Die Verfasste Studierendenschaft (VS)

Die Studierendenschaft ist die Gesamtheit der Studierenden einer Hochschule. Sofern die Studierendenschaft gesetzlich in einem Landeshochschulgesetz (LHG) festgeschrieben ist, sprechen wir von einer Verfassten Studierendenschaft mit eigenen finanziellen Mitteln. In NRW ist die studentische Selbstverwaltung im Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) festgeschrieben. Die grafische Darstellung der Studierendenvertretung der alten Bundesländer erinnert sehr an das deutsche Demokratiesystem mit einer Gewaltenteilung (Diagramm A). In Bayern und Baden-Württemberg wurde die VS in den 70er Jahren abgeschafft. Offiziell existieren in diesen Bundesländern keine Studierendenvertretungen. Es gibt jedoch Zusammenschlüsse zu „Unabhängigen Allgemeinen Studierendenausschüssen“ (UASten) und Fachschaftsinitiativen (FSI), die keine eigenen Finanzmittel besitzen. In den neuen Bundesländern ist die VS auch festgeschrieben. Ihr Aufbau entspricht aber eher einem Rätemodell, die gewählten Vertreter eines Gremiums wählen also die des nächsthöheren Gremiums. Außerdem sind Legislative und Exekutive nicht voneinander getrennt. Neben den Gremien der studentischen gibt es die der akademischen Selbstverwaltung, an deren Bildung alle Gruppen (Professor(inn)en, Mitarbeiter(inn)en und Studierende) beteiligt sind (Diagramm B). Die Amtszeit dieser Gremien beginnt jeweils am 1. Oktober und dauert für Studierende ein Jahr, für die übrigen Gruppen zwei Jahre. Die Wahlen finden per Briefwahl im Sommersemester statt. Die (Urnen-)Wahlen zu den Gremien der studentischen Gremien finden im Wintersemester statt.

Die Fachschaften

Wie bereits in vorherigen Artikel erwähnt, ist besteht die Fachschaft aus allen Studierenden eines Faches. Sie wählt in jedem Wintersemester die 15 Mitglieder der Fachschaftsvertretung (FSV). Die FSV muss sich innerhalb einer gewissen Zeit konstituieren und dabei den Fachschaftsrat (FSR) wählen, der oft als „die Fachschaft“ bezeichnet wird. Die Fachschaftsarbeit ist die Arbeit direkt mit und für den Studierenden und bildet somit eine Basis. Die Schnittstelle zwischen dem AStA und den Fachschaften untereinander ist die Fachschaftenkonferenz  (FK), auf der aktuelle „überfachbereichliche“ Infos bekanntgegeben, Probleme ausdiskutiert, aber auch Finanzmittel aus dem FK-Sondertopf verteilt werden. Des Weiteren gibt es in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, die einen Wahlbezirk für den Senat darstellt, die Naturwissenschaftliche FK (NaWi FK), zum intensivierten Austausch fachverwandter(er) Fächer. Da es oft fachspezifische Probleme gibt, haben sich die Fachschaften eines Studienfaches oft über ihre eigene Hochschule hinaus organisiert. So gibt es in unserer Chemie die BundesFachTagung der Chemiefachschaften (BuFaTa Chemie), die einmal im Semester immer in einer anderen Stadt für 4 Tage stattfindet.

Der Allgemeine StudierendenAusschuss

Die Studierendenschaft wählt in jedem Wintersemester das Studierendenparlament (SP). Zu dieser Wahl treten Listen mit verschiedenen (partei-)politischen Gesinnungen an. Das Parlament wählt anschließend den Vorsitz und Vorstand des „Allgemeinen StudierendenAusschuss“ (AStA). Oft entstehen hierfür Koalitionsverträge zwischen den einzelnen Gruppen. Anschließend ernennt der/die Vorsitzende Referent(inn)en (z. Z. Finanzen, Öffentlichkeit, Hochschulpolitik, Beschwerdestelle, Sozialpolitik, Politische Bildung und demokratische Rechte, Frieden und Internationalismus, Ökologie und Semesterticket, Antirassismus, Kultur, LehrerInnenbildung). Die übrigen sind autonome Referate, die durch die jeweiligen
Gruppen gewählt werden (z. Z. Fachschaftenreferat, Frauenreferat, Lesbenreferat, Schwulenreferat, Behindertenreferat, Referat für finanziell und kulturell benachteiligte Studierende, Sportreferat und die Ausländische StudierendenVertretung (ASV)). Der AStA übernimmt die Vertretung der Studierenden in der
Hochschule, der Gesellschaft, fördert die politische Bildung der Studierenden und bietet auch ein großes Serviceangebot an. Der AStA arbeitet mit vielen verschiedenen Gruppen/Initiativen inner- und außerhalb
der Hochschule zusammen. Zudem organisiert er verschiedene Veranstaltungen. Aktuelle Themen sind z. B. Studiengebühren, Semesterticket, Bachelor/Master etc. Der AStA hält außerdem regelmäßig Kontakt zu ihm nahe stehenden bildungspolitischen Akteur(inn)en wie Studierendenvertretungen an anderen Hochschulen, aber auch Gewerkschaften um gemeinsamen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Ein Beispiel für eine dafür oft genutzte Institution ist der „freie zusammenschluss von studentInnenschaften“ (fzs), der den bundesweiten Dachverband der ASten darstellt. Presse- und Öffentlichkeit stellt einen weiteren wichtigen Bereich der AStA-Arbeit dar. Einen Überblick über aktuelle Themen und die Arbeit der einzelnen Referate im AStA findet man auf der AStA Seite.

„Dienstleister“ AStA

Neben der Hochschulpolitik bietet der AStA den Studierenden der Uni Münster eine ganze Menge Service-Leistungen. So bieten sie zum Beispiel kostenlose Rechts- und Sozialberatung an, um Studierenden in schwierigen Situationen kompetent Hilfestellungen geben zu können. Oder Mobil-Angebote: Neben dem
Semesterticket sind bei dem AStA für den Umzug oder andere größere Transporte auch Bullis zu mieten.

Studentische Interessenvertretungen über die eigene Hochschule hinaus

Als Interessenvertretung über die eigene Hochschule hinaus wurde schon der fzs und die BuFaTa erwähnt. Um die Qualität der Bachlor-/Masterstudiengängen zu sichern, wurde vor einigen Jahren der studentische Akkreditierungspool gegründet, dessen Mitglieder in Akkreditierungsverfahren, also der Anerkennung von Studiengängen, an den Hochschulen entsendet werden. Im Zuge der Diskussionen rund um Studiengebühren gründete sich das Aktions-Bündnis gegen Studiengebühren (abs), dass mit über 200 Bündnispartnern (z. B. Hochschulen, BuFaTa) als breites gesellschaftliches Bündnis organisiert ist. Es
setzt sich seit seiner Gründung 1999 gegen die mit Studiengebühren verbundene Privatisierung sozialer Risiken und für ein solidarisches, sozial gerechtes und insbesondere kostenfreies Bildungssystem ein. Es gibt natürlich noch eine Vielzahl von anderen Organisationen. 

Der Fachbereichsrat Chemie und Pharmazie

Der Fachbereichsrat (FBR) ist das höchste beschlussfassende Organ auf Fachbereichsebene. Er wählt das Dekanat, beschließt über Haushalt, das Lehrangebot, über Studien-, Prüfungs-, Promotions- und Habilitationsordnung. Im FBR sitzen neben dem/der Dekan/in noch 7 Professor(inn)en, 2 wissenschaftliche Mitarbeiter(inn)en, 3 Studierende und 1 nichtwissenschaftliche/r Mitarbeiter/in. Für bestimmte Themen (Berufungen, Finanzen, Studien- und Prüfungsordnung) wählt der FBR Komissionen, deren Sitzanzahl für einzelne Gruppen wechselt. Der Senat Theoretisch ist der Senat das höchste beschlussfassende Organ auf Hochschulebene. Er ist für alle hochschulweiten Angelegenheiten in Forschung, Lehre und Studium
zuständig. Der Senat besteht aus dem/der Rektor/in, 12 Professor(inn)en, 4 wissenschaftlichen Mitarbeiter(inne)n, 4 Studierenden und 2 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter(inne)n. Auch der Senat bildet Kommissionen.

Der Hochschulrat

Der Hochschulrat wurde durch das HochschulFreiheitsGesetz eingeführt und ist z. Zt. mit fünf externen Mitgliedern sowie drei Münsteraner Professoren besetzt. Er setzt das Rektorat ein und kontrolliert dieses in seinen Aktivitäten. Ernannt wird der Rat vom Landeswissenschaftsministerium, jedoch noch vom Senat bestätigt. Das genaue Machtgefüge zwischen Hochschulrat und Senat befindet sich noch in der Schwebe. Klar ist jedoch, dass mit seiner Einführung die Balance weiter gegen Demokratie und stud. Beteiligung verschoben wurde.

Demokratie an der Hochschule?

Wie man bereits festgestellt haben dürfte, ist die größte Gruppe an der Hochschule gleichzeitig die unterrepräsentierteste in den Gremien. Die kleinste Gruppe, die Professorenschaft, entsendet seit Ende der 80er Jahre eine absolute Mehrheit in sämtlichen akademischen Gremien und dominiert sie somit. Die studentische Mitbestimmung wird immer weiter eingeschränkt. Mit der Einführung des HochschulFreiheitsGesetzes (HFG) wurden die Hochschulen weiter verselbstständigt. Dies bedeutet, dass einige Organe (wie Rektorat und Dekanat) eine sehr viel größere Entscheidungsgewalt zugesprochen bekommen haben und dementsprechend verlieren Gremien mit studentischer Beteiligung (FBR, Senat) an Gewicht. Deshalb fordern die meisten Gremien der verfassten Studierendenschaft bundesweit schon seit langem paritätisch besetzte Gremien (d. h. jede Mitgliedergruppe hat die gleiche Stimmenzahl), um wenigstens einigermaßen demokratisches, gleichberechtigtes Mitwirken aller Mitgliedergruppen zu ermöglichen.
Diagramm-a
Diagramm-b