Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

Regionalgruppe Westfalen-Lippe e.V.


Termine Sommersemester 2012

 

Dienstag 24.04.2012


Herr Dr. med. Robin Köck, Universitätsklinikum Münster, Institut für Hygiene & Institut für Medizinische Mikrobiologie

Thema:

Antibiotikatherapie bei nosokomialen Infektionen in Zeiten von Multiresistenten Erregern (MRE)



Bei behandlungs-assoziierten, nosokomialen Infektionen in deutschen Krankenhäusern, aber auch bei ambulant erworbenen Infektionen in der Allgemeinbevölkerung hat in den letzten Jahren die Zahl der Nachweise von Erregern mit besonderen Antibiotikaresistenzen und Multiresistenzen (MRE) zugenommen. Dabei sind zum Beispiel Infektionen durch Extended-Spektrum Betalactamase (ESBL) bildende Enterobakterien, Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Carbapenem-resistente Pseudomonas aeruginosa oder Vancomycin-resistente Enterokokken zu nennen. Die Zunahme dieser MRE hat weitreichende Konsequenzen:
1.) im ambulanten Bereich entsteht durch die zunehmenden Resistenzen eine Verknappung der wirksamen oral zu applizierenden Antibiotikaoptionen
2.) im stationären Bereich sind „kalkulierte“ Therapieregime (d.h. ohne Kenntnis des Erregers angesetzte Antibiosen z.B. bei akut schwerkranken Patienten) zunehmend unsicher wirksam, wenn sich MRE verbreiten; bzw. es müssen dann immer „breiter“ wirksame Antibiotika eingesetzt werden. Gleichzeitig hat dies zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine „kalkulierte“ Antibiotikatherapie unwirksam ist, steigt. Dies führt bei schwerkranken Patienten zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Therapieverzögerung.
3.) die Zunahme von nosokomialen Infektionen durch MRE führt im stationären Bereich zu höheren Kosten durch verlängerte Liegezeiten und erhöhte Tages-Therapiekosten.
Da nur wenige neue Antibiotika in der Pipeline sind, die auch gegen die MRE einsetzbar sein werden, wird die Bedeutung des rationalen Umgangs mit den verfügbaren Antibiotika zunehmen. Dies hat wichtige Konsequenzen für klinisch tätige Apotheker und Ärzte, in deren Arbeitsalltag die Surveillance des Antibiotikagebrauchs, die Prävention des Antibiotika-Missbrauchs und die klinische Beratung beim Auftreten von MRE-Infektionen eine zunehmend wichtige Rolle einnehmen wird. In diesem Vortrag werden die wichtigsten Aspekte zur aktuellen Verbreitung von MRE, zu deren Prävention und zu Therapiealternativen dargestellt.


Donnerstag 24.05.2012


Herr Dr. Rainer Scheer, ABNOBA GmbH, Niefern-Öschelbronn

Thema:

Die Mistel: Zur Herstellung von Injektionsarzneimitteln aus dieser Pflanze und deren Anwendung zur Behandlung von Tumorerkrankungen

Die Mistel gehört zu den am besten untersuchten Arzneipflanzen. In der Onkologie werden
Injektionsarzneimittel aus dieser Pflanze verwendet. Diese Anwendung geht auf Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, zurück. Sie ist seit langem nicht nur auf die anthroposophische
Therapierichtung beschränkt. Mistelpräparate gehören in Deutschland mittlerweile zu den am meisten
verordneten Arzneimitteln in der Krebsmedizin, sowohl für adjuvante als auch palliative Therapiesituationen. Im Laufe ihrer Erkrankung wenden mehr als die Hälfte der Tumorpatienten Mistelpräparate an. Mistelpräparate werden selten allein, zumeist zusammen mit anderen Therapien und Medikamenten angewendet. Sie sind gut verträglich. Klinische Studien belegen, dass Mistelpräparate die Lebensqualität von Krebspatienten und die Verträglichkeit konventioneller Tumortherapien verbessern. Ferner gibt es Hinweise, dass auch das Überleben der Tumorpatienten verlängert wird. Im Vortrag werden – unter besonderer Berücksichtigung der eigenen Erfahrungen - zunächst pharmazeutische Gesichtspunkte wie Besonderheiten dieser Arzneipflanze, sowie Herstellung und Prüfung von Mistelpräparaten dargestellt. Ferner soll an Hand von ausgewählten Beispielen aus Forschung, Präklinik und Klinik der aktuelle Stand des Wissens und der Diskussion abgebildet werden.


!!Achtung dieser Vortrag findet ausnahmsweise um 10 Uhr c.t. im Kurs und Hörsaal des Institutes für Pharmazeutische Biologie, Hittorfstraße 56,
48149 Münster statt!!


Dienstag 12.06.2012

Herr Prof. Dr. Theo Dingermann, Istitut für Pharmazeutische Biologie, Goethe-Universität Frankfurt

Thema:

Stratifizierte Pharmakotherapie - Gendiagnostik in den Händen des Apothekers?


Die rasanten Fortschritte in der Medizin – erzielt auf technischer oder molekularer Ebene – bringen unser Gesundheitssystem an den Rand des ökonomischen Kollaps. Das darf nicht sein, und es muss auch nicht sein, wie uns andere Technologien lehren. Anders als in der Medizin gilt für fast alle anderen Technologien das Moore’sche Gesetz, wonach mit einer enorm steigenden Leistungsfähigkeit auch immer ein mindestens ähnlich ausgeprägter Effizienzgewinn einhergeht.
Der Grund für dieses in der Medizin nicht ausgeschöpfte Effizienzpotential ist die fehlende Skalierbarkeit medizinischer Leistungen. Es fehlen zuverlässige Parameter, die es möglich machen, konsequent nur denjenigen Leistungen zukommen zu lassen, die auch davon profitieren. Zu groß ist zudem die Gefahr, bei Vorenthalten einer Leistung reflexartig die Drohkeule einer Zweiklassenmedizin gezeigt zu bekommen.
Die Molekulare Diagnostik als Basis einer personalisierten Medizin wird dies ändern, und jeder – die Pharmazeutische Industrie, die Patienten und die Politik – müssen daran ein Interesse haben.
• Die Pharmazeutische Industrie wird Wirkstoffe in die Hand bekommen, die viel besser sind, als sie heute noch erscheinen mögen. Statt Wirksamkeit durch eine Patientenfraktion „zu verdünnen“, die von diesen Wirkstoffen nicht profitieren können, zeigen sie bei denen, wo sie wirken, ihr tatsächliches Potential.
• Patienten werden davon profitieren, dass künftig die zu behandelnde Krankheit nur eine Komponente einer Interventionsentscheidung ist. Die zweite Komponente ist der Patient selbst. Denn die persönliche genetische Ausstattung entscheidet maßgeblich mit darüber, ob eine Therapie überhaupt wirksam sein kann oder nicht, bzw. ob ein bestimmtes Medikament vertragen wird oder nicht. Wir werden – und müssen – einen Paradigmenwechsel erleben von der Behandlung von Krankheiten hin zur Behandlung von Patienten, die an einer Krankheit leiden.
• Die Leistungsträger, die maßgeblich von der Politik getragen werden, werden nur noch für die
Leistungen aufkommen müssen, die tatsächlich effektiv sind bzw. effektiv sein können.
Personalisierte Medizin und die sich daraus ableitende stratifizierte Pharmakotherapie werden das
System ein großes Stück aus der Empirie und der davon abgeleiteten Gauß’schen Verteilung
herausholen. Das Dilemma, von einer statistischen Signifikanz einer Testpopulation auf den
Behandlungserfolg eines Einzelnen zu extrapolieren, wird in immer größerem Maße durch individuelle Biomarker und rationale Entscheidungsoptionen ersetzt.

Viele Beispiele ließen sich aufzählen, wo heute schon eine Therapie entscheidend optimiert werden könnte, wenn für Therapieentscheidung nicht nur Krankheitsrelevante Parameter, sondern auch Patientenbezogene, genetische Parameter einbezogen würden. Diagnostik – und erst recht Gendiagnostik – bekommt hier eine neue Qualität: Das klassische Terrain der Krankheitsbezogenen Diagnostik wird ergänzt durch eine Diagnostik, die Aussagen darüber macht, ob und wie Arzneimittel bei einer bestimmten Krankheit wirken können. Diese neuen Möglichkeiten würden gute, verfügbare Therapien noch um vieles besser machen – vor allem bei Patienten, die aufgrund individueller Parameter nicht in den Zenitbereich einer Gauß’schen Verteilung des Outcomes einer klinischen Wirksamkeitsstudie fallen. Aus all den Gründen ist die Anwendung dieser neuen Optionen für eine Interventionsentscheidung medizinisch und pharmazeutische unausweichlich. Und es sollte außer Frage stehen, dass sich Apothekerinnen und Apotheker hier einbringen, solange es um Arzneimittelrelevante Probleme geht.


Dienstag 26.06.2012   !!Vortrag wird aus terminlichen Gründen in das WS 2012/2013 verlegt!!

Herr Dipl. Ing. Michael Kriens, Klinik für Nuklearmedizin, Arbeitsgruppe Medizinische Physik, Universitätsklinikum Münster

Thema:

Ionisoierende Strahlung und deren Effekte

Seit den schweren Unfällen von Tschernobyl und Fukushima wächst in der Bevölkerung die Sorge, mit radioaktiven Nukliden in Kontakt zu kommen oder sogar „verstrahlt“ zu werden. Ebenso wird die medizinische Strahlenanwendung (z.B. durch den Radiologen) von vielen Patienten immer kritischer hinterfragt. Als Orientierungshilfe auf dem weiten Feld der Ionisierenden Strahlung, werden zunächst die Strahlenarten und die Messmittel vorgestellt. In diesem Zusammenhang findet ein Vergleich der natürlichen und zivilisatorischen Strahlenexposition statt. Ein besonderes Augenmerk richtet sich hier auf die medizinische Strahlenexposition, z.B. durch bildgebende Verfahren und die Methoden der Radioonkologie. Abschließend wird eine Einschätzung des Gefahrenpotentials verschiedener Strahlendosen vorgenommen, wie sie beispielsweise beim Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel, Flugreisen, usw. auftreten können.


Die Vorträge finden jeweils um 20 Uhr c.t. im Hörsaal des Institutes für Pharmazeutische und Medizinische Chemie, Hittorfstraße 58 - 62,
48149 Münster statt.

Hier stehen die Präsentationen zu einigen Vorträgen als pdf-Datei zum Herunterladen bereit.


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