Graben statt Lesen

Im Sommer haben einige Wochen lang Archäologen der Stadt Münster dort den Boden untersucht, wo bislang der Bibliotheksflügel unsrer Fakultät stand. Die Grabungen sind Teil der Forschungen im gesamten Breich der Baustelle zwischen Philosophicum und Fürstenberghaus.

Das gesamte Areal sei stadtgeschichtlich von besonderem Interesse, teilt nun der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW auf Anfrage mit. Es liegt im Randbereich der Domburg, die seit 805 Bischofssitz und Mittelpunkt der Stadt ist, die sich seit dem 12. Jahrhundert rasant entwickelte. Am Rande des Domhügels, der spätestens im ausgehenden 9. und beginnenden 10. Jahrhundert befestigt war, lagen die repräsentativen Wohnsitze der Domherren, die am Ende des 19. Jahrhunderts vielfach Neubauten weichen mussten, in denen öffentliche Einrichtungen der Provinzialhauptstadt untergebracht waren. Zu letzteren gehört auch das heutige Philosophikum, das 1903 als Collegium Liudgerianum am Standort der Domherrenkurie Nr. 20 errichtet wurde, in der seit dem 16. Jahrhundert nachweislich der bischöfliche Siegeler und seine Diener wohnten.

Über die bauliche Entwicklung auf den einzelnen Grundstücken der Domburg weiß man allerdings wenig. Genauere Antworten wird die Stadtarchäologie Münster erst nach dem Ende der Grabungen (voraussichtlich November 2013), nach der Erfassung und Bewertung des Fundgutes sowie nach einer zusammenfassenden wissenschaftlichen Auswertung geben können. Fest steht allerdings jetzt schon, dass die Grabungen direkt neben unserer Fakultät wenig ergiebig waren. Dieser Teil der Untersuchungsfläche war im Mittelalter feucht und sumpfig. Vermutlich befand sich hier ein Teich oder ein Seitenarm der Aa, in dem in wechselnder Höhe Wasser stand. Dies zeigen die hellen Sandschichten im schwarzen Erdreich. Das Gelände wurde erst im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert für eine Bebauung nutzbar gemacht. Es wurde aufgeschüttet und dadurch trockengelegt. Der Grund dafür war sicherlich der Bau des Jesuitenkollegs, der hier von 1606 an in mehreren
Abschnitten erfolgte.

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