Anders trauern - ein Afrikaner in Deutschland

 


Rituale sind sozial-konstruierte, kultur-spezifische Handlungen. Mit der Durchführung von Ritualen werden Phänomene, die wir im Westen primär als 'natürliche Phänomene' verstehen, mit einer bestimmten Bedeutung versehen. Deswegen gibt es zum Beispiel Geburtsrituale, Ernterituale und auch Todesrituale. Dies bedeutet, daß Prozesse wie menschliche Fortpflanzung oder landwirtschaftliche Produktion in diesen Gesellschaften nicht rein biologisch verstanden werden, sondern als das Ergebnis von sozialem und rituellem Handeln. Der Tod stellt ein solches Phänomen dar. Im Westen neigen wir dazu, den Tod als einen natürlichen Prozeß, als den Endpunkt bestimmter physiologischer Entwicklungen innerhalb des menschlichen lebens zu definieren. Solche Prozesse werden in nicht-westlichen Gesellschaften oft radikal anders konzeptualisiert. Erstens kann der Tod eines Menschen sich zwar aus einer Krankheit oder einem Unfall ergeben, aber die Frage, die den Hinterbliebenen durchaus beschäftigt, ist, warum gerade diese Person und nicht eine andere von diesem Schicksal getroffen wurde. Solche Schicksale werden oft mit dem Verletzen bestimmter sozialer Kode in Verbindung gebracht. Ob der Leichnam begraben, kremiert oder auf andere Art und Weise transformiert wird, der Tote wird nicht aufhören zu existieren. Die Verwandten müssen mittels der Durchführung eines Todesrituals des Geist des Verstorbenen in die nächste Existensform überführen. Damit zeigen die Rituale, daß die betreffenden Gesellschaften grundsätzlich die Lebenden und die Toten in sich vereinigen. Die Toten werden letztendlich nicht aus der Gesellschaft ausgegrenzt, sondern sie sind ein wesentlicher Teil der Gesellschaft der Lebenden. Ohne die Toten gibt es kein Leben, so daß die Todesrituale grundsätzlich als Versuche verstanden werden sollen, die Kontinuität der Gesellschaft zu gewährleisten.

Quelle: Todesrituale - Prof. Dr. Jos Platenkamp - Ankündigung zum Seminar Todesrituale im Wintersemester 1998/99 am Institut für Ethnologie an der Uni Münster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 [Informationen aus dem Internet]
           
     

Todesrituale

   
   

 
  Cross-Cultural Funeral Rites by LaVone V. Hazell

 
  Nuer Religion, Superstition, Witchcraft, and Burial Ceremonies by Kris Laxo, Chris Domino, and Pete Geisheker

 
  Adinkra: Die Symbolsprache der Ashanti von Mark Kwami

 
  Kumasi: Traditionelles Großzentrum in Aschanti von Walther Manshard

   
  Landeskundliche Informationen zu Ghana - zusammengestellt von der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)

   
  Das heutige Ghana als Kolonie: geschichtliche Entwicklung und historische Konsequenz von Corinna Wagner