Schwerpunkte in Forschung und Lehre
sowie
Interdisziplinäre Aktivitäten
Dreh- und Angelpunkt für Kontakte der WWU zum Baltikum
Am IIBS ist die Stelle eines Gastdozenten aus dem Baltikum viermal im Jahr für 2-4 Monate zu besetzen. Darüber hinaus werden vom Institut regelmäßig Anträge auf Stipendien für Gäste aus dem Baltikum bei der Humboldt Stiftung, der Heinrich Hertz Stiftung, beim DAAD, beim KAD, bei der DFG, bei der Robert Bosch Stiftung u.a. gestellt, die in der Regel auch genehmigt werden; auch über EU-Programme (Erasmus, Tempus) gelangten baltische Wissenschaftler nach Münster. Auf diese Weise ist es gelungen, seit 1993 mehr als 80 Gastwissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen nach Münster zu holen und ihnen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit hiesigen Fachkollegen und zu eigenen Forschungen zu geben. Das IIBS bemüht sich dabei, die Stelle des Gastdozenten während der Vorlesungszeit mit einem Geisteswissenschaftler zu besetzen, der Veranstaltungen für die Studenten der Baltischen Philologie abhält (Vorlesungen, Hauptseminare); in der vorlesungsfreien Zeit werden Kollegen aus anderen Fächern bevorzugt. Eine Aufstellung der Wissenschaftler aus den drei baltischen Staaten, die bislang in Münster waren, findet sich hier. Durch diesen ständigen Kontakt mit Wissenschaftlern aus dem Baltikum findet eine intensive Kooperation in der Lehre und in der Forschung zwischen der WWU und ihren Partneruniverstitäten und den örtlichen Akademien der Wissenschaften statt. Münster hat auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Hochschulen des Baltikums nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit zu reformieren und neu aufzubauen.
Reger Kontakt in erster Linie durch Wissenschaftleraustausch besteht außer mit den drei Partneruniversitäten der WWU (Tartu, Riga, Vilnius), mit der Technischen Universität Riga, der Kunstakademie Riga, den Pädagogischen Hochschulen in Tallinn (Estland) und Daugavpils (Lettland), der Universität Klaipėda sowie mit den Akademien der Wissenschaften in Estland, Lettland und Litauen.
Neben dem IIBS ist ein weiterer großer Anziehungspunkt für Wissenschaftler aus dem Baltikum das in Münster angesiedelte Lettische Kulturzentrum mit seiner umfangreichen Bibliothek, in welcher besonders die in den baltischen Ländern selbst nur schwer zugängliche Exilliteratur von Interesse ist.
Schließlich dient das
IIBS vielen Gästen aus dem Baltikum als erste Anlaufstelle; konkrete
Hilfeersuchen betreffen z.B. die Übersetzung von Dokumenten, was auch den Studierenden der WWU aus den baltischen Staaten zugute kommt.
Studia Baltica (ausführlichere
Informationen finden Sie hier)
In den Jahren 1989 bis
1993 fanden unter der Leitung von Prof. Scholz Intensivkurse der Sprachen des
Baltikums (Estnisch, Lettisch, Litauisch) als Modellversuch statt, die vom Bund
und vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert wurden. Vom Jahre 1994 bis 2005 an ist es
gelungen, die Robert Bosch Stiftung für die Weiterfinanzierung dieser Kurse zu
gewinnen, deren Organisation und Durchführung nunmehr ganz in die Hände des IIBS überging. 1994 sind die Sprachkurse von der Robert Bosch Stiftung mit
49.800 DM bezuschusst worden, von 1995 bis 1999 mit jährlich 50.000 DM, von 2000
bis 2005 mit jeweils 60.000 DM bzw. 30.000 EUR. Seit dem Jahre 2001 beteiligt sich auch die
schweizerische Gebert Rüf Stiftung mit 2.500 DM.
Die Intensivsprachkurse
sind, wie das IIBS selbst, interdisziplinär angelegt, d.h. sie stehen für
Studenten aller Fachrichtungen an deutschen Hochschulen offen. In den neunziger
Jahren haben auf diese Weise über 200 Studierende eine Zusatzqualifikation
erworben, die auch in ihrem beruflichen Werdegang vielfach ihren Niederschlag
gefunden hat. So finden sich Absolventen der Studia Baltica mittlerweile in
vielen namhaften Positionen beschäftigt; exemplarisch seien folgende Tätigkeiten
genannt: Mitarbeiter der Europäischen Kommission in Lettland, OSZE-Beobachter
im Baltikum, DAAD-Lektor für Deutsch in Litauen, Lettland, Estland, Berater im
lettischen Finanzministerium, Konferenzdolmetscher beim Auswärtigen Amt,
Mitarbeiter im Goethe-Institut, Dozent an der Eurofakultät in Riga,
Pressebeobachter, Deutschlehrer an einer estnischen Schule etc. etc. Auch in
diesem Punkte also hat das IIBS maßgeblichen Anteil daran, dass die baltischen
Staaten wieder enger mit Europa zusammenwachsen. Die Vermittlung von Sprache und
Kultur des baltischen Raumes an deutsche Studierende jeglicher Fachrichtung hat
sich als äußerst fruchtbar erwiesen, weil solchen hochmotivierten jungen
Menschen mit guten Sprachkenntnissen in Estland, Lettland und Litauen bzw. in
der Zusammenarbeit mit diesen Ländern zahlreiche Möglichkeiten für eine
berufliche Profilierung offen stehen.
Die praktische Durchführung des in Deutschland stattfindenden ersten Teils der Kurse obliegt einem sechsköpfigen Lehrerkollegium, das sich zu gleichen Teilen aus Absolventen der Baltischen Philologie und aus Muttersprachlern zusammensetzt, die mit überaus großem Engagement ihre Aufgabe erfüllen.
Dass die Kurse, die ja Studierenden aller Fächer offen stehen, mit dem Studiengang der Baltischen Philologie eng verknüpft sind, versteht sich von selbst, denn auch die Baltisten aus Münster nehmen an diesen Kursen teil und können so den Spracherwerb, der für das weitere Studium ja unabdingbar ist, um ein vielfaches beschleunigen. Außerdem sind alle Grammatiklehrer Absolventen der Baltischen Philologie.
In
den Jahren 1994/95 bewilligte das Arbeitsamt Münster dem IIBS eine 18 Monate währende
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, in deren Rahmen der größte Teil des
finnougrischen Bestandes der Institutsbibliothek nach EDV-Vorgaben erfasst
werden konnte.
Eng verknüpft mit den vorherigen Punkten ist das Fach Baltische Philologie in Münster, das bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 von Prof. Scholz vertreten wurde, der auch jetzt noch für Magister- und Promotionsprüfungen sowie für gelegentliche Abhaltung von Seminaren und Vorträgen zur Verfügung steht. Die Sprachausbildung sowie die Einführungen und Proseminare zur Literaturwissenschaft werden von Frau Dr. Huelmann geleistet. Dr. Tenhagen hatte von 1996 bis 2004 die propädeutische Ausbildung im Bereich der Sprachwissenschaft sowie die Einführung in das Altpreußische übernommen. Das Hauptstudium wird zu einem großen Teil von den Gastdozenten aus dem Baltikum betreut, die jeweils für ein Semester nach Münster kommen und Lehrveranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen abhalten, nicht selten in lettischer oder litauischer Sprache. Weiterhin gibt es noch besoldete Lehraufträge für Finnisch. Die Finnischkurse erfreuen sich großer Beliebtheit bei Studenten aus verschiedenen Fächern. Als Beispiel sei genannt, dass Studierende der Medizin und der Landschaftsökonomie häufig die Finnischkurse besuchen, bevor sie ein Auslandssemester an Partneruniversitäten der WWU in Finnland absolvieren.
Übungen zur Landeskunde des Baltikums werden in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Osteuropäische Geschichte für Studierende beider Fächer abgehalten.
Die Statistik zeigt in den letzten Jahren eine starke Kontinuität, in der jüngsten Vergangenheit sogar ein stetes Anwachsen der Studentenzahlen, so dass im Wintersemester 2000/2001 42 eingeschriebene Studenten zu verzeichnen waren. In diesem Zusammenhang dürfte die Baltische Philologie unter den „Kleinen Fächern“ einen vorderen Platz einnehmen. Gleiches gilt wohl auch in Bezug auf die seit 1989 abgelegten Prüfungen: 1 Habilitation, 2 Promotionen im Hauptfach, 3 Promotionen im Nebenfach, 4 Magisterexamina im Hauptfach, 8 Magisterexamina im Nebenfach. Für das nächste Jahr stehen ferner 2 Magister- und 2 Promotionsprüfungen an. Zwei der Magisterarbeiten sind als eigenständige Monographien veröffentlicht worden und haben in der internationalen Fachwelt positive Resonanz gefunden.
Dies auch angesichts der
Tatsache, dass das Fach nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland
einzigartig dasteht; nur in Greifswald gibt es noch die Möglichkeit zum Studium
der Baltischen Philologie. Die in Jahrzehnten gewachsene Bibliothek (ca. 10.000
Bände) ist zweifellos die beste baltistische Fachbibliothek Deutschlands, was
uns durch unsere Gäste aus dem Baltikum regelmäßig bestätigt wird.
Münster genießt vor
allem im Baltikum, aber auch darüber hinaus internationalen Ruf in Bezug auf
die Sprachausbildung im Estnischen, Lettischen und Litauischen. Auch auf
wissenschaftlichem Gebiet sind die Beteiligten – in jüngster Zeit vor allem
die Nachwuchskräfte bzw. die Vertreter des „Mittelbaus“ – aktiv und
werden immer wieder mit Vorträgen oder schriftlichen Publikationen registriert
(s.u.).
1.
Vortrags- und Publikationstätigkeit
Vertreter des IIBS sind
regelmäßig im In- und Ausland auf baltistischen Veranstaltungen anzutreffen
und haben so in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Münster als eine der
wichtigsten Adressen für baltistische Forschung in Deutschland gilt. Folgende
Aktivitäten seien genannt:
Symposien:
Vorträge:
Veröffentlichungen:
sonstige
Aktivitäten:
2. Forschungsvorhaben