Simon Rosenberg, M.A.

Akademische Laufbahn

1997 Abitur
1998-07   Studium der Englischen Philologie, Mittleren Geschichte und Neueren und Neuesten Geschichte, Abschluss Magister Artium an der WWU Münster
seit 2007 Promotionsstudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität (Englische Philologie, Dissertationsprojekt zum Thema „The Impact of Sociocultural and Technological Developments on Book Production.“)

seit 2007

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Englischen Seminar, Lehrstuhl Prof. Müller-Oberhäuser

 

Forschungsprojekte, Lehrtätigkeit

2006, 2007, 2009, 2010 & 2012 Kollationsarbeiten für die Schelling-Kommission der Akademie der Wissenschaften München
seit 2007 Lehre im Rahmen der Lehreinheit Anglistik

seit 2007 
                  

             

Mitarbeit am Forschungsprojekt "Das Buchgeschenk im englischen Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit" (Teilprojekt B7 des SFB 496 "Symbolische Kommunikation und Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution")

 

Forschungsschwerpunkte

Buchwissenschaft
Medienwandel
Buchgeschichte Englands des Spätmittelalters, der Frühen Neuzeit sowie des 19. Jahrhunderts

 

Publikationen

  • "Van aflevering naar scherm. De presentatie van informatie in de Oxford English Dictionary in de negentiende en eenentwintigste eeuw." Jaarboek voor Nederlandse Boekgeschiedenis, 19 (2012), 163-175. (Aus dem Englischen ins Niederländische übersetzt von Erik Geleijns.)

 

Bericht der Kollationsarbeiten am Institut für Buchwissenschaft & Textforschung für die Schelling-Kommission der Akademie der Wissenschaften in München

Simon Rosenberg 

Einleitung

Im Zentrum der Schelling-Kommission der Akademie der Wissenschaften in München  steht die "Historisch-Kritische Ausgabe" der Schriften Schellings. Hauptziel dieser Ausgabe ist der kritisch festgestellte Text, in dem, soweit möglich, alle Varianten innerhalb des überlieferten Bestandes vermerkt und gekennzeichnet sind. Individuelle Eigenheiten von Exemplaren sind nicht nur bei Handschriften entscheidend, sondern auch noch bei gedruckten Büchern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Unterschiede einzelner Exemplare gehen weit über Variationen der  Bindung oder der Papierqualität hinaus. Textvarianten in dieser Zeit existieren,  da  aus Zeitgründen das Korrekturlesen während des Druckvorgangs stattfand. Eventuelle Fehler oder Nachträge wurden also während der Produktion einer Auflage korrigiert bzw. hinzugefügt.
Für die Kollationierung der Schelling-Werke nahm die Schelling-Kommission Kontakt mit dem Institut für Buchwissenschaft & Textforschung auf, welches im Besitz eines voll funktionsfähigen Hinman-Collators ist. (Weiterer deutscher Standort eines Hinman-Collators neben dem Institut für Buchwissenschaft & Textforschung in Münster ist lediglich die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.)

Hinman1

 

Methode und Ergebnisse


Der Hinman-Collator nutzt ein relativ simples Spiegel- und Beleuchtungssystem. Nachdem man ein Referenzexamplar gewählt hat, welches man mit allen anderen verfügbaren Exemplaren vergleicht, kann das eigentliche Kollationieren beginnen: Auf der einen Plattform bestückt man den Collator mit dem Referenzexemplar auf einer bestimmten Seite aufgeschlagen, auf der anderen Plattform ein anderes Exemplar derselben Auflage mit der gleichen Seite aufgeschlagen. Mit einigen manuellen Justierungen lassen sich die Abbilder der zwei scheinbar gleichen Seiten der verschiedenen Bände per Spiegel-System exakt übereinanderlegen. Je ebener das Papier, desto genauer die Kollationierung. Wellen, Knicke o.ä. im Papier erschweren die Arbeiten bzw. machen sie teilweise unmöglich. Die rechte Plattform ist zudem  höhenverstellbar, um eventuelle Höhenunterschiede durch variierende Papierdicke etc. auszugleichen. Diese Abbildung der Seite(n) schaut man sich mit einem Binokular vergrößert an. Per Knopfdruck schaltet man die Wechselbeleuchtung ein, so dass abwechselnd nur das linke oder das rechte Exemplar durch das Binokular zu sehen ist. Wenn die Seiten identisch sind, werden sie mehr oder weniger als dieselbe Seite erscheinen. Sollten jedoch Varianten vorkommen, „springt“ der veränderte Text bzw.  sogar die ganze Zeile. 
Zwei Alternativen zum Kollationieren mit dem Hinman-Collator wären die „Wimbledon-Methode“ (Zwei Exemplare nebeneinander gelegt, geht man den Text Zeile für Zeile, Wort für Wort durch und vergleicht die Texte, indem man abwechselnd in das linke und das rechte Exemplar schaut) und die sogenannte „circle collation“ (Mehrere Personen sitzen mit den gleichen Exemplaren in einem Raum. Während eine Person den Text laut vorliest, verfolgen die anderen Personen den Text in ihrem Exemplar. Neben dem Text erwähnt der Vorleser ebenso Zeichensetzungen, Druckfehler und andere druckspezifische Eigenschaften. Bei Abweichungen melden sich die entsprechenden Personen.)
Die beiden wichtigsten Vorteile des Hinman-Collators im Vergleich zu den anderen Kollations-Möglichkeiten sind offensichtlich:
1. Die Zeitersparnis ist enorm. Statt die Texte detailliert lesen zu müssen, kann man sich auf rein visuelle Eindrücke (blinken bzw. springen) beschränken. Je nach Text und Erfahrung ist es mit dem Hinman-Collator möglich, ca. 30 Seiten pro Stunde zu kollationieren.
2. Zudem registriert der Hinman-Collator Varianten, die man beim gegenseitigen Vorlesen nicht unbedingt merkt (Homophone („night“, „knight“), Variationen in der Buchstabierung („frey“, „frei“) etc.).


Die Kollationsarbeiten für die Schelling-Kommission haben einige interessante Varianten ans Tageslicht gebracht und werfen Fragen auf. Warum zum Beispiel wurde ein „also“ zu einem „demnach“ geändert? Warum wurden die offenbar bekannten Druckfehler nicht korrigiert? (Die Exemplare besitzen alle Druckfehlerverzeichnisse.) Warum wird in einigen Exemplaren das Wort „freynothwendigen“ mit „i“ buchstabiert? Es sind solche Fragen, welche die kritische Edition erörtern möchte:

Jede Entscheidung der Editoren muss kritisch gerechtfertigt sein, und die Leitlinie des Edierens muss in der historischen Stellung der Texte selbst liegen. Eine solche Ausgabe entlastet Nutzerin und Nutzer nicht von eigener Kritik, aber sie gibt ihnen die Möglichkeit zur durchgehenden Vergewisserung über die editorischen Entscheidungen und ermöglicht zugleich, bereits aus dem dokumentierten Prozess des Edierens heraus, historisch-kritische Anfragen an den Text zu stellen und zu erörtern.

(Paul Ziche, „Historisch-kritisches Edieren. Beispiele aus der Akademie-Ausgabe von Schellings Werken“,  Akademie Aktuell 20 (2007), 27-31, 27.)

Danksagung

Unser Dank gilt der Universitäts- und Landesbibliothek Münster für ihre Unterstützung. Insbesondere die Fernleihe und der Handschriftenlesesaal sorgten mit ihrer engagierten Unterstützung für einen reibungslosen Ablauf der Fernleihen der kostbaren Erstdrucke.

 

Literatur

- Boghardt, Martin. “Änderungen in Wort und Bild“. Bibliofilia 100 (1998), 513-81.
- Smith, Steven Escar. “’Armadillos of Invention': A Census of Mechanical Collators”. Studies in Bibliography 55 (2002), 133-70.
- ---. “"The Eternal Verities Verified": Charlton Hinman and The Roots of Mechanical Collation“. Studies in Bibliography 53 (2000), 129-162.
- Ziche, Paul. „Historisch-kritisches Edieren. Beispiele aus der Akademie-Ausgabe von Schellings Werken“.  Akademie Aktuell 20 (2007), 27-31.

 


Simon Rosenberg, M.A.
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