethisch operationalisierbare Konzeption von Kindeswohl bislang noch aussteht.

The term ‚best interests of the child’ occurs in different contexts of everyday life, public debate, and social sciences. Nevertheless, there is a lack of consistent criteria to precisely identify its content and to avoid that it serves as a projection screen for contradicting interests. Moreover the term (especially the German ‘Kindeswohl’) is likely to be criticised as paternalistic, because it does not address the participation of children sufficiently. – The project pursues three objectives, which are closely connected but differently weighted: First, it analyses the normative implications of the term in relevant scholarly debates. Secondly, it identifies and substantiates normative criteria defining the ‘best interests of the child’ with reference to Christian ethics and its basic anthropological assumptions (central systematic concern). Thirdly, it clarifies standards to operationalise the `best interests of the child´ and to protect it in conflicts (prospect). This contributes to close an academic void, since theological ethics have not directed enough attention to children and childhood so far. A social-ethical criteriology, which could provide orientation for societal institutions, particularly those obliged to promote ‘the best interests of the child’, still needs to be developed.

Bearbeiterinnen: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins; Anna Maria Riedl M.A.

Finanzierung: DFG

Laufzeit: 01. Juni 2013 bis 31. Mai 2016

Wissenschaftlicher Beirat:
          Prof. Dr. Sabine Andresen, Universität Frankfurt (Pädagogin, Schwerpunkt empirische Arbeit mit Kindern), Vizepräsidentin des Deutschen  
                 Kinderschutzbundes, Mitglied der Sachverständigenkommission der Bundesregierung für den 14. Kinder- und Jugendbericht

Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, LL.M., Universität Hannover (Juristin, Schwerpunkt Familienrecht)

Prof. Dr. Annemie Dillen, Universität Leuven/Belgien (Pastoraltheologin, Schwerpunkt Kindertheologie)

Prof. Dr. Michael-Sebastian Honig, Universität Luxemburg (Sozialpädagoge/Soziologe, Schwerpunkt Kindheitsforschung), Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend

Prof. Dr. Bernhard Kalicki, Leiter Abteilung Kinder und Kinderbetreuung am Deutschen Jugendinstitut München, FH Dresden (Psychologe, Schwerpunkt Frühkindliche Bildung)

Prof. Dr. Lothar Krappmann, FU Berlin (Soziologe, Pädagoge, Schwerpunkt Kinderrechte); ehem. UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes

Schwerpunkt- bzw. projektbezogene Publikationen:

Riedl, Anna Maria (2017): Ethik an den Grenzen der Souveränität - Christliche Sozialethik im Dialog mit Judith Butler unter Berücksichtigung des Kindeswohlbegriffs. Paderborn: Schöningh.

Heimbach-Steins, Marianne / Riedl, Anna Maria (Hg.): Kindeswohl zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Theorie und Praxis im Gespräch. Paderborn: Schöningh, 2017.

Riedl, Anna Maria (2013): Der Begriff des Kindeswohls in theologisch-ethischer Perspektive: von einer Kindertheologie zur Theologie der Kindheit. In: EthikJournal 1, H.2. Online unter: ˂http://www.ethikjournal.de/fileadmin/user_upload/ethikjournal/Texte_Ausgabe_2_10-2013/Riedl__Kindeswohl_in_theologisch-ethischer_Perspektive_EthikJournal_1_2013_2.pdf˃.

Riedl, Anna Maria (2011): Kinderrechte, Schutz und Beteiligung in der Entwicklungszusammenarbeit. In: Demele, Markus / Hartlieb, Michael / No­weck, Anna (Hg.): Ethik der Entwicklung (Forum Sozialethik 9). Münster: Aschendorff, 181–198.

Heimbach-Steins, Marianne (2010): Macht und Missbrauch: sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und die Krise der katholischen Kir­che. In: Soziale Passagen 2, 227–240.

Heimbach-Steins, Marianne (2009): Verpflichtende Vorschulerziehung: bessere Startchancen für alle Kinder oder unzulässiger Eingriff in das Eltern­recht?. In: Heimbach-Steins, Marianne / Kruip, Gerhard / Kunze, Axel Bernd (Hg.): Bildung, Politik und Menschenrecht: ein ethischer Diskurs (Forum Bildungsethik 6). Bielefeld: wbv, 117–124.

Riedl, Anna Maria (2010): Rez. zu Surall, Frank: Ethik des Kindes: Kinderrechte und ihre theologisch-ethische Rezeption. In: Theologische Revue 107, 146–147.