Geschlechterverhältnisse in der Literatur des hellenistischen Judentums

Während die hebräische Bibel schon früh und umfassend zunächst feministisch, dann genderspezifisch analysiert wurde, spielten die jüdischen Schriften der hellenistisch-römischen Zeit lange eher eine Nebenrolle, entsprechend ihrer traditionellen Marginalisierung auch in der exegetischen Forschung. Seit ca. einem Jahrzehnt ist ein verstärktes Interesse an dieser Literatur zu konstatieren, wird doch die Bedeutung dieser Texte als Dokumente einer geradezu global zu nennenden Kulturbegegnung, -konfrontation und –verschmelzung inzwischen deutlich wahrgenommen.

Für eine feministische Forschung ist diese Literatur bemerkenswert, treten hier doch Frauenfiguren verstärkt hervor, werden aber auch eigene und neue misogyne Traditionen entfaltet. Für eine gender-bzw. geschlechterbezogenen Forschung ist die hellenistische Epoche von besonderem Interesse, scheint sich hier erstmals ein expliziter Geschlechterdiskurs entwickelt zu haben.

Im Forschungsprojekt „Geschlechterverhältnisse im hellenistischen Judentum“ geht es um das Spektrum der Fragestellungen, die sich aus feministischen bzw. gender/geschlechterbezogenen Ansätzen ergeben.

Bisherige Schwerpunkte (1999-2006 z. T. finanziert mit Erlassmitteln des MIWFT/NRW):

  • Buch Esther: Übersetzung und Kommentierung der beiden griechischen Estherbücher (Septuaginta und sog. Alfatext) zusammen mit Prof. Dr. Kristin de Troyer, Claremont/USA, für das Projekt LXX.de, der ersten vollständigen Übersetzung der Septuaginta ins Deutsche; diverse eigene wiss. Beiträge zum Estherbuch seit 2004
  • Die Figur der Mutter im 2. Makkabäerbuch (Kap. 7); dazu zwei Beiträge (2005 und 2007)
  • Übersetzung des Buches Baruch und der sog. Epistula Jeremiae für die Bibel in Gerechter Sprache (2006) und für die revidierte Einheitsübersetzung (in Bearbeitung)
  • Gender im sog. äthiopischen Henochbuch, einer in altäthiopisch (Geez) sowie aramäisch und griechisch überlieferten frühjüdischen Schrift; Zusammenarbeit mit Prof. William Loader, Perth/Australien; ein eigener Beitrag (2002)

ProjektteilnehmerInnen: Prof. Dr. Kristin de Troyer,Claremont/CA; ab 2009 St. Andrews/Schottland

Projektzeitraum: 2005 - voraussichtlich 2018