Vorträge des Instituts für Ethnologie
Vortrag Transkulturelle Psychiatrie
Im Rahmen des Blockseminars "Sozialanthropologie und Transkulturelle Psychiatrie" von Frau Prof. Dr. Helene Basu und cand. José-Marie Koussemou wird Prof. Dr. Vieda Skultans von der Universität Bristol einen Vortrag zu folgendem Thema halten:
Democratization and Consumerism in the Post-Soviet Psychiatric Clinic
Zeit: Freitag, 7. November 2008, 16-18 Uhr
Ort: Scharnhorststraße 100, Raum 120
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!
Institutscolloquium im WS 2008/09
jeweils Dienstag 16.00 - 18.00 Uhr
21. Oktober 2008
Dr. Anja Nicole Stuckenberger (Department of Anthropology, Dartmouth College, USA, Im Wintersemester 2008/09 in Bochum). Das kulturelle Verständnis der Umwelt der Inuit im Kontext von Anpassungsstrategien an Folgen des Klimawandels in Alaska und Kanada
04. November 2008
Prof. Dr. Franz-Werner Kersting (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und Universität Münster). Zwischen NS-„Euthanasie“ und Reform. Die Westdeutsche Anstaltspsychiatrie 1940-1970
18. November 2008
Laila Prager, MA
A society of wives without husbands. A case study from arabic-alaw society
02. Dezember 2008
Dr. Cordula Weißköppel (Bremer Institut für Kulturforschung, Institut für Kulturwissenschaft) Religion als transnationale Ressource. Die Entstehung und Praxis einer deutsch-sudanesischen Sufi-Bruderschaft
16. Dezember 2008
Prof. Dr. Guido Sprenger (Institut für Ethnologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Ethnische Identität aus systemtheoretischer Perspektive – Beispiele aus Festland-Südostasien
13. Januar 2009
Prof. Dr. Volker Grabowsky (Institut für Ethnologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) Thailand und Kambodscha am Abgrund eines Krieges? Zu den Hintergründen der Kontroverse um den Hindu-Tempel Preah Vihear (Prasat Phra Wihan)
27. Januar 2009
Dr. Arne Steinforth (Institut für Ethnologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Investigating Authority:
Cosmology, Political Leadership, and Healing the Sick
across the Malawi-Mozambican Border
Gastvortrag Prof. Narendra Panjawi
An alle Filminteressierte & Bollywoodfans:
am Do 3. 7. 2008, 18h wird Professor Panjwani in der Scharnhorststrasse
100, SCH 3 zum Thema:
"Popular Cinema and the Imagining of 'India'"
sprechen.
Der Soziologie Professor Narendra Panjwani, Spezialist für
Medienstudien, wird seinen Vortrag mit einer Vielzahl filmischer
Beispiele aus der Bollywood Produktion anreichern. Sein jüngstes Buch
"Emotion Pictures: Cinematic Journeys into the Indian Self" liefert eine
großartige Untersuchung der Selbstkonstituierung in der indischen
Moderne durch das Medium des Kinofilms.
Professor Narendra Panjwani lehrt Film Studies am Xavier Institute of
Communications in
Mumbai, Indien. Zur Zeit: Visiting Professor of Indian Cinema, at the
Simon Fraser University, Vancouver
Alle Filminteressierten & Gäste sind herzlich eingeladen!
Gastvortrag Prof. Dr. Mitchell Weiss
Im Rahmen der Veranstaltung "Transkulturelle Psychiatrie"
von Prof. Basu und Dr. cand. Koussemou hält
Prof. Dr. Mitchell Weiss
(Tropeninstitut Basel)
einen Gastvortrag zum Thema:
"Concepts of Cultural Psychiatry and Cultural Epidemiology in India"
am Donnerstag, dem 15. Mai 2008, 18-20 Uhr, Scharnhorststr. 100, Raum Sch 3.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Gastvortrag Prof. Dr. Trisilpa Boonkhachorn
Im Rahmen der Vorlesung "Thailand und Laos nach 1945"
von Prof. Grabowsky hält
Prof. Dr. Trisilpa Boonkhachorn
(Chulalongkorn University Bangkok,
z. Z. Gastprofessorin am Asien-Afrika-Institut, Universität Hamburg)
einen Gastvortrag über thailändische Gegenwartsliteratur zum Thema:
"Sriburapha's Angels: The Development of Female's Images in Sriburapha's Novels"
am Mittwoch, dem 21. Mai 2008, 12-14 Uhr, Institut für Ethnologie, Studtstr. 21.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Vortrag Prof. Dr. Platenkamp
Am Dienstag, dem 15.4.2008, spricht Prof. Dr. Platenkamp im Rahmen des Forschungskolloquiums zu folgendem Thema:
The canoe-racing ritual of Luang Prabang
Der Vortrag findet statt im Institut für Ethnologie, Raum 2.4, um 14 Uhr c.t.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!
Vortrag Alexander Boroffka
Am Freitag, dem 25.1.2008, spricht um 17 Uhr Alexander Boroffka zum Thema "Einführung in die Psychiatrie in Nigeria". Anschließend gibt es eine Vorführung seines Films "Management of Madness". Der Vortrag findet im Rahmen des Hauptseminars "Transkulturelle Psychiatrie" von Frau Prof. Basu und Herrn Koussemou im Raum SCH 103/104 in der Scharnhorststraße statt.
Institutscolloquium WS 07/08, Dienstag 16-18 Uhr, Raum 2.10, Institut für Ethnologie
Institutscolloquium WS 07/08
Verantwortliche Dozenten: Prof. Dr. H. Basu und Prof. Dr. J. Platenkamp
Programm:
23.Oktober 2007 „On Social and Cultural Anthropology in Post-Socialist Societies“
Prof. Vesna Godina
Univerza V Ljubljana/Faculty of Social Sciences
20. November 2007 „Kulturanthropologische Deutungspraxis zwischen Spiel, Arbeit
und Magie“
PD Dr. Heike Kämpf
Technische Universität Darmstadt/Institut für Philosophie
27. November 2007 „Transitions and Transformation, Shamanism and Christianity in
the Canadian Arctic”
Prof. Dr. Jarich G. Oosten
Universiteit Leiden/Department Culturele Antropologie
4. Dezember 2007 „Perspektiven in der Visuellen Anthropologie"
Prof. Dr. Frank Heidemann
Ludwig-Maximilians-Universität München/Institut für Ethnologie
und Afrikanistik
18. Dezember 2007 „Die 'Geschichte' der königlichen Familie in Bonai/Indien: Texte,
Zentren und Autoritäten“
Dr. Uwe Skoda
Freie Universität Berlin/Institut für Ethnologie
8. Januar 2008 „Mobile Tempel. Prozessionswagen tamilischer Hindus in der
deutschen Diaspora"
Dr. Brigitte Luchesi
Universität Bremen/Institut für Religionswissenschaft/
Religionspädagogik
15. Januar 2008 "Whose cursing? Some notes on sorcery and justice in Tamil Nadu"
Dr. Zoé E. Headley
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg/Südasien-Institut (SAI);
Abteilung Ethnologie
22. Januar 2008 "Die Geschichte der Puerto Rican Day Parade und ihre Bedeutung für die puertoricanischen Migranten in New York"
Prof. Dr. Silke Hensel
Westfälische Wilhelms-Universität/Historisches Seminar; Neuere
und Neueste Geschichte unter besonderer Berücksichtigung
der außereuropäischen Geschichte
Alle Interessierte und Gäste sind zum Institutscolloquium herzlich eingeladen
Vortragsreihe im Rahmen der Besetzung der W 1-Professur "Ethnologie", Freitag, 15.12.2006
10.00 Uhr, F6, Fürstenberghaus, Domplatz 20-22Dr. Alexander Horstmann, Universität Münster
"Heilen, Kosmologie und Austauschbeziehungen am Thale Luang, Südthailand"
12.00 Uhr, KThS1, Kath.-Theol. Fakultät, Johannisstr. 8-10
Dr. Corinne Neudorfer, Universität Trier
"Akteursorientierte Ethnologie. Theoretische Ansätze und Fallbeispiele"
15.00 Uhr, R 209, Fürstenberghaus, Domplatz 20-22
Dr. Guido Sprenger, Academia Sinica, Taipei, Taiwan
"Grenzen der Gesellschaft: Geschlossenheit und Wandel im Hochland Südostasiens"
Institutscolloquium WS 06/07, Dienstag 14-16, Raum 2.10 Institut für Ethnologie
Institutscolloquium
Veranstalter: Prof. Dr. H. Basu und Prof. Dr. J. Platenkamp
Dienstag 14-16, Raum 2.10 Institut für Ethnologie
31. 10. 'Unreine Werke': Geisteskrank durch Schadenszauber und Besessenheit
Prof. Dr. Helene Basu
ist seit dem Sommersemester 06 Professorin für Ethnologie am IfE der WWU. Besessenheitskulte bilden einen Schwerpunkt ihrer ethnographischen Forschungen, die sie vergleichend in Indien (Gujarat) und Afrika (Tanzania) durchführte.
Westlichen Grundannahmen gemäß werden psychische Erkrankungen auf innere Konflikte des Individuums zurückgeführt. Dieser Vortrag befasst sich mit alternativen kulturellen Konstruktionen der Person und mentalen Störungen im Kontext der indischen Gesellschaft. Hier werden bestimmte Formen von Geisteskrankheit auf die Einwirkung von Schadenszauber und/oder die Besetzung des Selbstbewusstseins durch einen Geist zurückgeführt. Im Fokus steht ein muslimischer Heiligenschrein, der ein Zentrum der Behandlung solcher "Krankheiten des Kopfes" bildet. Die Untersuchung richtet sich auf die Frage nach den symbolischen und praktischen Verbindungen zwischen Geisteskrankheit, Therapie und religiösen Wertvorstellungen.
07.11. Datenerhebungen in `The Hindu Community of Gibraltar´
Prof. Dr. Günther Best
studierte Ethnologie, Soziologie, Kulturanthropologie sowie Vor- und Frühgeschichte an den Unis Heidelberg und Frankfurt am Main. Er promovierte 1977 in Frankfurt am Main und habilitierte 1990 in Freiburg i.Br. Zudem betrieb er Feldforschungen von über 2 Jahren in Ostafrika. Er ist Apl. Professor an der Uni Freiburg und hat PD-Status an der Uni Münster am Institut für Soziologie. Gegenwärtig forscht Prof. Dr. Best in Gibraltar.
Im Verlauf meiner empirischen Datenerhebungen stieß ich u.a. auf das Kastenwesen und die endogene soziale Klassenstruktur bei den hinduistischen Sindhis in Gibraltar, der letzten britischen Kronkolonie Europas. In Gibraltar leben seit fünf Generationen auch hinduistische Sindhis, die sich vor allem als Händler und Kaufleute niedergelassen haben. Aufgrund der Tradierung ihrer sozial-kulturellen Werte und Normen heiraten sie bevorzugt intraethnisch. Das Zustandekommen dieser arrangierten und isogam ausgerichteten Ehen basiert auf einem weltweiten ethnisch homogenen Netzwerk von Beziehungen. Da die postnuptiale Residenz virilokal orientiert ist, bleiben die Söhne im Land und ihre Frauen ziehen zu ihnen, während die Töchter mit der Heirat Gibraltar verlassen. Es hat sich gezeigt, dass bei dem Zustandekommen von Ehen bestimmte Regeln zu befolgen sind: auf religiöser Ebene bezieht sich dies auf die Endogamie innerhalb der Vaishya-Kaste (Zweimal-Geborene) und sozial wie wirtschaftlich auf die moderne Klassenzugehörigkeit. Bei den wenigen lokal geschlossenen interethnischen Ehen trifft nur letzteres zu; dann ist aber die/der nicht-hinduistische Ehepartner/in erfahrungsgemäß römisch-katholisch und es handelt sich um eine „Liebesheirat“. Für die Eltern stellt das Zustandekommen von Ehen ihrer Kinder eine Erweiterung ihrer reziproken verwandtschaftlichen und sozialen Beziehungen dar, die auch wirtschaftlich von außerordentlicher Relevanz sind. Deshalb müssen Eheschließungen langfristig vorbereitet und essenzielle Kriterien der Heiratsregeln berücksichtigt werden. Nur so können die Sindhis weltweit als ethnische Gruppe ihre Identität bewahren und ihre Existenz gewährleisten.
14.11. Als Ethnologe und Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Möglichkeiten und Grenzen Kulturwissenschaftlicher Forschung
Dr. med. Dr. phil. Christian Postert
ist Arzt und Ethnologe. 2003 promovierte er in der Ethnologie über die soziale Morphologie und den rituellen Zyklus der Person bei den Hmong in Laos; 2004 promovierte er in Medizin über das medizinische System der Hmong. Seit 2004 ist er als Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Münster tätig.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie gehört zu den Disziplinen innerhalb der Medizin, in der sich eine Vielfalt möglicher Erklärungsansätze für Phänomene von Gesundheit und Krankheit erhalten hat. Neben biologisch-genetischen und psychodynamisch-behavioristisch-systemischen tragen soziologisch-ethnologische Ansätze erheblich zum Verständnis psychopathologischer Phänomene im Kindes- und Jugendalter bei. Darüber hinaus bieten sie Möglichkeiten einer grundsätzlichen Reflexion des Selbstverständnisses dieser Disziplin als kulturell kontingenter Praxis. Anhand verschiedener Beispiele soll die bedeutende Rolle der Ethnologie im Rahmen der Entwicklung eines biopsychosozialen Modells der Entstehung, Diagnostik und Behandlung von psychischer Krankheit verdeutlicht werden.
21.11. Der Geist der Seide
Prof. Dr. Andreas Hartmann
ist Professor für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der Uni Münster. Neben historischen und empirischen Forschungen aus dem eigenen, europäischen Kulturbereich betrieb er auch Feldforschungen in Südostasien (Thailand).
In meinem Vortrag werde ich über mein Seidenprojekt in der Provinz Sisaket (Nordostthailand) berichten. Dabei geht es zum einen um die Frage nach der Verbindung von ethnologischer und sozialer Praxis, zum anderen um die Frage nach der Transformation des rituellen und kosmologischen Ortes der Seidenweberei im traditionellen dörflichen Milieu dieser weitgehend laotisch geprägten Region.
28.11. Ifa: Diagnostisches und Therapeutisches Instrument bei den Yoruba
Dr. José - Marie Koussemou
Arzt in Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie am BKH Kaufbeuren. Er ist seit Mai 2006 außerdem als Stationsarzt und als Leiter der Arbeitsgruppe für Ethnopsychiatrie tätig.
In meinem Vortrag geht es darum anhand einer Feldforschung die Kosmologie der Yoruba darzustellen. Es soll auch das Orakel Ifa, das die Yoruba (Volksgruppe in Nigeria und Benin) als Diagnostik und Therapieinstrument benutzen, vorgestellt werden.
Zum Abschluss soll die Diagnostik und Therapie von einem jungen Mann anhand von Ifa vorgestellt werden.
05.12. Ein Einblick in die thailändische Kultur durch Thai-Musik: Am Beispiel der historisch erstmaligen Untersuchung von Carl Stumpf in Berlin 1900
Dr. Suphot Manalapanacharoen
derzeitig wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie WWU und Bearbeiter des DFG geförderten Projektes: Briefwechsel zwischen König Chulalongkorn und seinem späteren Erziehungsminister Phraya Wisut Suriyasak in den Jahren 1895 bis 1998. Historisch-kritische Edition nebst deutscher Übersetzung und Kommentar (von September 2005 bis Ende August 2007)
Dieser Vortrag ist im Rahmen der Musikethnologie. Der Vortragende geht zunächst auf die epochale Untersuchung der Thai-Musik 1900 von Carl Stumpf und Eric von Hornbostel sowie Otto Abraham zurück. Sie waren die Gründer des Faches Vergleichende Musikwissenschaft, also des Vorläufers der heutigen Musikethnologie. Carl Stumpf und seine Mitarbeiter haben die Thai-Musik erstmalig auf die Edison-Walse aufgenommen, dann auf das Fünfliniensystem transkribiert und schließlich analysiert. Ihre Untersuchung gilt bis heute noch als eine wichtige Grundlage für Thai-Musikstudien. Das Phänomen der siebengleichstufigen Tonleiter der Thai-Musik konnten sie allerdings nicht erklären und diese Frage bleibt bis heute dahin gestellt. Der Vortragende wird versuchen diese eigenartige Struktur zu erklären, u.z. indem er auch den politischen Kontext und die gesellschaftliche Struktur von Thailand in Betracht zieht.
12.12. Sicherheit in Zeiten von Aids
Dr. Sabine Klocke-Daffa
ist seit 1993 stv. Direktorin des Instituts für Lippische Landeskunde, Landesverband Lippe. 1998 promovierte sie im Fach Ethnologie
mit dem Thema: "Wenn du hast, musst du geben". Soziale Sicherung im Ritus und im Alltag bei den /Hai-/Khauan, einer Namagruppe des südlichen Namibia.
Die AIDS-Pandemie stellt nahezu alle afrikanischen Staaten vor immense soziale und wirtschaftliche Probleme. Auch in Namibia sind große Teile der Bevölkerung von HIV/AIDS betroffen, die Infektionsrate liegt bei 24% der 15- bis-49-Jährigen. In dieser Situation haben die namibischen Nama eine neue Institution für sich entdeckt: die von den großen Versicherungsunternehmen angebotenen Sterbeversicherungen. Sie sind jedoch mit relativ hohen monatlichen Kosten verbunden (die oft kaum zu tragen sind) und kommen nicht einmal den Einzahlern selbst zugute. Was macht diese Form des Risikoschutzes so attraktiv und warum lassen sich gerade Sterbeversicherungen nahtlos in das traditionelle informelle Sicherungssystem integrieren?
19.12. Migration als Übergang. Ungewissheit bei Freundschaften und Tod in der Stadt
Dr. Barbara Meier
ist wiss. Ass. im Institut für Ethnologie. Seit 2000 arbeitet sie zu dem Thema 'Religionsethnologische Beiträge zur Migrationsforschung anhand vergl. Untersuchungen bei Migrantengruppen in Ost- und Westafrika (Uganda und Ghana)' in Kampala/Uganda.
In den meisten Studien über Migration in Afrika werden Freundschaften, Cliquen und Assoziationen als Ersatz für die in ländlichen Herkunftsorten dominanten Verwandtschaftsbeziehungen betrachtet. Anstatt jedoch Freundschaften als wichtigste soziale Beziehung in der Stadt zu pflegen, nehmen Migrantinnen und Migranten aus Nordghana gegenüber Freundschaftsbeziehungen eine ambivalente Haltung ein. Auffällig ist die Furcht davor, Persönliches preiszugeben, ins Gerede zu kommen und den Erwartungen des Freundes/der Freundin nicht gerecht zu werden. Diese für Migranten prekäre Situation lässt sich auch auf den gesamten Aufenthalt in der Stadt übertragen. Abenteuerlust, Langeweile und das Streben nach einem westlichen Lebensstil sind ebenso Ursache für die Migration in die Fremde wie Angst vor Hexerei und Hexereivorwürfen. Gleichwohl bietet die Stadt nicht nur Entfaltungsmöglichkeiten oder ‚Asyl’, sondern setzt die Menschen aus dem fernen Norden einem rituell schutzlosen Raum aus. Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich bei der Betrachtung von Migration als Übergang und der Anwendung des Konzeptes von Liminalität auflösen. Der Umgang mit Todesfällen in Accra verdeutlicht den liminalen Status von Migrantinnen und Migranten. Auch ostafrikanische Fallbeispiele (Kampala/Uganda) bestätigen, dass die religionsethnologische Betrachtung von Migration als Übergang neue Perspektiven eröffnet.
09.01. Kredit und Kultur
Dr. Silke Meyer
studierte in Tübingen, Münster und Sheffield die Fächer Volkskunde/Europäische Ethnologie, Kunstgeschichte und Anglistik. Nach dem M.A. in Anglistik war sie von 2000 bis 2002 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Bild und Stereotyp" am Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie in Münster tätig. 2002 promovierte sie in der Volkskunde/Europäischen Ethnologie mit der Arbeit "Ikonographie der Nation. Nationale Stereotype in der englischen Druckgraphik des 18. Jahrhunderts" (Münster: Waxmann, 2003). Im Anschluss lehrte sie German Studies und Kulturwissenschaften als DAAD-Lektorin am German Department der University of Nottingham (GB) und arbeitete als freie Mitarbeiterin für die Pressestelle der Deutschen Botschaft, London. Seit 2004 ist sie Wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie.
Ver- und Überschuldung ist ein aktueller gesellschaftlicher Krisenbegriff mit großer Reichweite und vielfältigen wissenschaftlichen Zuständigkeiten. Individuelle Verschuldung hat neben ökonomischen und soziologischen Erklärungsmustern eine kulturelle Dimension, die von der Volkskunde/Europäischen Ethnologie bislang noch kaum erfasst wurde. Eine kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema kann aber besonders dann Erklärungsmuster liefern, wenn – wie im Moment – der Umgang mit Schulden und Krediten grundlegende Veränderungen erfährt. Solche Veränderungen sind besonders zu beobachten in einem massiven Anstieg an Privatinsolvenzen, die durch Kreditkumulationen von Konsum- und Sofortkrediten verursacht werden. Kurzfristige Geldanleihen werden zur Schuldenfalle, und Kredite mutieren von der ökonomischen Transaktion zu existenziellen kulturellen Erfahrung.
In der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema gilt als eine theoretische Grundannahme das Verständnis von Schulden und Krediten als soziale Tauschaktion. Schulden zeigen mit Marcel Mauss’ Überlegungen zur Gabe einen grundlegenden Wertbegriff des holistischen Verständnisses von Austauschbeziehungen. Das Leihen und Verleihen von Geld bedeutet somit die Etablierung und Bekräftigung von sozialen Beziehungen, die innerhalb einer Gruppe auf gemeinsamen kulturellen Prämissen und Konventionen basieren. Im Sinne von Georg Simmels „Philosophie des Geldes“ ist das Schuldverständnis Teil eines Wertekonsens’ über ein permanentes System der offenen Verpflichtungen. Schulden bedeuten hiermit sozialen Anschluss, die Eingebundenheit des Individuums in ein Sozialsystem bei gleichzeitig steigender Unabhängigkeit des Einzelnen. Kredit kann also im Sinne einer economic anthropology als kulturelle Praktik verstanden werden, und gerade bei der Untersuchung von Persistenz und Veränderung im Kreditwesen bedarf es dieser kulturalistischen Perspektive, um der „cultural embeddedness of economy“ Rechnung zu tragen.
16.01. Inviting the Dead to Feast: Nora long khru in Bang Nai, Songkhla Lake (Thailand)
Dr. Alexander Horstmann
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie, WWU-Münster. Er arbeitet über Kosmologie und Austauschsysteme in multi-konfessionellen Dörfern Südthailands.
In Bang Nai, Khun Wanadi sponsors a full Nora long khru ceremony, the most hallow ceremony among the Nora performances. She does so for fullfilling a vow that she owns to the ancestors for curing her child. In the Nora, the soul (vinyarn) of the ancestors is invited through the body of the medium to meet the next generation (luk-lan), to dance and to feast with them. In the Nora, the ancestor is elevated to the position of first teacher and healer. The big nora master, the musicians, the dancer, all relatives of Wanadi are taking part in the ceremony in which the relations of the living and the dead are renewed and refreshed. I like to show a film on a Nora long khru ceremony and discuss religious coexistence from a perspective of its exchange system.
23.01. `Tief im Herzen von Texas´ - lokale Realität, nationale Politik und mediale Repräsentation
Prof. Dr. Dieter Haller
studierte in Heidelberg und Sevilla und promovierte 1991 zum Thema Homosexualität und Machismo in Andalusien. 1999 habilitierte er in Frankfurt/Oder zum Thema Grenzgesellschaft Gibraltar. Seither hatte er Gastprofessuren in Hamburg, Frankfurt, Granada, New York und Austin inne. Seit 2005 ist er Lehrstuhlinhaber für Sozialanthropologie in Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Weisse USA, Grenzen, Mittelmeer, Korruption, Ethnizität, Fachgeschichte.
Texas ist der einzige Staat der USA, der einmal eine unabhängige Republik war (1836-45). In der Mythologie der USA verkörpert der Texaner jenen Typus, der die Wildnis des Westens der zivilisierten Ostküste, die frei gewählte Einsamkeit den gesellschaftlichen Zwängen vorzieht. Als Idealtypus stellt der Texaner daher in sehr viel zugespitzter Weise die allgemeinen amerikanischen Werte des american creed – individualism, laissez-faire, egalitarism und populism – dar. Man könnte sagen, Texas verkörpert in dieser Mythologie das „wahre Amerika“ am reinsten. Aber um den Charakter dieses „wahren Amerika“ tobt heute ein Kulturkampf über die Aufgaben des Individuums, der Gemeinschaft und der Gesellschaft.
Ich möchte mich in diesem Vortag der Frage zuwenden, inwiefern sich unterschiedliche spezifische Vorstellungen von diesen Aufgaben in der medialen Inszenierung und Repräsentation der Politik spiegeln. Dazu wende ich mich den beiden texanischen US-Präsidenten zu, Lyndon B. Ranch und George W. Bush, sowie deren texanischen Landsitzen. Ich beziehe mich dabei auf Daten einer Feldforschung in Zentraltexas, die ich extensiv von August 2003 bis Dezember 2004, intensiv in den Monaten Januar bis April 2005 zum Thema Repräsentation texanischer Identität durchgeführt habe.
30.01. Islamic discourses in postcolonial Mombasa: reflecting or reforming everyday life?
Dr. Kai Kresse
ist zur Zeit Research Fellow am Zentrum Moderner Orient bis Februar 2008, und (unbefristet) auch Lecturer am Department of Anthropology, University of St Andrews.
Bei diesem Vortrag handelt es sich um den Rohentwurf eines Kapitels für ein Buchprojekt, an dem der Autor zur Zeit arbeitet. Es geht dabei um ein ethnografisches Projekt zum Spannungsverhältnis zwischen islamischen Ideologien und Alltagswelt, welches mit Hilfe von Fallstudien und unter Berücksichtigung lokaler historischer Transformationen verfolgt wird. Lokale Spezifika der swahilisprachigen islamischen Diskurse und Praktiken, aber auch deren translokale Anbindungen (an die muslimische Welt, den indischen Ozean, Afrika) spielen hierbei eine Rolle. Neben Diskursen und Situationen aus der alltäglichen Lebenswelt werden insbesondere lokal vertriebene Pamphlete und auf Kassetten zirkulierende Reden als gängige Genres der Verbreitung islamischer Ideologien untersucht. Beide werden mit Bezug auf innere Dynamik der muslimischen Gemeinschaft im postkolonialen Kenya dargestellt, und mit lokalen Debatten unter Muslimen und zwischen muslimischen Gruppen in Verbindung gebracht. Weitere Anbindungspunkte des Gesamtprojektes sind neuere Studien zum postkolonialen Afrika und zum vergleichenden Studium muslimischer Gesellschaften.
06.02. `Ritualised sovereignty in Nothern Halmahera´: historical transformations (1850-1980)
Prof. Dr. Jos D. M. Platenkamp
ist seit 1993 Professor für Ethnologie am IfE der WWU. Er forscht seit 1997 bei den Lao von Luang Prabang Town in Laos und interessiert sich besonders für ihre sozio-politische und kosmologische Ordnung.
How is the 'body politic' represented in North Halmahera and what role do ritual actions play in its articulation? To answer these questions in reference only to the political institutions of the Republik Indonesia and its national ceremonies performed at regional and local levels would ignore the complexity of the local systems of social and cosmological representations and their historical and contemporary developments.
In the wake of the general administrative decentralisation and the ensuing re-emergence of 'traditional' local polities - whether or not of merely 'symbolic' significance is a moot point - also the sultanate of Ternate has been reanimated. Once part of the Maluku Kie Raha that encompassed the sultanates of Tidore, Jailolo and Bacan, Ternate had established political institutions among North Halmaheran societies, which partly transformed indigenous representations of sovereignty and cosmologically defined forms of authority. In these transformed modalities the representations persisted through the ensuing periods of increased Dutch colonial - political and missionary - intervention and Indonesian republican rule.
As a result, not only do these representations still largely inform the social identity of the domains (soa, hoana) constituting the local societies, they also structure the ritually enacted processes of transfer along relations of kinship, affinity and 'strangeness', which effectuate the reproduction of their social order as part of a socio-cosmic whole. Of particular significance is the fact, that representations of Ternate's sovereignty over the realm - in conjunction with those of autochthonous fertility - valorise in kind and amount the monetary objects of transfer as monnaie souveraine, that is, as representations of the overall social, political and cosmological identity of the societies concerned.
I intend to discuss the ritual articulation of these representations by analysing the historical processes of transformation during the last hundred years, which have resulted in their current forms and significance.
Antrittsvorlesung am 03.07.2006, 11.00 Uhr c.t., Studiobühne, Domplatz 23
Dr. Roland Hardenberg
Berlin
spricht zum Thema
"Der vergleichende Ansatz in der Ethnologie:
Möglichkeiten und Grenzen"
Vortrag am 28.06.2006, 18.00 Uhr, Institut für Ethnologie, Seminarraum, 1. Stock
Dr Martin Großheim
Berlin
spricht zum Thema
"Vergangenheitsbewältigung auf Vietnamesisch -
zur aktuellen Diskussion über den Vietnamkrieg"
Vortrag am 29.5.2006, 18.00 Uhr, Fürstenberghaus, Hörsaal F1
Dr. Wolf Donner
Köln
spricht zum Thema
"Spaziergänge in Thailand: Räumliche Aspekte eines Tropenlandes"
Vortrag am 27.4.2006, 15h ct, Institut für Ethnologie
Prof. Dr. Wolfgang Marschall
Institut für Sozialanthropologie
Universität Bern
spricht zum Thema
"Katastrophenhilfe und Aufbauarbeit in Aceh nach Tsunami und Erdbeben.
Erfahrungen und Bewertungen eines Ethnologen"
Terminänderung: Vortrag am 25.1.2005, 15h ct, Institut für Ethnologie
Dr. Stephen Headley
L´École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris
spricht zum Thema
"Durga´s Mosque in central Java: raising the heavens in a society without state."
Vortrag am 23.11.2005, 10h ct, Institut für Ethnologie
Prof. Dr. med. Joachim Gardemann
Professor für Oecotrophologie
an der FH Münster
spricht zum Thema
Kulturelle Sensibilität bei der humanitären Hilfe
Vortrag am 10.11.2005, 13h ct, Institut für Ethnologie
Professor Aroonrut Wichienkeeo
Chiang Mai Rajabhat University, Thailand
spricht zum Thema
The state of the research on the history and culture of Lan Na (Northern Thailand)
Vortrag am 27.10.2005, 16h ct, Institut für Ethnologie
PD Dr. Hans-Peter Hahn
Vertretungsprofessor an der Lehreinheit Ethnologie der Universität Bayreuth
spricht zum Thema
„Konsum in Afrika –
Fallstudien aus Burkina Faso”
Vortrag am 26.10.2005, 10h ct, Institut für Ethnologie
Dr. Timo Kaartinen
(Department of Social and Cultural Anthropology, University of Helsinki)
spricht zum Thema
In Banda Eli, a village in the Kei Islands of Eastern Indonesia, diverse perceptions of the past find expression in sung poetry, which frames the singer’s relationship to faraway persons and places as pleading remembrance. The appeal to relatedness and obligation beyond the world of consociates raises important questions about absence and the foreign in the ontological views prevailing in this society. What is the significance of ongoing external relations for constituting society as a historical entity? Do the apparently cosmopolitan practices of trade and diaspora justify calling Banda Eli a “local society”?
In answering these questions, the paper describes categories in terms of which villagers draw a boundary between the reciprocity and affinity of village-born people, on the one hand, and the temporally and spatially removed domains of ancestral past and the foreign, on the other. It is argued that the boundary ultimately marks out different spheres of value rather than spatial and social domains. As Barraud & al. have suggested, conscious awareness of values which constitute society points to an implicit acceptance of a wider social universe. In Banda Eli, such awareness motivates the attempt to give concrete expression to abstract values, and thus to incorporate aspects of the foreign in the village.
With a focus on narratives and folk poetry, the paper explores how
retrospectively constructed past events are connected to historical
representations. One mode of this relationship is the encompassment of
familiar by foreign – the emphasis on the diverse mythical origin of
ancestral groups and valuable objects over the personalities and
relationships among villagers. The songs, however, apprehend foreign
lands in terms of the intimate and familiar. In this sense, memory and
history represent two “levels” of value within an ideology, which
defines society as a global entity.
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