Institut für Christliche Sozialwissenschaften,
Hüfferstr.27, 48149 Münster

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Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster

Die Errichtung der ersten Professur für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Münster

Die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts stellte für die Katholische Kirche eine große Herausforderung dar. Zunächst versuchte man, mit den traditionellen Mitteln der Caritas den sozialen Problemen in der Praxis Herr zu werden. Daneben wurden in der Theorie Modelle einer erneuerten Ständegesellschaft entwickelt. Nach einem langen Ringen um den richtigen Weg zur Bewältigung der Sozialen Frage stellten sich die Vertreter der neu entstandenen katholischen Sozialbewegung auf den Boden der marktwirtschaftlichen Ordnung, um diese auf dem Weg staatlicher Sozialpolitik und gesellschaftlicher sowie genossenschaftlicher Selbsthilfe menschenwürdig zu gestalten. Auf den Katholikentagen wurde der eigenständige Charakter der sozialen Frage durch die Einrichtung eines eigenen Ausschusses 1896 hervorgehoben. Dieser trat neben den Caritas-Ausschuss, der diese Thematik bis dahin mitbehandelt hatte. Durch die Sozialenzyklika Leos XIII., "Rerum Novarum" von 1891, erhielt die Position einer zwar liberalismuskritischen, aber doch grundsätzlichen Bejahung der marktwirtschaftlichen Ordnung großen Auftrieb.

Die Herausforderung der Sozialen Frage schlug sich auch in der Theologie nieder, indem z.B. wissenschaftliche Wettbewerbe zu sozialethischen Themen veranstaltet wurden. Eine eigene Fachsparte vermochte sie jedoch noch nicht zu begründen. Fragen des gesellschaftlichen Lebens wurden vielmehr in der Theologie, bis dahin vorwiegend von Moraltheologen, mitbehandelt. Nachdem bereits seit 1885 in Münster Lehrveranstaltungen zu sozialen Fragen angeboten worden waren, wurde 1893 dort erstmals eine eigenständige Professur eingerichtet, die bis 1920 die einzige in Deutschland bleiben sollte. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges entstand nur noch in Bonn ein weiterer Lehrstuhl für diese neue Fachrichtung.

Erst in den Fünfziger Jahren wurden an den meisten theologischen Fakultäten entsprechende Professuren eingerichtet.

Äußerer Anlass für die Errichtung des Extraordinariats für "Christliche Gesellschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung der praktischen Seelsorge" war das Freiwerden der einzigen staatswissenschaftlichen (nationalökonomischen) Professur der philosophischen Fakultät der damaligen Akademie Münster, der damals einzigen Fakultät neben der theologischen, deren volkswirtschaftliche Vorlesungen nur einen geringen Hörerkreis gefunden hatten.

Der Dekan der damals schon größten deutschen theologischen Fakultät, der Neutestamentler Aloys Schäfer, beantragte die Besetzung der Professur mit einem Gelehrten, der den Studenten der katholischen Fakultät Kenntnisse der Soziallehre vermitteln sollte. Die staatlichen Stellen waren an der Errichtung einer solchen Professur deshalb interessiert, weil selbst in katholischen Gegenden Einflüsse der Sozialdemokratie spürbar waren. Solchen Bestrebungen sollte Hitze entgegenwirken. Am 13. Juni 1893 wurde Franz Hitze (1851-1921) zum außerordentlichen Professor ernannt und am 2. Juli zugewiesen. Er erhielt ein freigewordenes Extraordinaritat der theologischen Fakultät aus dem Bereich der biblischen Theologie und nicht das staatswissenschaftliche Extraordinariat der philosophischen Fakultät. Letzteres konnte von der philosophischen Fakultät wiederbesetzt werden.

Die Professoren

Franz Hitze (1893-1920)

Franz Hitze wurde am 16.3.1851 in Hanemike/Olpe im Sauerland geboren. Nach dem Theologiestudium in Würzburg und der Priesterweihe (1878) wurde er 1880 Generalsekretär des Verbandes "Arbeiterwohl" in Mönchengladbach, einem Zusammenschluss katholischer Fabrikanten, Intellektueller und Geistlicher. Von 1882-93 und 1898-1912 gehörte er dem Deutschen Reichstag und 1919 der Deutschen Nationalversammlung an. 1893 wurde Hitze zum außerordentlichen Professor in Münster ernannt. 1920 emeritiert, starb er am 20.7.1921 in Bad Nauheim.

In seinen Jugendschriften "Die soziale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung" (1877), "Quintessenz der sozialen Frage" (1880) und "Kapital und Arbeit und die Reorganisation der Gesellschaft" (1880) hatte sich Hitze für eine grundlegende Sozialreform ausgesprochen. Die Tätigkeit im Verband "Arbeiterwohl" und seine praktische Erfahrung aus der Arbeit im deutschen Reichstag veranlassten Hitze, sich von der Vogelsang'schen Richtung einer 'sozialromantischen' Pauschalverwerfung der modernen Industriegesellschaft abzuwenden und den Weg hin zur Sozialpolitik innerhalb der bestehenden gesellschaftspolitischen Strukturen zu beschreiten.

Die Schriften während seiner Lehrtätigkeit in Münster befassen sich fast ausschließlich mit (z. T. sehr speziellen) Fragen der Sozialpolitik. Themen waren sowohl die Arbeiterschutzpolitik als auch die Sozialversicherung sowie die Probleme anderer von der Industrialisierung betroffener Bevölkerungsgruppen, vor allem in der Landwirtschaft.

In seinen Vorlesungen nach 1893 behandelte Hitze schwerpunktmäßig Themen, die um die Arbeit kreisen (Arbeiterfrage, Arbeiterversicherung, Arbeitervereine etc.). Daneben behandelte er die Agrarfrage, Genossenschaftswesen, Darstellung und Kritik des Sozialismus, die Sozialenzyklika Leos XIII., Probleme staatlicher und kirchlicher Armenpflege, die Frauenfrage und die Lehre vom Staat. Später wandelte sich der Inhalt seiner Lehrveranstaltungen zu aktuellen, zeitbezogenen Themen. Im Wintersemester 1918/19 las er über "Die Soziallehren und der Krieg" und 1919 "Die Katholiken im neuen Deutschland".

Katholische-Soziale Akademie Franz Hitze Haus: http://www.kath.de/akademie/fhh

Heinrich Weber (1922-1946)

Dr. rer. pol. Dr. theol. Heinrich Weber wurde 1888 in Röllinghausen geboren und 1912 zum Priester geweiht. Neben dem Theologiestudium absolvierte er ein Studium der Volkswirtschaft und wurde 1921 in diesem Fach habilitiert. Er trat 1922 die Nachfolge von Franz Hitze auf dem Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster an. Seine Professur, deren genaue Bezeichnung "Wirtschaftliche Staatswissenschaften, Gesellschaftslehre und Fürsorgewesen" lautete, war von 1922-1933 in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt; dann wurde sie der Katholisch-Theologischen Fakultät zugeordnet.

Gemeinsam mit Prof. Bruck leitete er bis 1933 das Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1935 wurde Weber vom nationalsozialistischen Regime an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Breslau strafversetzt und erhielt dort den Lehrstuhl für Caritaswissenschaft. In Breslau baute er das "Bischöfliche Institut für kirchliche Verwaltung und Finanzwirtschaft" auf.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er an die Universität Münster zurück und wurde zunächst irrtümlich der Katholisch-Theologischen Fakultät zugeordnet, kurz darauf jedoch wieder der Rechts- und Staatwissenschaftlichen Fakultät, um so seine Rechtsposition vor den Zwangsmaßnahmen des nationalsozialistischen Regimes wiederherzustellen. 1946 begründete er die Sozialforschungsstelle an der Universität Münster mit Sitz in Dortmund und wurde ihr erster Direktor.

Weber war gleichzeitig Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Münster (bis 1936) und hatte wichtige Funktionen beim Deutschen Caritasverband bis zu seinem Tod 1946 inne.

Den Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Heinrich Webers kann man dem Bereich der Sozialpolitik, der Sozialfürsorge und der Betriebwirtschaftslehre caritativer Einrichtungen, aus kirchlicher Sicht vor allem der Caritaswissenschaft zuschreiben. Zusammen mit Peter Tischleder entstand 1930 eine "Einführung in die Sozialwissenschaften" und 1931 als erster Teil des "Handbuches der Sozialethik" eine über 500 Seiten lange Schrift über Wirtschaftsethik.

Peter Tischleder – ein zweiter Münsteraner Sozialethiker zwischen 1923-1944

Peter Tischleder (1891-1947) habilitierte sich 1922 in Münster für Moraltheologie und Sozialethik und war dort bis 1929 Privatdozent, seit 1929 außerordentlicher Professor und übernahm 1931 den moraltheologischen Lehrstuhl von Mausbach. Neben moraltheologischen Themen bot Tischleder auch sozialethische Veranstaltungen an. Diese waren der systematischen Sektion zugeordnet und behandelten aktuelle sozialethische Fragen, wie die Wertung der Reichsverfassung von 1919 etc.

Bei Mausbach und Tischleder promovierten in dieser Zeit eine Reihe von Sozialethikern, z. T. mit moraltheologischen Themen. So promovierte Oswald v. Nell-Breuning SJ, der spätere "Nestor der katholischen Soziallehre", 1929 bei Mausbach über "Grundzüge der Börsenmoral".

Nach der Zwangsversetzung Webers erhielt Tischleder 1936 einen Lehrauftrag für christliche Sozialethik. Seine Vorlesungen setzten sich mit sozialethischen Themen wie "Grundfragen der katholischen Soziallehre", "Sittliche Ordnung des gesellschaftlichen Lebens" u.ä. auseinander.

1946 wechselte Tischleder auf Wunsch seines Heimatbischofs in seine Heimatdiözese nach Mainz, wo er an der neu eingerichteten Fakultät eine Professur für Moraltheologie und Soziallehre übernahm. Kurz darauf verstarb er am 24.5.1947.

Sein wissenschaftliches Werk war in sozialethischer Hinsicht vor allem durch seine Werke über die Staatsgewalt geprägt. Tischleder vertrat die (zu Beginn der Weimarer Republik im deutschen Katholizismus heftig umstrittene) These, dass das Volk von Gott her ursprünglicher Träger der Staatsgewalt ist und diese nur auf monarchische und andere Herrscher 'delegiert', Monarchen daher nicht unmittelbar von Gott eingesetzte ('designierte') Herrscher sind.

Joseph Höffner (1951-1962) – Gründer des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften

Joseph Höffner wurde am 24.12.1906 in Horhausen/Westerwald geboren und studierte von 1926-34 an der Gregoriana in Rom, wo er 1929 den Dr. phil u. 1934 den Dr. theol. erwarb. Nach kurzer Tätigkeit in der Seelsorge studierte er von 1937-1939 Volkswirtschaftslehre in Freiburg, wo er 1938 den Dr. theol. erneut erwarb, 1939 ein Diplom in Volkswirtschaftslehre ablegte und 1940 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Im Anschluß an seine Habilitation wurde er 1945 zum Professor für Pastoraltheologie und christliche Soziallehre am Priesterseminar in Freiburg, später an der Theologischen Fakultät Trier berufen. Vom 1.8.1951 bis 1962 war er Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster. Höffner erreichte 1951 die Gründung des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften, dessen Leitung er als erster Direktor übernahm.

Am 14.9.1962 wurde er in Münster zum Bischof geweiht. Nachdem er 1968 zum Koadjutor des Erzbischofs von Köln ernannt worden war, leitete er die Erzdiözese von 1969 bis 1987. 1969 wurde Höffner zum Kardinal ernannt und wirkte als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 1976-1987. Er starb am 16.10.1987 in Köln.

In seinen Dissertationen und in seiner Habilitationsschrift befasste sich Höffner in erster Linie mit historischen Themen, was während der Zeit des Nationalsozialismus unverdächtig war. Seine Habilitationsschrift widmete er dem Thema "Christentum und Menschenwürde. Das Anliegen der spanischen Kolonialethik im Goldenen Zeitalter" (1947). Die Beschäftigung mit der spanischen Spätscholastik hat Höffners wissenschaftliche Konzeption nachhaltig geprägt.

Nach seiner Ernennung zum Professor für Christliche Sozialwissenschaften in Münster war sein Werk deutlich durch aktuelle wirtschaftspolitische, vor allem aber auch sozialpolitische Fragestellungen geprägt. Seine Arbeit wurde stark dadurch beeinflußt, daß er als geistlicher Beirat des Bundes Katholischer Unternehmer und wissenschaftlicher Politikberater auf dem Gebiet der Sozialpolitik in den wiss. Beiräten bei verschiedenen Bundesministerien tätig war (u.a. Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung).

Durch die Gründung des ICS ergab sich erstmals seit Bestehen des Lehrstuhls die Möglichkeit, wissenschaftlichen Nachwuchs in größerer Zahl heranzubilden. Höffner hat während seiner Zeit als Institutsdirektor zehn wirtschafts- und sozialwissenschaftliche und fünf theologische Dissertationen betreut.

Die Breitenwirkung des Instituts wurde dadurch gefördert, dass Höffner seit 1955 eine eigene Schriftenreihe ("Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften") herausgab und 1960 das "Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften" begründete. Die Forschungsarbeit des Instituts wurde durch den Aufbau einer umfangreichen Institutsbibliothek gefördert.

Die Lehrveranstaltungen Höffners wurden in der Systematischen Sektion geführt. Der Kreis der Hörer von Höffners Vorlesungen und Seminaren ging weit über Theologie- und Volkswirtschaftsstudenten hinaus. Um seinen Hörern aus allen Fakultäten die Möglichkeit zu geben, ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Katholischen Soziallehre nachzuweisen, wurde ein eigenes "Diplom für Christliche Sozialwissenschaften" geschaffen und vom Kultusminister 1960 genehmigt. Ein entsprechender Abschluß wurde von mehr als 100 Studierenden erworben.

Der Lehrstuhl blieb nach der Ernennung Höffners zum Bischof von Münster von 1962-64 vakant. Die Lehrveranstaltungen wurden von verschiedenen Gastdozenten durchgeführt. Kommissarischer Leiter des ICS wurde der Moraltheologe Wilhelm Heinen.

Wilhelm Weber (1964-1983)

Im Wintersemester 1964/65 konnte der Lehrstuhl und die Position des Institutsdirektors mit Wilhelm Weber, einem Schüler von Gundlach und Höffner, wieder besetzt werden.

Wilhelm Weber wurde am 12.12.1925 in Meggen/Westfalen geboren. Er studierte Katholische Theologie in Paderborn und in Rom und war von 1955-63 als wissenschaftlicher Assistent bei Josef Höffner am Institut für Christliche Sozialethik tätig. 1957 promovierte er zum Dr. theol. und schloß seine volkswirtschaftlichen Studien 1961 ebenfalls mit der Promotion ab. Im Anschluß an seine Habilitation wurde er 1964 zum Professor für Christliche Sozialwissenschaften und Direktor des ICS in Münster ernannt. Weber lehrte wie sein Vorgänger ebenfalls im Rahmen eines Lehrauftrages für "Wirtschaftsethik" an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen und später an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Weber trat auch als geistlicher Beirat des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in die Fußstapfen seines Vorgängers. Während des Konzils war er Berater seines Essener Bischofs bei der Erarbeitung der Konzilserklärung "Gaudium et spes". Er starb schließlich am 4.10.1983 in Münster.

Auf Anregung seines Doktorvaters Höffner hat sich Weber in seinen beiden Dissertationen mit der Wirtschaftslehre und der Wirtschaftsethik der spanischen Spätscholastiker, insbesondere Molinas befaßt. Seine Habilitationsschrift ist ethischen Fragen der Geldwertstabilität gewidmet. Neben wirtschaftsethischen Fragen, vor allem der Rolle des Unternehmers in der Marktwirtschaft sowie Eigentum und Mitbestimmung, stand seit Anfang der 70er Jahre die Auseinandersetzung mit dem Sozialismus im Zusammenhang der "Theologie der Befreiung" im Vordergrund.

Unter Weber verlagerte sich der Schwerpunkt der Promotionen von der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen auf die theologische Ebene.

Die Lehrstuhlvakanz (1983-87)

Nach dem frühen Tod Webers ergab sich wiederum eine längere Lehrstuhlvakanz. Nach Lehrstuhlvertretungen durch Privatdozent Dr. Lothar Schneider und Prof. Idelfons Vanderheijden konnte im Sommersemester 1987 der Lehrstuhl nach 3 1/2 Jahren wiederbesetzt werden; und zwar mit dem Schweizer Moraltheologen und Sozialethiker Franz Furger.

Franz Furger (1987-1997)

Franz Furger wurde am 22.02.1935 in Bern geboren. Er studierte zunächst in Löwen/Belgien Philosophie und Theologie und anschließend wie seine beiden Vorgänger an der Gregoriana in Rom. Dort promovierte er 1958 zum Dr. phil. und 1964 zum Dr. theol. Von 1967 bis 1987 war Franz Furger Professor für Philosophische Ethik und Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Luzern, wo er das dortige sozialethische Institut gründete. Furger hat sich als nebenamtlicher Militärgeistlicher vor allem mit ethischen Fragen der Friedenssicherung und in interdisziplinären Arbeitsgruppen der Schweizer Akademie der Medizinischen Wissenschaften mit ethischen Problemen der Naturwissenschaften (Tierversuche, Gentechnologie) beschäftigt. Er war geistlicher Beirat der Schweizerischen Vereinigung christlicher Unternehmer (VCU) und als Präsident der Theologischen Kommission des "Fastenopfers der Schweizer Katholiken" mit der Dritten-Welt-Problematik befasst.

Die Lehrveranstaltungen Furgers, die der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung entsprechend neben den wirtschaftsethischen Problemen vermehrt auch andere sozialethische Fragen (vor allem aus der Bio- und Ökoproblematik, der Forschung und ihrer Grenzen sowie aus dem internationalen und interkulturellen Bezugsfeld) einbezogen, wurden wieder der Systematischen Sektion zugeordnet.

Daneben wurden durch Franz Furger wieder die traditionellen Beziehungen zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät aufgenommen. Ebenso verstärkte er die Außenbeziehungen des ICS zu den verschiedensten Vereinigungen, zu einschlägigen Kommissionen und zu den Bischofskonferenzen. Darüber hinaus war er als Mitglied und Beirat in verschiedenen Gremien tätig.

Am 5. Februar 1997 verstarb Franz Furger plötzlich und unerwartet in Münster.

Lehrstuhlvakanz (1997-1998)

Seit dem viel zu frühen Tode von Franz Furger war der Lehrstuhl bis zum Herbst 1998 wieder vakant. Kommissarischer Direktor des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften war in dieser Zeit Prof. Dr. Dr. Antonio Autiero, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster. Die Vorlesungen wurden von Professor DDr. Karl Gabriel, Professor an der Katholischen Fachhochschule Vechta , übernommen.

Prof. Dr. Dr. Karl Gabriel (seit 1998)

Zum Wintersemester 1998/99 wurde Prof. Dr. Dr. Karl Gabriel dann auch zum Direktor des Instituts berufen.

Karl Gabriel (geboren am 18.09.1943 in Reitendorf/Süd) promovierte an der Soziologischen Fakultät der Universität Bielefeld und lehrte nach der theologischen Habilitation (1974) in Würzburg (1992) Soziologie, Pastoralsoziologie und Caritaswissenschaften an der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland Osnabrück-Vechta.

Gabriel ist der erste 'Laie', der zum Direktor des ICS berufen wurde.


Zur Person: Seite des Direktors


Das Institut für Christliche Sozialwissenschaften im Hüfferstift

Seit 1987 befindet sich das Institut für Christliche Sozialwissenschaften, vormals beheimatet in der Pferdegasse, in den Räumen des Hüfferstifts in der Hüfferstraße 27 in Münster. Die großzügige Fassade und die hohen Räume des Gebäudes erinnern den Betrachter zu Recht an ein Krankenhausgebäude, denn bis 1984 beheimatete das Haus eine Orthopädische Klinik.

Am 1. April 1889 wurde die Hüfferstiftung als Orthopädische Heilanstalt gegründet. Damit begann die klinische Orthopädie ihren Weg in Münster. An der Gründung waren vor allem drei Persönlichkeiten beteiligt: Wilhelm Hüffer (1821-1895), der als Großkaufmann in Rom lebte, sein älterer Bruder Eduard Hüffer, damals Inhaber der Verlagsbuchhandlung und der Orthopäde Dr. Christoph Temmink (1827-1910).

Die orthopädische Klinik befand sich zunächst in einem Haus an der Bergstraße/Tibusstraße, schon bald reichte die Bettenkapazität jedoch nicht mehr aus und ein Neubau auf einem neuerworbenen Grundstück an der ehemaligen Fürstenstraße, jetzt Hüfferstraße, wurde geplant.

1903 wurde der Neubau, entworfen von dem Architekten Alexander Cazin, eröffnet. Die Hüfferstiftung war damals ein städtisches Krankenhaus mit Belegabteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und andere medizinische Fächer. 1938 wurde sie mit der Orthopädischen Abteilung der Chirurgischen Universitätsklinik zusammengelegt. Nachdem sich die Orthopädische Klinik zu einem der wichtigsten Zentren für Orthopädie in Deutschland entwickelte und entsprechend vergrößerte, wurde nach jahrelanger Vorbereitung 1984 der Umzug der Klinik in das neugebaute Zentralklinikum an der Albert-Schweizer-Straße durchgeführt.

Nach verschiedenen Umbauten zogen in das Gebäude der Hüfferstiftung mehre Institute und Seminare der Universität und die Fachhochschule für Sozialwesen ein. Aufgrund der unzureichenden Raumkapazität des Gebäudes der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Johannisstraße wurden in den folgenden Jahren einige Seminare und Institute in das Hüfferstift verlagert und 1997 in der ehemaligen Krankenhauskapelle eine gemeinsame Bibliothek der theologischen Seminare eröffnet.

Die Bibliothek bietet den Benutzern in einem architektonisch sehr ansprechenden Ambiente zahlreiche Computerarbeitsplätze und mehr als 140000 theologische Monographien, Sammelbände und Zeitschriften. Das Institut für Christliche Sozialwissenschaften ist in der Bibliothek mit ca. 45000 Titeln vertreten.

Autorin: Ulrike Kostka
Bearbeitung und Aktualisierung: Dr. Hermann-Josef Große Kracht


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