Institut
für Christliche Sozialwissenschaften,
|
|
Navigation: |
Herzlich willkommen!Stand: 06.12.04 Wir übernehmen für institutsfremde Links keine Verantwortung. |
|
Profil und Schwerpunkte des Instituts für Christliche SozialwissenschaftenMit der Errichtung des Lehrstuhls für Christliche Sozialwissenschaften am Ende des letzten Jahrhunderts war die Zielsetzung verbunden, Franz Hitze, dem Experten der Sozial- und Arbeitspolitik die Möglichkeit zu geben, von einer akademischen Plattform aus seine Ideen zur praktischen Sozialpolitik und zur Gestaltung der Arbeitswelt weiterzuverfolgen. Gestaltungsfragen der modernen Arbeitsgesellschaft und Arbeitswelt gehören deshalb von Anfang an zu den Schwerpunkten von Lehrstuhl und Institut. Unter Heinrich Weber, dem Nachfolger Hitzes, trat die theoretische Durchdringung sozial-caritativer Fragen und des caritativen Engagements der Kirche ins Zentrum der Aufgabenstellungen des Lehrstuhls. Heinrich Weber kann als einer der Gründerväter der Caritaswissenschaft in Deutschland gelten. Von Weber her macht die Caritaswissenschaft einen Teil der Christlichen Sozialwissenschaften im Verständnis und in der Tradition des Lehrstuhls in Münster aus. Joseph Höffner hat Lehrstuhl und Institut zu einem wichtigen Zentrum der sozialwissenschaftlichen und sozialpolitischen Forschung in der Phase zentraler sozialpolitischer Weichenstellungen in der Bundesrepublik gemacht. Unter seinen Nachfolgern Wilhelm Weber und Franz Furger traten Fragen der Nord-Süd-Spaltung der Welt und der internationalen Solidarität stärker in den Fordergrund. In Fortsetzung der Tradition des Instituts und mit Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen und Entwicklungen der wissenschaftlichen Diskussion sollen in den kommenden Jahren folgende Schwerpunkte in Lehre und Forschung bearbeitet werden. 1. Globale Modernisierung und ihre Konsequenzen für christlichen Glauben und Christliche SozialethikWie keine andere gesellschaftliche Entwicklung wird in den kommenden Jahren der globale Modernisierungsprozeß mit seinen Dimensionen der Entstehung einer weltweiten Gleichzeitigkeit, der Internationalisierung und Transnationalisierung die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort wie im weltweiten Zusammenhang beeinflussen. In einer doppelten, miteinander verschränkten Zielrichtung sollen am Institut Fragen der Globalisierung aufgegriffen werden: Zum einen geht es um die Analyse der Globalisierungsprozesse und ihrer ambivalenten Folgen (Mediale Globalkultur; zunehmende Exklusion aus der Weltgesellschaft; internationale Verschuldung; Gefährdung des sozialstaatlichen Ausgleichs; lokale bzw. fündamentalistische Gegenbewegungen; Migration und Multikulturalität). Im zweiten Brennpunkt des Arbeitssschwerpunkts soll das seit dem 2. Vatikanum forcierte Bemühen des christlichen Glaubens stehen, die Grenzen der abendländischen Hochkultur zu überschreiten und sich in den Dimensionen der neu entstehenden Globalkultur auszulegen. Das Hauptgewicht soll dabei auf Fragen einer universellen Solidarität und ihrer Möglichkeitsbedingungen liegen. 2. Religiöse Entwicklung und Sozialkultur in DeutschlandFragen des Zusammenhangs von Religion und Sozialkultur haben in den letzten Jahren eine hohe Bedeutung erhalten. Vor diesem Hintergrund werden am Institut Forschungsfragen zur Entwicklung von Religion und Christentum in den modernen, entwickelten Gesellschaften des Westens, insbesondere Deutschlands und seiner europäischen Nachbarn, bearbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang des Wandels der religiösen Landschaft in Deutschland und Europa mit der Entwicklung der Sozial- bzw. Wohlfahrtskultur. Im Unterschied etwa zu den USA ist das Thema Religion und Sozialkultur in Deutschland bisher ohne eine größere Forschungsresonanz geblieben. In diese Lücke will das Institut in den kommenden Jahren im Rahmen entsprechender Forschungsprojekte eintreten. 3. Katholizismus, katholische Sozialbewegung und katholische Soziallehre im Umbruch der IndustriegesellschaftZur Tradition von Lehrstuhl und Institut gehörte es von Anfang an, die katholische Sozial-bewegung theologisch und sozialwissenschaftlich zu begleiten. Der Rahmen für diese Bemühungen bildete die moderne Industriegesellschaft, auf deren Grundlagen sich Franz Hitze und seine Nachfolger bewußter und entschiedener als andere gestellt hatten. Heute befindet sich diese - um die Institution der Erwerbsarbeit herum gebildete - Industriegesellschaft in einem tiefgreifenden Umbruch, so dass nicht wenige vom Ende der Industriegesellschaft sprechen. Es wird deshalb zu einer dringenden Frage, wie im Umbruch der Industriegesellschaft die Traditionen von Sozialkatholizismus, christlich-sozialer Bewegung und Soziallehre in ihrem Verhältnis zur sozialen und politischen Praxis fortgesetzt werden können. Hier ist auch die Nähe und Zusammenarbeit mit jenen Institutionen zu suchen, die sich heute in der Tradition der Praxis des Sozialkatholizismus sehen und an seiner Weiterentwicklung arbeiten. 4. Moderne Gesellschafstheorie und christliche Gesellschaftsethik: ein DialogprogrammDas Fach Christliche Sozialwissenschaften wird seine eigenständige Existenzberechtigung in der Zukunft nur dann behaupten können, wenn es zum Zentrum des Dialogs zwischen Theologie und Sozialwissenschaften insgesamt wie der Gesellschaftstheorie im besonderen wird. Ohne Anschlussfähigkeit an die neuere gesellschaftstheoretische Diskussion und ihre Entwürfe kann heute eine christliche Sozialethik nicht mehr entwickelt werden. In den letzten Jahren haben eine Reihe von Vertreter des Faches in Deutschland den Anschluss an die gesellschaftstheoretische Diskussion in Soziologie und Ökonomie gesucht und hergestellt. Das Institut will auch in den kommmenden Jahren als Forum dienen, den Dialog zwischen Gesellschaftstheorie und christlicher Sozialethik fortzusetzen, zu systematisieren und zu intensivieren. |