Islamische Tradition und Dschihad, dargestellt anhand der arabischen Textgattung von HadIth-Anthologien

Projekt im Rahmen des Exzellenzclusters Religion und Politik
Arbaintitel

Erste Sammlungen einer begrenzten Anzahl von Hadithen lassen sich in das 8. Jahrhundert n. Chr. zurückführen. Mit der Anerkennung der sechs kanonischen Traditionswerke wurden kleinere Sammlungen zunehmend beliebter und thematisch differenziert. Neben Monotheismus, Rechtsprechung und Dschihad thematisierten die ausgewählten Überlieferungen religiöse Pflichten, Predigten, Lobpreisung des Korans oder Tugenden des Propheten. Einige Gelehrte achteten wiederum auf hochkarätige Überlieferungsketten oder auf die Gesundheit der einzelnen Überlieferungen.

Die genaue Anzahl der Sammlungen lässt sich kaum feststellen, nicht zuletzt dadurch, dass sie nach einem Abebben des Interesses im 17. Jh. in heutiger Zeit erneuten Aufschwung erfahren. Ein grundlegender Faktor für die Herausbildung und Entwicklung der Gattung der „Vierzig Hadithe“ wird in einer Überlieferung des Propheten gesehen, der nach der Überlieferer von eben dieser Anzahl an Hadithen am Tage der Auferstehung in den Rang der Märtyrer oder Gelehrten erhoben wird und Fürsprache durch den Propheten erfährt. Generell konnte das Verfassen derartiger Werke den Vorteil von Segen und Lob nach sich ziehen und wurde zum Teil auch nur der Gunst eines Herrschers wegen gemacht. Zudem waren sich die Verfasser gewiss, damit der muslimischen Gemeinde und den Vorschriften der Religion zu dienen.

Arbainhandschrift

Die besondere Bedeutung der Zahl 40, die im Islam beispielsweise die Frist für Trauer und Abwarten darstellt und eine große Rolle in der Theologie der Sufis spielt, sorgte für eine Dominanz dieser Anzahl an Überlieferungen in kleinen Sammlungen und somit auch für den Titel der Gattung. Hierunter fallen jedoch ebenso andere, zahlenmäßig begrenzte Sammlungen, die trotz abweichender Anzahl häufig mit „Kitâb al-arbaʿîn“ (Das Buch der Vierzig) betitelt wurden.


Das Feld erweist sich – abgesehen von der berühmten Sammlung an-Nawawîs sowie ihrer diversen Kommentare – als bislang weitgehend unerforscht. Im beispielhaften Fall von vierzig Dschihad-Überlieferungen stellt sich u.a. die Frage nach der Darstellung des Phänomens. Vermitteln die Sammlungen ein ähnliches Bild dessen, was aktuell unter Dschihad verstanden wird? Und dient die Auswahl bestimmter, den Dschihad thematisierenden Überlieferungen moderner Sammlungen dem Aufruf zum Kampf, sowie einst an-Nawawî mit seiner Auswahl an allgemeingültigen Hadithen einen Katechismus des islamischen Glaubens beabsichtigte?


Ihre Ansprechpartnerin ist Swantje Bartschat