Festakt anlässlich des go-live der Internetseite
www.juedischer-friedhof-muenster.de
mit der Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Münster

(Christopher H. Stappert, Frowald Gil Hüttenmeister, Ludger Hiepel, Desirée Kaiser, Marie-Theres Wacker, Sharon Fehr, Simone Bomholt)

Mit einem Festakt am 24. März 2015 im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Münster ist die Internetseite www.juedischer-friedhof-muenster.de freigeschaltet worden.

Die nun dort einsehbare Dokumentation des Friedhofs an der Einsteinstraße entstand seit mehreren Jahren am Seminar für Exegese des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Münster. Im auffallenden Unterschied zu zahllosen Gemeinden und Städten in Deutschland gab es bisher keine vollständige Dokumentation des jüdischen Friedhofs. Mit dem Projekt wird diese Lücke geschlossen und das bedeutende Kulturdenkmal einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein gehoben.

Die Seite bietet einen interaktiven Lageplan, der die rund 400 Grabdenkmäler verzeichnet. Über diesen Plan oder eine Personensuche können einzelne Gräber angewählt werden. Auf den einzelnen Personenseiten werden dann Fotos der Grabsteine, die Inschriften in Transkription und Übersetzung geboten. In vielen Fällen war es uns möglich durch die Kooperation mit den beiden Historikerinnen Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer Informationen zu den dort Bestatteten zu geben. Es konnten hier die Einträge des Biographischen Lexikons des dreibändigen Werks „Jüdische Familien in Münster“, das den Zeitraum von 1918-1945 umfasst, eingepflegt, Personenbilder übernommen und Verwandtschaftsbeziehungen verlinkt werden. Sodann konnten für einige Personen noch weitere Texte und Bilder aus anderen Werken übernommen werden.

Für die Erstellung einer Homepage konnte Prof. Dr. Marie-Theres Wacker, Leiterin des Seminars für Exegese des Alten Testaments und Leiterin der Arbeitsstelle feministische Theologie und Genderforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät, als Sponsoren den Generalvikar des Bistum Münster, die Kreissuperintendentin des Evangelischen Kirchenkreis Münster, das Stadtdekanat, die  Stiftung „Kunst & Kultur Münsterland“ sowie die Vereinigung Niederdeutsches Münster gewinnen. Damit konnten wenigstens die Kosten für die Entwicklung der Hompage eingeworben werden. Diese Aufgabe und technische Umsetzung der Homepage übernahm Christopher H. Stappert, Theologe und Programmierer; das graphische Design erarbeitete Maya Argaman.

 Die übrige Arbeit musste aus Mitteln des Seminars für Exegese des Alten Testaments bestritten werden. Mehrere tausend Stunden – teils auch in Überstunden oder ehrenamtlich – wurden hier neben Marie-Theres Wacker auch vom Theologen Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und Simone Bomholt im Sekretariat aufgebracht. Unterstützt wurden sie von der studentische Hilfskraft Desirée Kaiser und der Schweizer Theologin Christa Grünenfelder, die im Rahmen einer Anstellung für drei Monate die Übersetzung der hebräischen Inschriften vorantrieb.

Der Festakt begann aus aktuellem Anlass mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des gestrigen Flugzeugabsturzes. Nach der Begrüßung durch den Gemeindevorsteher Sharon Fehr eröffnete Marie-Theres Wacker, die Projektleiterin, den Abend mit einem Rückblick auf die geleistete Arbeit und stellte ihre Forschungsergebnisse zu den Anfängen  des jüdischen Friedhofs ab 1810 vor. Der Festredner Dr. Frowald Gil Hüttenmeister, der als Judaist selbst unzählige jüdische Friedhöfe in ganz Europa dokumentiert hat, stellte unter dem Titel „Friedhöfe - Spiegel jüdischen Lebens“ jüdische Friedhofs- und Begräbniskultur dar. Seine Beispiele illustrierten die große Spannweite zwischen trauriger Erinnerung und unfreiwilliger Komik, die sich in den Grabsteininschriften findet. In einer anschließenden Präsentation stellten Marie-Theres Wacker und Ludger Hiepel, der das Projekt neben inhaltlicher Arbeit koordinierte, die Seite, die bei diesem Anlass freigeschaltet wurde, vor und gaben eine Einführung in die Funktionen der Seite. Der Abend endete mit einem Empfang, den die Jüdische Gemeinde als Zeichen der Dankbarkeit ausgerichtet hatte.

 
(Ludger Hiepel / Marie-Theres Wacker)