Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Biologische Vielfalt: Pilotstudie zu den voraussichtlichen Auswirkungen des Klimawandels auf ausgewählte Tier- und Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen – Ausarbeitung von Vorschlägen für eine Anpassungsstrategie
Dauer: September 2008 bis September 2009
Projektleitung, Ansprechpartner:
Martin Behrens, PD Dr. Thomas Fartmann, Prof. Dr. N. Hölzel
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der AG Ökosystemforschung am Institut für Landschaftsökologie durchgeführt. Auftraggeber ist das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV NRW); die Fachbetreuung für das MUNLV NRW erfolgt durch das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW).
Zur Pressemitteilung der Universität Münster
- Auf welche Lebensräume und Arten lässt sich in Nordrhein-Westfalen bereits ein Einfluss durch den Klimawandel erkennen und welche Lebensräume und Arten sind voraussichtlich zukünftig besonders betroffen?
- In welcher Weise (Wirkpfade; positive/negative Auswirkungen) sind diese Arten bzw. Lebensräume durch den Klimawandel betroffen?
- Welche Anpassungsstrategie an den Klimawandel gibt es für den Naturschutz?
- Wie kann der Biotopverbund in Nordrhein-Westfalen gestaltet und
weiterentwickelt werden, um für bestimmte Arten und Lebensräume als
wirkungsvolle Anpassungsmaßnahme des Naturschutzes an den Klimawandel
zu funktionieren?
Klimawandel in Nordrhein-Westfalen Abb. 1: Szenario für den Anstieg der Monatsmitteltemperaturen in Nordrhein-Westfalen. Vergleich des Referenzzeitraums 1951–2000 mit der Szenario-Dekade 2046–2055 (Daten aus Spekat et al. 2006).
Der rezente Klimawandel ist mittlerweile eine wissenschaftlich und gesellschaftlich akzeptierte Tatsache, über deren Größenordnung, Ursachen und Auswirkungen zunehmend präzisere Analysen und Prognosen zur Verfügung stehen. Ein anthropogener Einfluss auf das Klima ergibt sich vor allem durch die nach wie vor ansteigende Emission von Treibhausgasen, insbesondere Kohlenstoffdioxid (IPCC 2007).
In Nordrhein-Westfalen nehmen die Monatsmitteltemperaturen voraussichtlich vor allem im Sommer und Winter stark zu (Abb. 1): Im Vergleich mit der Zeitspanne 1951–2000 wird in der Periode 2046–2055 für die Monate Januar, Februar und Juli ein Anstieg von 2,7–3,2 °C prognostiziert, während er in den weiteren Monaten zwischen 0,7 °C und 1,7 °C liegt.
Die Niederschläge werden im Vergleich mit der Zeitspanne 1951–2000 in
der Periode 2046–2055 von November bis Mai höher ausfallen, während von
Juni bis August deutlich geringere Niederschlagssummen zu erwarten sind
(Abb. 2): Eine erhebliche Zunahme (> 20 %) wird für Januar und
November prognostiziert, eine besonders starke Abnahme (42 %) für den
Monat Juli.
Die Klimatische Wasserbilanz innerhalb der
Vegetationsperiode ist im Landesmittel bereits von 1951–2000 negativ;
sie sinkt durch steigende Temperaturen/Verdunstung und zurückgehende
Sommerniederschläge bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts voraussichtlich
weiter stark ab.
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Abb. 2: Szenario für die Veränderungen der Monatsniederschläge in Nordrhein-Westfalen. Vergleich des Referenzzeitraums 1951–2000 mit der Szenario-Dekade 2046–2055 (Daten aus Spekat et al. 2006). |
Mögliche Auswirkungen des Klimawandels
Der Klimawandel hat vielfältige Konsequenzen für Mensch und Umwelt (z. B. IPCC 2007, MUNLV 2007, Beierkuhnlein & Foken 2008). Hinsichtlich der biologischen Vielfalt ergeben sich sowohl direkte Folgen durch veränderte Temperaturen, Niederschläge und Windverhältnisse als auch indirekte Auswirkungen durch die Reaktion des Menschen, z. B. in der Land- und Forstwirtschaft oder beim Hochwasserschutz. Für Arten und Lebensgemeinschaften sind u. a. die folgenden Auswirkungen relevant:
- Auswirkungen auf den Wasser- und Nährstoffhaushalt der Ökosysteme, z. B. könnten Bruchwälder und Feuchtwiesen durch steigende Temperaturen und saisonal abnehmende Niederschläge beeinträchtigt werden (Abb. 3).
- Veränderungen im Jahres- und Lebenszyklus von Pflanzen und Tieren, z. B. ein früherer Blattaustrieb von Gehölzen und die frühere Ankunft von Zugvögeln im Brutgebiet.
- Direkte Beeinflussung des Stoffwechsels der Arten durch die Änderungen von Temperatur und Wasserverfügbarkeit, sowie indirekte Auswirkungen über Habitatveränderungen, die aus dem Klimawandel resultieren (z. B. Nährstoffverfügbarkeit, Vegetationsstruktur, Nahrungsangebot). Diese Einflüsse können die Konkurrenzverhältnisse beeinflussen und so die Abundanz von Arten bzw. die Dominanzstruktur in Lebensgemeinschaften verändern.
- Arealveränderungen, z. B. infolge von Erwärmung eine Ausbreitung
sub-/mediteran und atlantisch verbreiteter Arten nach Norden oder ein
Rückgang montan verbreiteter Arten.
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Abb. 3: Feuchtwiesen, hier im Blühaspekt mit Brennendem Hahnenfuß, Kuckuckslichtnelke und Sumpfdotterblume (kleines Bild), sind durch Entwässerung selten geworden und stark gefährdet. Eine durch den Klimawandel stark negative Wasserbilanz während der Vegetationsperiode und in der Folge saisonal niedrige Grundwasserstände könnten diese Situation weiter verschlechtern. |
Beierkuhnlein, C., Foken, T. (2008): Klimawandel in Bayern. Auswirkungen und Anpassungsmöglichkeiten. Bayreuth, 501 S.
IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change (2007): Climate Change 2007.
MUNLV, Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (2007): Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Wege zu einer Anpassungsstrategie.
Spekat, A., Gerstengarbe, F.-W., Kreienkamp, F., Werner, P. C. (2006): Fortschreibung der Klimaszenarien für Nordrhein-Westfalen.



