Erasmus für Jungunternehmer auf Teneriffa

Auslandserfahrung ist wichtig! Genau dieses Credo greift das Projekt Erasmus für Jungunternehmer auf. Dabei finanziert die EU ein- bis sechsmonatige Auslandsaufenthalte für motivierte Jungunternehmer. Während dieser Zeit können sie bei einem erfahrenen Unternehmer wertvolles Wissen über die Gründung und das Management von kleinen und mittleren Unternehmen erwerben: Gerade wenn man sich vor Kurzem selbständig gemacht hat oder fest vorhat, dies zu tun, ist die Unterstützung eines erfahrenen Unternehmers nicht zu unterschätzen. Zusätzlich schafft der Aufenthalt in einem anderen EU-Mitgliedstaat die Möglichkeit, neue Herangehensweisen und Perspektiven kennenzulernen, erste ausländische Kontakte zu knüpfen und die eigenen branchenspezifischen Fähigkeiten zu stärken. Auch gastgebende Unternehmer profitieren von dem Projekt.

Grundsätzlich fördert das Programm die unternehmerische Initiative und die Wettbewerbsfähigkeit, die Internationalisierung und das Wachstum von Unternehmens-Neugründungen von bestehenden kleinen und mittleren Unternehmen in der EU. Auch in diesem Jahr ermöglichte das Projekt Erasmus für Jungunternehmer vier jungen Unternehmern wichtige Arbeitserfahrung im Ausland; sechs deutsche Unternehmen haben dieses Jahr einen Jungunternehmer in ihrem Betrieb aufgenommen.

Miriam, eine junge Designerin aus Deutschland nutzte die Gelegenheit, drei Monate dem Gastgeber Alejandro Gil aus Spanien auf die Finger zu schauen. Im Interview schildert sie ihre Erlebnisse.

Wie bist du auf das Programm aufmerksam geworden?

Als ich mir sicher war, dass ich mich selbständig machen möchte, habe ich mit meinen Recherchen begonnen und einige Blogs zum Thema Existenzgründung und Förderungsmöglichkeiten gelesen. Denn gerade Studenten, die frisch aus der Uni kommen, haben es in Deutschland schwer: Man wird sofort in Hartz IV eingestuft, wenn man nur Studenten-Jobs hatte, und muss von Anfang an mit ganz wenig Geld wirtschaften. Ich war auf der Suche nach Unterstützung und fand unter www.förderland.de den Artikel und Link zu Erasmus für Jungunternehmer. Ich war direkt begeistert von der Idee, Unterstützung bei meinem Vorhaben zu bekommen und gleichzeitig meine Sprachkenntnisse aufzufrischen. Die AFO hat sich sehr gut um die Organisation des Austausches gekümmert und immer sehr freundlich und schnell alle meine Fragen beantwortet.

Wo genau warst du und wie lange?

Ich habe drei Monate bei Brandia.TV in Spanien verbracht, einem Broadcast Design & Animation Studio aus La Laguna, Teneriffa. Brandia verfolgt genau wie ich die Philosophie, nachhaltig zu wirtschaften und die Umwelt zu schonen. Außerdem legen sie großen Wert auf ein familiäres und gutes Mitarbeiterklima.

Was waren deine Aufgaben?

Ich habe den Gastgeber im täglichen Geschäft unterstützt, soweit es mir aufgrund der Infrastruktur möglich war. Im ersten Monat drehte sich alles um die Eröffnung eines Studios: Gemeinsam haben wir den Ablauf des Abends besprochen und vorbereitet, die Social-Media Maßnahmen und weitere Aktionen, die vorgenommen werden sollten, wie z.B. die Präsente für die Gäste. Dazwischen und danach habe ich meinem Gastgeber beim Grafik Design und bei Animationen geholfen. Ich wurde direkt in das Team integriert gleich einer vollen Mitarbeiterin mit allen Pflichten, aber auch mit vollem Mitspracherecht. Die anderen haben mir alle Fragen beantwortet und es herrschte gleich ein freundschaftliches Klima.
Außerdem wurde ich in die administrativen Prozesse integriert. Ich habe bei Übersetzungen ins Englische geholfen, bei der Recherche bezüglich Konkurrenz und Kunden und bei der Bearbeitung neuer Projekte wie Präsentationen.

Gibt es Unterschiede in der Arbeitsweise zwischen Deutschland und Spanien?

Ja, das äußert sich an vielen Stellen - es kann jedoch auch sein, dass ich einen ganz besonderen Gastgeber hatte. Im Vergleich zu Deutschland ist das Arbeiten in einer spanischen Media-Agentur viel angenehmer, gerade als Angestellte: Man legt in Spanien nicht zu großen Wert auf Hierarchien, jeder wird mit seinen kreativen Ideen und seinen Einwänden gehört und beachtet. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter, gerade im kreativen Bereich, wird viel höher gestellt. In Deutschland bin ich ein anderes, härteres Klima gewöhnt gewesen, vor allem was das Thema Spaß auf der Arbeit betrifft, denn den habe ich wirklich! Daraus folgt natürlich, dass man auch gerne mal freiwillig mehr arbeitet. Eine Arbeits-Philosophie, die ich sehr zu schätzen weiss. Das ist echt etwas, was die Deutschen noch lernen sollten: ihre Mitarbeiter nicht ständig unter so großen Druck zu setzen, ihnen Freiräume zur Rekreation zu geben. Denn im Grunde, denke ich, möchte doch jeder seine Arbeit gut machen und Erfolgserlebnisse haben.

Was hast du für deine zukünftige Arbeit aus dem Programm mitgenommen?

Eine Menge - ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll... Zum einem, sich selbst nicht immer unter den größten Leistungsdruck zu setzen, sondern nebenher auch noch zu leben, zu genießen und zu lachen. Mir wurde die Angst etwas genommen und mein Gastgeber hat mir ein paar gute Tipps an die Hand gegeben, wie ich verhindern kann, in große Probleme zu geraten, wenn ein Kunde mal nicht zahlt oder nicht einsehen möchte, was meine Arbeit wert ist. Außerdem habe ich neues Selbstbewusstsein erlangt und wieder mehr Freude an meiner Arbeit. Die Schwierigkeiten in Deutschland zu Beginn meiner Selbständigkeit hatten mich sehr runtergezogen, das ist jetzt nicht mehr so: Ich sehe alles viel positiver - der Austausch über die Arbeit und die Schwierigkeiten, die man so haben kann, war sehr wichtig für mich.
Wir werden auch weiterhin zusammenarbeiten: Ich werde Brandia mit englisch- und deutschsprachiger Korrespondenz helfen. Da wir unterschiedliche Leistungen anbieten und sich diese sogar ergänzen, erhoffe ich mir eine sehr gute Zusammenarbeit für die Zukunft. Ich bin sehr dankbar für diese wertvollen Erfahrungen und hatte nie auch nur im Entferntesten Anlass, mich über die Organisation oder den Output dieses Programs zu beschweren. Im Gegenteil: Es war eine wichtige Erfahrung in meinem Leben und hat meine Denkweise stark verändert - zum Positiven: vorausschauen anstatt zurückblicken.

Team Brandia


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